Schweden

Eklat wegen Peter Handke und Nobelpreis: Akademiemitglied boykottiert Nobelwoche

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Literaturnobelpreisträger Peter Handke bei einer Rede (Archivbild).

Die Vergabe des Literaturnobelpreises an Peter Handke entzweit die schwedische Akademie. Ein langjähriges Mitglied boykottiert die Nobelwoche.

Stockholm - Die Vergabe des Literaturnobelpreises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke schlägt weiter hohe Wellen. Ein langjähriges Mitglied der Schwedischen Akademie boykottiert die diesjährige Nobelwoche - und gibt als Grund Peter Handke an. „Peter Handkes Nobelpreis zu feiern, wäre von meiner Seite grobe Heuchlerei. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe“, teilte Peter Englund der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ in einer E-Mail mit. 

Das Akademiemitglied wird deshalb diesmal an keinen Feierlichkeiten rund um die Literaturnobelpreisvergabe teilnehmen. Auf der Teilnehmerliste für die Nobelzeremonie am kommenden Dienstag im Konzerthaus von Stockholm fehlt der Name Englund bereits.

Peter Handke und Olga Tokarczuk: Literaturnobelpreisträger im Oktober

Die Schwedische Akademie hatte nach ihrem Skandaljahr 2018 im Oktober zwei Literaturnobelpreisträger verkündet: Die Polin Olga Tokarczuk erhält den Preis für das Jahr 2018, der Österreicher Handke für 2019.

Akademiemitglied Peter Englund boykottiert die Nobelwoche.

Nach der Bekanntgabe war eine große Debatte um Handke und seine umstrittene Haltung zum Jugoslawien-Konflikt entstanden. Am Freitag war in Stockholm eine Pressekonferenz mit den beiden Preisträgern geplant. Englund, der von 2009 bis 2015 ständiger Sekretär der Akademie war, hatte in den 90er Jahren als Reporter über den Balkankrieg berichtet. 

Peter Handke: Kritik an seiner Nähe zu Slobodan Milosevic

Er hatte sich dabei laut „Dagens Nyheter“ deutlich gegen serbischen Nationalismus und das Vorgehen des serbischen Anführers Slobodan Milosevic ausgesprochen. Handke hatte 2006 bei der Beerdigung von Milosevic eine Rede gehalten. (FR/dpa)

Peter Handke und der Literaturnobelpreis: Die Debatte geht weiter

Das Dilemma zwischen Kunst und Kultur: Seit die Schwedische Akademie Anfang Oktober die Vergabe des Literaturnobelpreises 2019 an Peter Handke bekanntgegeben hat, verging keine Woche, in der nicht weitere Fakten und Indizien über den österreichischen Schriftsteller zusammengetragen wurden. Der Fall Peter Handke* dient immer mehr als politisches Déja-vu.

Peter Handke: Seine Klarstellungen machten es schlimmer, nicht besser. Bis heute erklärt sich Handkes provozierende Parteinahme im Jugoslawien-Krieg* nicht nur durch seine politische, sondern seine poetische Weltsicht.

Peter Handke stellte sich vor der Übergabe des Literaturnobelpreises der Presse*. Auf eine Frage reagierte er mit Rage.

Zu einem Boykott rufen auch die Eltern an der Elisabethenschule in Frankfurt auf. Der bemängelte Großcaterer plant jetzt seinen Rückzug.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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