Museum Kunstpalast in Düsseldorf zeigt Werke von Andreas Achenbach

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Nicht wirklich vor dem Wetter geschützt: Andreas Achenbach zeichnete die „Alte Holländerin im Regen“ 1837, zu sehen ist das Tuschblatt in Düsseldorf.

DÜSSELDORF - Wenn man wissen möchte, was ein Malerfürst ist, dann sollte man auf Andreas Achenbach (1815–1910) blicken. Noch heute ist der Meister der Düsseldorfer Malerschule einer der bekanntesten Künstler des 19. Jahrhunderts. Aber zu Lebzeiten war er ein Star, der seine Bilder bis in die USA verkaufte und für ein Werk das Siebenfache eines Handwerker-Jahreslohns kassierte. Und als man ihn zu Grabe trug, gab es eine Festlichkeit im Format eines Staatsaktes.

Das Museum Kunstpalast in Düsseldorf würdigt nun den Ortsheroen mit der eher ungewöhnlichen Ausstellung „Andreas Achenbach. Revolutionär und Malerfürst“. Die rund 130 Exponate stellt Wolfgang Peiffer zur Verfügung, der wohl über die bedeutendste Privatsammlung zu Achenbach verfügt. Hier erlebt man nicht nur den virtuosen Maler von Landschaften und vor allem dramatischen Marineszenen. Man sieht auch den heißspornigen Karikaturisten und den empfindsamen Beobachter von Natur und Menschen, denn die Sammlung beleuchtet auch die eher unbekannten Aspekte in Achenbachs produktivem Schaffen.

Achenbach war ja nicht nur das Wunderkind aus großbürgerlicher Familie, das bereits mit zwölf Jahren an der Kunstakademie studierte. Und wenn er auch große Erfolge feierte und anerkannt wurde, so eckte er doch auch immer wieder an. Er war ein Freidenker, berichtet die Kuratorin Bettina Baumgärtel, der als 20-Jähriger von der Kunstakademie gefeuert wurde, weil ihm die Lehrordnung und die Personalpolitik des Direktors Friedrich Wilhelm von Schadow nicht passte. Er ließ sich nie vereinnahmen, lehnte zum Beispiel mehrfach ab, sich in den Adelsstand erheben zu lassen.

Seine Stunde als Karikaturist schlug im Umfeld der 1848er-Revolution, als es europaweit Aufstände gegen die Monarchien gab. Seine Zeichnungen waren von ätzender Schärfe, zum Beispiel wenn er die soziale Not in Schlesien kommentierte mit dem Blatt „Milde Beiträge für Schlesien“ (1847/48), einer Wagenladung voller Särge. Den französischen König Louis Philippe, der nach England geflohen war, zeigt er als Faulenzer auf dem Sofa mit Geldsäcken statt Kissen, während der „Strom der Zeit“, die Revolutionäre, unten an ihm vorbeirauschen. Und die starren Posen der feinen Gesellschaft karikiert er als steife Zylinderträger unter dem Titel „Automaten-Versammlung zu Düsseldorf“.

Seine zeichnerischen Gaben nutzte er auch für harmlosere Anlässe, zum Beispiel für Skizzen zum Karneval. 1837 zeichnet er einen „Zug der Düsseldorfer Künstler“ in vier Teilen, der mit frei erfundenen Hieroglyphen an ägyptische Friese erinnert. Die Zeichnungen sind von erstaunlicher Modernität. Und wie wundersam und erheiternd ist die Tuschzeichnung der Haager Bäuerin im Regen, die in der Rechten einen völlig ausgefledderten Schirm hält und in der Linken eine Flasche (1837).

Wunderbar spontan und ungewöhnlich in den Motiven sind auch die Skizzen und Zeichnungen der Ausstellung. Der reiselustige Achenbach porträtiert sich selbst 1838 auf der Isle of Wight als Zahnleidenden „mit dicker Backe“. Es gibt feine Landschaftsimpressionen, aber auch Details wie Pflanzen aus dem Tivoli. 1844 zeigt er einen Laubbaumzweig als einzelnes Motiv, ortlos, isoliert, wie das Präparat eines Naturforschers. Eine Skizze vom Vänersee in Schweden ist von geradezu asketischem Minimalismus, die horizontalen Streifen wirken auf den heutigen Betrachter fast schon abstrakt. Und in dem kleinen Gemälde „Altes Paar am Strand“ (1850) lässt Achenbach den Meeresspiegel im Licht flirren fast wie William Turner.

Man sollte sich freilich hüten, Achenbach zum Avantgardisten hochzujazzen. Gerade seine erzählfreudigen Marinen waren perfekt dem Zeitgeschmack angepasst. Die detailreiche „Küstenlandschaft“ (1837) mit dem bemoosten, verwitterten Holzhaus im Vordergrund, das so einen breiten Schatten wirft, mit den wilden Wogen und dem dramatischen Himmel. Und dann treibt da noch ein gekentertes Boot, zu dem zahlreiche Menschen eilen. Sind es Helfer oder Plünderer? Aber auch für die eher konventionellen Gemälde hat Kuratorin Baumgärtel noch eine neue Interpretation zur Hand. Die „große Marine mit Leuchtturm“ (1836) zum Beispiel zeige die schmale Grenze zwischen festem Boden und der unberechenbaren Naturgewalt. Das brennend treibende Schiff am Horizont verkörpert aufkommende Gefahr. Das nervenkitzelnde Abenteuergemälde versinnbildliche also eine verunsicherte Gesellschaft.

Man muss solche politisierenden Deutungen nicht teilen, um an der kompakten, aber gleichwohl abwechslungsreichen Schau sein Vergnügen zu haben. Andreas Achenbach war wohl in vielen Bildern mehr Malerfürst, aber in einigen Werken Revolutionär genug.

Bis 1.10., di – so 11 – 18, do bis 21 Uhr, Tel. 0211/ 566 42 100, www.smkp.de, Katalog, Athena Verlag, Oberhausen, 19 Euro

Quelle: wa.de

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