Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf zeigt eine große Cranach-Schau

+
Prachtvolles Andachtsbild: Lucas Cranachs „Madonna mit dem Kind“ aus Wroclaw.

Düsseldorf - Liebevoll hält die Madonna das Christuskind auf ihrem Schoß. Lukas Cranach bildete Maria mit höchster Kunst ab, eine wunderschöne Frau mit wallenden Locken unter einem transparenten Schleier mit den typischen schmalen Augen. Dass wir dieses Bild jetzt in Düsseldorf sehen, ist ein Wunder.

Jahrzehntelang galt es als verschollen. Der Künstler hatte es für den Breslauer Dom geschaffen, wo es bis 1943 hing. Dann meinte ein Priester, das Werk vor den Kommunisten retten zu müssen. Er schuf mit einem Maler eine Kopie und schmuggelte es 1947 in den Westen. Nach vielen Irrwegen wurde die prachtvolle Tafel erst 2012 wieder zurückgegeben. Es ist ein großer Vertrauensbeweis, dass sie nun für die Ausstellung „Cranach. Meister – Marke – Moderne“ im Museum Kunstpalast entliehen wurde.

Es war wohl auch das Konzept der Abschiedspräsentation des scheidenden Direktors Beat Wismer, das überzeugte. Das Düsseldorfer Museum besitzt gerade zwei Cranach-Gemälde und etliche Grafik-Blätter. Aber seit 2009 ist es auch Sitz des Cranach Digital Archive, das den unglaublichen Bestand von 1600 erhaltenen Werken erforscht und im Internet verfügbar macht. Dank diesem gebündelten Wissen bietet der Kunstpalast eine Werkschau mit den aktuellsten Erkenntnissen, unter anderem einer Neuzuschreibung. Ein Gemälde aus dem Besitz der Queen galt lange als Kopie nach Cranach aus dem 19. Jahrhundert. Mit Infrarotreflektografie und Röntgen fanden Kunsthistoriker heraus, dass das Doppelporträt einer Fürstin und ihres Sohnes (um 1515/25) das verschollen geglaubte Original ist.

Rund 200 Werke dokumentieren alle Schaffensbereiche des Künstlers, zeigen Vergleichsstücke von Zeitgenossen wie Dürer, Holbein und anderen, belegen die Inspiration auf Nachfolger bis in die Moderne mit Arbeiten von Picasso, Giacometti, Kirchner, Dix, Warhol. Leihgaben kommen aus den wichtigsten Museen der Welt, der Eremitage St. Petersburg, dem Metropolitan Museum New York, der National Gallery London...

Und die Schau ist ein Beitrag zum Reformationsjubiläum. Cranach (1472–1553) war nicht nur Trauzeuge bei Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora. Ohne ihn wüssten wir nicht, wie der Reformator aussah. Und er trug mit seinen Bildfindungen entscheidend dazu bei, dass sich die Reformation durchsetzte. Schon sein Bildnis Luthers als Junker Jörg war ein Medienscoop: Die Öffentlichkeit hatte den rebellierenden Mönch für tot gehalten. Das als Holzschnitt weit verbreitete Porträt verkündete die Sensation: Luther lebt.

Cranach war schon seit 1500 ein erfolgreicher Künstler. Er beherrschte alle geforderten Motive, Porträts von Adligen und wohlhabenden Bürgern, höfische Repräsentationsmalerei und Heiligenbildnisse. Den büßenden Hl. Hieronymus malt er 1502 mit aller Emotionalität, die ein frommer Katholik sich wünschen kann. 1505 aber berief ihn der sächsische Kurfürst Friedrich III. als Hofmaler nach Wittenberg. Das war der Beginn einer rasanten Karriere. Cranach hatte nicht nur eine einträgliche Stellung, bei der er neben Gemälden für die Ausstattung der Residenz schuf, sondern auch Teppiche, Möbel, Kostüme, Münzen und Kanonen gestaltete. Nebenher war er auch noch Ratsmitglied, zeitweise Bürgermeister, und betrieb eine Apotheke. 1528 ist Cranach der zweitreichste Bürger der Stadt.

Dass er bei alledem noch enorm viele Bilder schuf, liegt daran, dass er auch das perfekt organisiert hatte. Gemalt wurde fabrikmäßig, mit Gehilfen, zu denen später Cranachs Söhne Hans und Lucas d.J. gehörten. Cranach war ein begnadeter Maler, aber ebenso genial ist die Leistung, die Qualität der ausgestoßenen Gemälde auf dem hohen Niveau zu halten. Der Künstler machte das Wappen, das ihm Friedrich 1508 zugesprochen hatte, zum Markenzeichen: Überall findet man die geflügelte Schlange mit dem Ring im Maul.

Cranach war der Maler der Reformation, und er erfand dafür neue Themen. „Gesetz und Gnade“ (1529) illustriert perfekt Luthers Lehre: Nicht das Einhalten von Geboten garantiert das Heil, sondern allein die Gnade Gottes führt den von Natur aus schwachen und sündhaften Menschen doch noch ins Heil. Ist es ein Wunder, dass auf diesem Bild ein Prophet und Johannes der Täufer mit dem Zeigefinger auf Christus weisen? Den barmherzigen, gnädigen Gott zeigte er in Tafeln wie „Christus und die Ehebrecherin“ (1532). Im Gemälde „Christus segnet die Kinder“ (um 1535/40) hält der Heiland ein Baby auf dem Arm, wie man es früher in Bildern von Maria und dem Kind sah.

Aber man begegnet in Düsseldorf auch dem großen Erotiker Cranach, der für seine Aktdarstellungen gerühmt wurde. Aus der Eremitage kommt die lebensgroße Darstellung der Venus mit Cupido (1509). Anmutige, verführerische Frauen schuf Cranach immer wieder, mal als biblische Figur wie bei seiner Judith mit dem Haupt des Holofernes (um 1530), mal im Porträt von Sibylle von Cleve (um 1526), der Frau des Kurfürsten Johann Friedrich I., die er mit wallenden blonden Locken und einem extravaganten Kopfschmuck zeigt. Selbst das Opfer einer Vergewaltigung, die Prinzessin, die der Hl. Chrysostomus schändete, malt Cranach um 1525/30 als strahlende Schönheit. Auch den Täter, den seine Reue und strenge Buße zum Heiligen machte, findet man auf dem Bild: Winzigklein kriecht er nackt auf allen Vieren durch den Wald.

Cranach. Meister – Marke – Moderne. 8.4.–30.7., di so 11 – 18, do, sa bis 21 Uhr, Tel. 0211/ 566 42 100

www.cranach2017.de

Cranach Digital Archive:

www.lucascranach.org

Katalog, Hirmer Verlag, München, 39,90 Euro

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare