„Odyssee“-Schau im Kunstverein Arnsberg

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Retro Pulfers Installation im Kunstverein Arnsberg.

ARNSBERG Wenn die Sonne auf das Bürgerhaus in Arnsberg scheint, wo der Kunstverein seine aktuelle Ausstellung „Odyssee“ zeigt, dann entwickeln sich Blautöne in der Installation von Reto Pulfer, die einen träumen lassen. Von Wasser, Himmel, Wellen, Lagune... Titel des Kunstwerks: „Unter-Wasser-Erlebnis“, aus Stoffen genäht.

Pulfer zählt zu den 25 Künstlern, die mit ihren Arbeiten am Möhnesee elf Tage lang der windigen Witterung ausgesetzt waren und die Kunst an, im und auf dem Stausee präsentiert haben. Ein Teil von Ulrike Mohrs „Wasserzeichnung“ aus geköhlertem Holz hat Kurator Vlado Velkov mit in den Kunstverein gebracht. Das sich das Outdoor-Bild zur Hälfte aufgelöst hatte, ist aber im Ausstellungskonzept eingepreist. Velkov bezeichnet sich auch lieber als Initiator denn als Kurator. Seine gemeinsame Absicht mit den Künstlern zielte darauf, dass die Naturkräfte an den Kunstwerken der „Odyssee“ modellierten. Daniel Knorrs viereckiger Zaun, der ein Stück Privatraum auf dem Möhnesee behauptete, war sogar samt Verankerung bis zur Brücke abgetrieben. Knorr ist der heimliche Star der Schau, weil sein Werk „Expiration Movement“ (auslaufende Bewegung) – der weiße Rauch aus dem Zwehrenturm in Kassel – die documenta eröffnet hat. Auch die „Knochen“ von Andreas Greiner mussten mit der Natur klar kommen. Einige hatten soviel Wasser gezogen, dass sie teilweise untergingen, erzählt Velkov. Nun liegen zwei davon im Kunstverein und zählen zur gleichnamigen Ausstellung: „Odyssee“.

Die „Unvorhersehbarkeit“, wie Vlado Velkov es nennt, ist in den Räumen des Kunstvereins wieder passé. Es ist alles wie immer: klare Platzgrößen, fester Untergrund, stabile Wände. Für Swantje La Moutte ist die Schau eine wichtige Station, wenn sie die Ergebnisse ihrer prozessualen Arbeit auswertet. Der lange Titel „Keine der Inseln im Meer’ ist mutigen Rossen zur Laufbahn Oder zur Weide bequem, und Ithaka minder als alle“ aus Homers „Odyssee“ spielt auf das Veränderliche, auf Energie an, die für die Berliner Künstlerin wichtig war. „Mir passten die Unwetter sehr gut“, sagt sie in Arnsberg. La Moutte hatte 50 Flaschen ausgebracht und an einer Boje befestigt. Jede „Flaschenpost“ war mit Papier und Ölkreiden in fünf Farben bestückt. La Moutte wollte eine Zeichnung von der Natur „schreiben lassen“. Welche Spuren hat das bewegte Wasser verursacht?

In Arnsberg sind erste Papiere zu sehen. Die Oberfläche gibt feine Farbpigmente wieder, mal scheint die Fläche fast gleichmäßig bearbeitet zu sein, mal bilden sich Verdichtungen. Die Farben wirken fein abgestimmt. Swantje La Moutte findet, dass die Papiere mit Wachsölkreiden „pointillistischer“ wirken als die Papiere, die mit Pastellkreiden in Berührung kamen. Die Künstlerin geht einer (Meta)Naturbewegung nach, die sie sichtbar machen möchte – auch mit einer Tanzperformance.

Dagegen interessiert sich Yorgos Sapountzis für einen Teil der Geschichte Odysseus’. Wie der Zyklon die Griechen in seiner Höhle gefangen hielt, hat ihn dazu bewogen, dieses antike Monster zu malen. Sapountzis hat dazu Druckfarbe auf Folie aufgetragen und diesen Farbträger dann auf Satinstoff gepresst. Die mit kräftigen Tönen abstrahierte Figur hat der griechische Künstler, der in Berlin lebt, zerschnitten und dann mit Stecknadeln neu zusammengefügt. Es überwiegt ein fragmentarischer Eindruck.

Vom deutschen Künstler Raul Walch, der mehrfarbige Segel für die „Odyssee“ am See geschaffen hatte, ist ein Spinnaker („Spherical Semaphore“) in einem Raum des Kunstvereins gespannt. Was ihm fehlt, ist der Wind und das Unvorhersehbare.

Bis 10. 9.; mi-fr 17.30 – 19 Uhr, so 11 – 15 Uhr;

Tel. 02931/21122;

www.kunstverein-arnsberg.de

Quelle: wa.de

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