Neue CD: Chris Potter: The Dreamer is the Dream

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Chris Potter: The Dreamer is the Dream

Chris Potter: The Dreamer is the Dream (ECM). Zweieinhalb Minuten lang singt Chris Potter im Titelstück von „The Dreamer is the Dream“ auf der Bassklarinette. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Die Kompositionen des US-Saxophonisten sind oft Songs im klassischen Sinn, so phrasiert, dass der Hörer im Kopf die Verse zu vernehmen glaubt. Dann folgt ein ebenso beredtes Solo des Bassisten Joe Martin, und eigentlich bleibt diese ergreifende Hymne ein Dialog dieser beiden, obwohl Schlagzeuger Marcus Gilmore und Pianist David Virelles durchaus mitspielen. Das dritte Album des Musikers für ECM trifft immer wieder diese eher lyrische Grundstimmung, bei der sich die Begleiter sehr zurückhalten, damit der reiche Ton des Solisten sich entfalten kann. Und Potter verfügt über alle Register am Saxophon, die atemlos verdichteten Notenkaskaden, den weit klingenden epischen Gesang, raue Akzente, das vibratohafte Spiel mit Flatterzunge. „Memory And Desire“ hat eine impressionistische Stimmung, diesmal mit mehr Raum für Virelles. Bis auf „Sonic Anomaly“, den Rausschmeißer mit seinem boppigen Unisono-Thema und dem schön freien Piano-Solo, dauert jedes Stück mindestens acht Minuten. Sie nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, und diese Entspanntheit tut der Musik gut. „Ilimba“ leitet Potter mit einem Pattern auf dem gleichnamigen afrikanischen Daumenklavier ein. Das Stück behält diesen Afro-Groove, und Gilmore spielt ein wunderbar strukturiertes Solo, melodiös und in der Steigerung kraftvoll. -  Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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