Das Musical „Tarzan“ überzeugt in Oberhausen

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Muskulös und schwungvoll: Tarzan (Alexander Klaws) hat das Ruhrgebiet erreicht. Die gleichnamige Musical-Produktion ist im Metronom Theater Oberhausen zu sehen.

OBERHAUSEN Bitte bleiben Sie sitzen, die Affen fliegen tief in Oberhausen! Ihr Schwung erzeugt einen Luftzug, der sich tatsächlich spüren lässt, wenn sie an Seilen, ach nein, an Lianen natürlich, über die Köpfe der Zuschauer sausen. Das bringt Druck in den Dschungel. Nun ist die Musicalproduktion „Tarzan“ im Ruhrgebiet angekommen.

Das Disney-Format aus Hamburg – ab 2008 zweiterfolgreichstes Produkt nach dem „König der Löwen“ – tourt über Stuttgart (ab 2013) ins Metronom Theater und entfaltet seine Bühnenästhetik. Neben der krabätzigen Affenbande als Tempoimpuls stimuliert die Inszenierung von Kevin Lima und Chris Buck mit pfiffigen Bildperspektiven die Lust auf Entdeckungen: Tarzans Eltern schwimmen unter Wasser, robben an Land und gehen über den Sandstrand. Die Schiffsbrüchigen ziehen ein kippeliges Baumhaus in die Höhe, und der Leopard mit den orangegelben Augen sorgt für Grusel. Dass er Tarzan zum Waisen macht, ist schnell und ohne fiesen Todeskampf erzählt. Das Musical deutet früh an, dass die Spannungsbögen kurz sind und der Schrecken für Kinder dosiert wird. Phil Collins’ rhythmusstarke Popmusik spült gleich eine soziale Wärme ins Urwalddickicht, so dass man zu dem Song „Zwei Welten, eine Familie“ die programmatische Grundordnung der Geschichte verinnerlicht. Alles wird gut.

Zuverlässig ist das Erzählmotiv Freundschaft mit der Figur Terk besetzt. Massimiliano Pironti gibt dem zutraulichen Minigorilla etwas Eigensinn und viel Energie, wenn er den jungen Tarzan antanzt: „Du brauchst einen Freund“.

Die 14-köpfige Affenschar schwingt nicht nur durch den Bühnenwald (Bob Crowley), sie immitiert den Familienverband der Menschenaffen naturalistisch, wenn es am Ende darum geht, wo sie existieren können. Das ist eine der Stärken der „Tarzan“-Variante mit Musik. Neben dem Kern des exotischen Märchens um Tarzan und Jane, werden die Gorillas als friedliche und liebenswerte Spezies entdeckt, die nicht in den Tierpark gehört. Und der abenteuerliche Kampf Tarzans nach den Geschichten von Edgar Rice Burrough (ab 1912) geht hier in Bildern aus der Verhaltensforschung mit Gorillas auf, die für den Augenblick anrühren, und Burrough noch gar nicht kennen konnte. Elefanten gibt es auch nicht in Oberhausen.

Treibstoff der Dramaturgie ist aber das Schießpulver des Großwildjägers. Patrick Imhof spielt ihn kraftvoll, zielstrebig, aber nicht blutgierig. Als er den Silberrücken Kerchak niederstreckt, muss sich Tarzan entscheiden. Führt er nun die Gorillas in eine neue Zukunft oder geht es mit Jane nach England?

Die Lovestory ist infantil, naiv, neckisch. Tarzan schnuppert und leckt („Mein Herz schlägt immer schneller“), Jane sieht erstmals einen Mann („Nackend. Oh!“): Muskelberge, Sixpack und ein Lendenschurz. Da wird der Reifrock überflüssig, den Jane im Netz der Spinne zurücklässt. Tarzan rettet sie, und Alexander Klaws macht nicht nur eine gute Figur, er spielt auch die äffische Seite des biporalen Wesens dieser Theaterprodukiton erstaunlich gut. Unter den Primaten hantiert er mit Feuer, Faustkeil und Messer. Im Expeditionscamp spannt er seinen Tarzan mit kräftigen Oberarmen und auf den Fingerknochen zur animalischen Studie eines Gorillas. Zum Träumen ist dagegen der Ausflug aufs Dach des Urwalds, wenn er Jane mitnimmt („Ich will nur bei ihr sein“) und das Bühnenlicht grünlichen Glanz und Weite illusioniert. Sehr innig fällt die Beziehung zu Kala (Sabrina Weckerlin), seiner Affenmutter, aus. „Dir gehört mein Herz“ ist einer der wiederkehrenden stimmungsvollen Songs. Wie die emanzipierte Kala mit ihrem Gorillagatten Kerchak Probleme einer Ehe löst, basiert vor allem auf menschliche Streitkultur. Dabei fällt es ihr zu, den Satz zu sagen, der alle bewegt: „Wir schaffen das.“ So will sie den kleinen Tarzan (Simon Pauls) in die Affenfamilie integrieren, was Kerchak erzürnt. Patrick Stanke gibt ein wuchtiges Alphatier, das Tarzan noch werden muss. Und wer hilft dabei? „Janechen“, nennt sie ihr Vater, den Japheth Myers als schrulligen Forscher-Opa ausstellt, der Tee serviert. Und Jane (Tessa Sunniva van Tol) denkt zwar an England, aber hängt schlussendlich lieber an Tarzans Liane.

Bis 31. März 2017, außer montags, Ticket-Hotline 01805 4444 (14 Cent/pro Min. aus Festnetz), www.stage-entertainment.de

Quelle: wa.de

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