"Odyssee" am Möhnesee vereint 24 Künstler

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Zwei Schiffe auf dem Möhnesee: Das eine kreuzt mit den von Raul Walch gestalteten Segeln, das andere schuf Daewah Kang aus 270 Holzlatten nahe der Körbecker Fußgängerbrücke. Beide zählen zur „Odyssee“, einem Projekt des Kunstverein Arnsberg.

MÖHNESEE - Laufen, Radeln, Schwimmen – dieser künstlerische Triathlon wird ab heute möglich, wenn am, im und auf dem Möhnesee der erste Teil der Ausstellung „Odyssee“ eröffnet wird. Während die Kunstobjekte bei der documenta in Kassel im Laufen und beim Skulptur Projekt in Münster mit dem Fahrrad zu erreichen sind, kann man die Werke am und im „Westfälischen Meer“ schwimmend, segelnd oder tauchend antreffen.

24 internationale Künstler – darunter „documenta“-Teilnehmer wie Daniel Knorr – haben sich auf Einladung des Kunstvereins Arnsberg mit dem Thema Möhnesee auseinandergesetzt. Die meisten Teilnehmer haben bereits im Kunstverein ausgestellt.

„Odyssee“ verlangte ihnen neue Ideen und Konzeptionen ab, fehlen bei dieser Ausstellung doch verlässliche Grundelemente wie Wände, Decke und Boden. Stattdessen haben sie mit Wasser, Wetter und Tieren zu tun. Wenig ist vorhersehbar, vor allem das Wasser nicht, weil der Pegelstand je nach Regenfall und Industriebedarf steigt oder fällt. Diese Unsicherheit fordert, dass die Künstler ihre Methoden und Techniken überdenken.

Viele orientierten sich zunächst vor Ort im Bereich des Yachtclubs Westfalia Arnsberg am Nordufer des Möhnesees, um ihre Arbeit entsprechend anzupassen. Die meisten schufen anschließend stark auf den See und das Projekt bezogene Werke. Einige steuerten neue Objekte bei, die sie nicht speziell mit dem Ort, aber mit dem Element Wasser befassen.

Vom Land aus erkennt der Betrachter unter anderem die farbig gestalteten Segel des Berliners Raul Walch, den kleinen Wald im Wasser der iranischen Künstlerin Tanaz Modabber und den „Gartenzaun“ von Daniel Knorr, der damit einen Teil des Sees privatisiert hat. An der Körbecker Brücke ist auch das Objekt des in London lebenden Künstlers Daewah Kang zu sehen, das aus 270 Holzlatten gleicher Größe besteht und eine stabile Struktur bietet. Zur vier Meter hohen Unterwasser-Leinwand des Italieners Marco Bruzzone aber muss man tauchen, um sie zu sehen. Ebenso zur Skulpturengruppe von Kerstin Brätsch, die wie ein versunkenes Wrack am Boden des Möhnesees dümpelt.

Bis zur letzten Minute vor der Ausstellungseröffnung wurde gemalt, gehämmert und gesägt. Und etliche Objekte wurden erst kurz zuvor an ihrem Standort verankert. Der ungewöhnliche Ort verlangt erhöhte Sicherheitsmaßnahmen.

Zur „Odyssee“ inspiriert wurden die Arnsberger von Kaspar König, dem international renommierten Kunstprofessor, Kurator und ehemaligen Direktors des Kölner Museums Ludwig. Ihm ging es darum, Kunst in den Freizeitbereich zu bringen und ohne Schwellenangst erlebbar zu machen. Der Möhnesee – zwischen den Hotspots Kassel und Münster gelegen – schien ihm genau der richtige Ort dafür zu sein.

Feriengäste können spontan vom Rad steigen und Kunst anschauen oder von den Seebädern und Segelhäfen aus zu den Kunstobjekten schwimmen. „Familienfreundlichkeit“ wird groß geschrieben. In diesem Zusammenhang: Ella Ziegler, Preisträgerin des Bundeskunstpreises, hat temporäre Tattoos entworfen, die Wasservögel vom See zeigen.

Die „natürliche“ Idee überzeugte viele Geldgeber, die zusammen mit unzähligen Ehrenamtlichen das Projekt „Odyssee“ möglich machten. Kosten mögen die Veranstalter nicht nennen, nur so viel sagen sie: Alles zusammen sei vermutlich günstiger gewesen als eine Arbeit beim Skulptur Projekt in Münster.

Am Möhnesee sind die Skulpturen wegen der großen Sicherheitsauflagen nur zehn Tage zu sehen. Der zweite Teil der Ausstellung wird nächste Woche Freitag im Arnsberger Kunstverein eröffnet. Außerdem sollen zwei oder drei Arbeiten, die bereits jetzt am Möhnesee gezeigt werden, während des Arnsberger Kunstsommers in der Ruhr zu sehen sein.

Das Projekt

Die Outdoor-Ausstellung „Odyssee“ mit Werken von 24 internationalen Künstlern am Möhnesee wird heute um 19 Uhr auf dem Gelände des Yachtclubs Westfalia Arnsberg am Möhnesee eröffnet.

Bis 30. Juli; täglich von 11 bis 19 Uhr sind Ansprechpartner vor Ort. Von 16 bis 18 Uhr werden jeden Tag fachkundige Führungen geboten.

www.kunstverein-arnsberg.de.

Quelle: wa.de

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