Morgner-Museum in Soest zeigt die Sammlung von Carl-Jürgen Schroth

+
Der Sammler Carl-Jürgen Schroth.

Soest - Schmelzende Schneeflocken auf weißem Papier – reduzierter geht’s kaum. Wenige Schritte weiter: weiße Leuchtstoffröhren auf weißem Grund – der gleiche Eindruck: Ruhe, Kühle, Eleganz, ein eigener Humor. Der Betrachter muss sich einlassen auf das, was er sieht. Erst mit der Zeit erschließen sich Absicht und Tiefe der Arbeiten. „17 Melting Snowflakes“ von Spencer Finch und dessen „Crevasse“, beide 2008 geschaffen, sind Exponate der Ausstellung „format“ im Soester Museum Wilhelm Morgner.

Die Ausstellung ist ein Geschenk des Sammlers Carl-Jürgen Schroth zu seinem 70. Geburtstag und zum 35-jährigen Bestehen seiner Sammlung konstruktiver und minimalistischer Kunst, mit fast 400 Arbeiten eine der bedeutendsten Kollektionen ihrer Art. Ihre Geschichte ist eng mit der Persönlichkeit des Sammlers Carl-Jürgen Schroth verbunden. Eine breite inhaltliche Ausrichtung und eine starke persönliche, geradezu emotionale Prägung – das sind die Charakteristika, die Kuratorin Juliane Rogge mit der Auswahl verdeutlichen wollte.

Das Spektrum reicht von Malereien der französischen Konkreten wie Jean Legros, über minimalistische Lichtkunstobjekte von Francois Morellets bis zu Werken von Imi Knoebel, Blinky Palermo, Daniel Buren und Yves Klein.

Vor 35 Jahren waren die Sammelobjekte noch figurativ. Der frühere Wirtschaftsingenieur erwarb Kunst unter Dekorationsaspekten. Der „20th Century Cowboy“ von Sandfort Roth aus dem Jahr 1989 springt den Betrachter in seiner intensiven Farbigkeit fast an. Von reduzierten Mitteln kann keine Rede sein.

Ebenso farbintensiv ist der Siebdruck von Victor Vasarely aus dem Jahr 1980. Allerdings weist diese Arbeit in ihrer Op-Art-Ästhetik schon auf das hin, was Schroth später in erster Linie interessiert: die künstlerische Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen, optischen Phänomenen, die Frage nach Raum und Struktur.

Die frühesten Sammelobjekte hängen im Kabinett des Museums. Von dort aus geht es – weitgehend – chronologisch geordnet über den Umgang im ersten Stock hinunter in den hellen Raum Schroth im Erdgeschoss.

Das Jahr 1990 markiert eine Zäsur im Sammlungsgeschehen. Auslöser war die Begegnung mit einer unbetitelten Stahlarbeit von Heiner Thiel. Dieses „Schlüsselobjekt“ ist eine „gefaltete“ graue Platte, die den Betrachter in die Irre zu führen scheint, was Vorder- und Hintergrund angeht.

Der Sammler fühlte sich von diesem Werk angesprochen, nahm mit dem Schöpfer Kontakt auf und hält ihn noch heute. Erst vor wenigen Monaten gab Schroth zum 60. Geburtstag von Heiner Thiel mit einer Schau im Museum Wilhelm Morgner einen Überblick über das Schaffen des Wiesbadener Bildhauers. Freundschaftliche Beziehungen pflegt der Sammler zu vielen der mehr als 90 internationalen Künstler, deren Arbeiten er gesammelt hat. Zu jedem Werk kennt er den Namen und weiß meistens auch eine Geschichte dazu zu erzählen. Die Schweizerin Anne Blanchet schenkte ihm ein kleines Bild, das natürlich auch zu sehen ist.

Bei aller Vielfalt der Sammlungsobjekte ist sich Carl-Jürgen Schroth immer treu geblieben. „Schroth hat nie unter merkantilistischen Aspekten gesammelt“, sagt Kuratorin Juliane Rogge. Typisch für den Sammler ist sein Ausspruch: „Kunst, die ich kaufe, ist solche, mit der ich mich auch täglich umgeben würde.“ Tatsächlich ist bekannt, dass Carl-Jürgen Schroth seine Sammlung nicht nur im Magazin aufbewahrt, sondern sich zuhause mit Kunstwerken umgibt, sie Gästen zeigt und darüber spricht. „Für Ausstellungen wird auch schon mal unsere Wohnung geplündert“, erzählt Tochter Miriam Schroth.

Seine Schätze hatte Schroth schon früh vielfach in der Region präsentiert, bis er schließlich mit der Stadt Soest einig wurde. Seine wertvolle Sammlung sollte hier eine dauerhafte Bleibe finden. Die Zusammenarbeit mit ihm half, das ehemalige Wilhelm-Morgner-Haus zu sanieren und zum Museum Wilhelm Morgner umzubauen. Das ehemalige Atrium als heutiger Raum Schroth bietet dem Sammler Platz für regelmäßige Präsentationen seiner Werke.

Insofern hat der Titel dieser Ausstellung – „format“ – mehrfache Bedeutung. Er ist nicht nur Fachbegriff für die Dimension von Artefakten, sondern spielt auch auf die Qualität der Sammlung und die Eigenschaften des Sammlers selbst an. Nicht zuletzt leitet sich „format“ vom lateinischen „formare“ ab, was formen und bilden bedeutet. Die Ausstellung will Hemmschwellen senken, die Augen öffnen und „aus-bilden“ für moderne Kunst.

Bis 2.7., di – fr 14 – 17, sa, so 11 – 17 Uhr, Tel. 02921 / 1031131

www.skk-soest.de

Zur Finissage erscheint ein Bestandskatalog, 65 Euro

Im Raum Schroth des Museums läuft die Ausstellung weiter bis 17.8.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare