Phil Collins bei Triumphzug in Köln: "Ich habe euch vermisst!"

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Köln - Glücklich können sich die Fans in der Kölner Lanxess-Arena schätzen, Phil Collins auf der Bühne zu sehen. Wegen eines kleinen Unfalls wurden zwei andere Konzerte abgesagt. Nicht so in Köln.

Nur wenige Tage vor dem ersten von geplanten fünf Konzerten in der Domstadt, ist der 66-jährige Sänger in seinem Hotelzimmer gestolpert, hat sich dabei verletzt und musste zwei anstehende Auftritte in Großbritannien absagen. Köln ist die erste Station danach. Und die rund 16.000 Zuhörer lassen die La-Ola-Welle durchs Rund schwappen, während sie auf Collins warten.

Der Brite selbst kann ebenso frohen Mutes sein, schließlich geht so ein Missgeschick auch schon mal fürchterlich ins Auge. Im Krankenhaus nähten die Ärzte eine Platzwunde am Kopf. 24 Stunden blieb er zur Beobachtung im Hospital. Gebeutelt ist Collins aber nicht erst seit diesem Vorfall. Vor Jahren musste er das Schlagzeugspielen nach einer Operation aufgeben. In Köln sitzt Sohn Nicholas an den Drums, und der erst 16-Jährige löst die Aufgabe mit Bravour.

Eine weitere Operation, diesmal am Rücken, verursachte bei Collins Ende des vergangenen Jahres Taubheitsgefühle im rechten Fuß. Seitdem ist der Gehstock sein regelmäßiger Begleiter. In Köln müht sich Collins schwerfällig die Treppen hinauf auf die Bühne. Aber der Sänger nimmt‘s wie ein Indianer und holt sich einen tosenden Applaus ab, als er mit einem Pflaster auf der Stirn ins Scheinwerferlicht humpelt. Dann setzt er sich auf einen Stuhl. „Hatte ich nicht gesagt, ich würde in den Ruhestand gehen? Um ehrlich zu sein, ich habe Euch vermisst“, sagt er zur Begrüßung auf Deutsch.

Schon da ist klar: Das Konzert in Köln wird zu einem Triumphzug, zur Huldigung von einem der größten Künstler der Popmusik-Geschichte, ein Abend voller großer, mal ergreifender, mal ausgelassener Moment. In rund zweieinhalb Stunden Nettospielzeit liefert Phil Collins einen Hit nach dem anderen ab. So viele bekannte Songs hat er in seiner Karriere gesungen, dass es nicht einmal alle namhaften Stücke auf die Setlist schaffen. Disney-Fans werden über das Fehlen von „You‘ll Be In My Heart“ klagen, andere über die Nichtberücksichtigung von Collins‘ Version von „A Groovy Kind of Love“ und wiederum andere über das Nein zum Cover von „True Colors“.

Dafür geht es bereits am Anfang Schlag auf Schlag mit „Against All Odds (Take a Look at Me Now)“, „Another Day in Paradise“ und „One More Night“. Alleine das lebhafte Wippen des gesunden linken Fußes lässt erahnen, dass Collins viel lieber stünde und sich bewegen würde, statt sich seinen körperlichen Einschränkungen beugen zu müssen. Den Schalk im Nacken hat er noch immer, feixt, macht Witze. Insgesamt 15 Musiker begleiten ihn auf seiner Tournee, die augenzwinkernder Weise „Not Dead Yet“ – „Noch nicht tot“ - betitelt ist, darunter vier Backgroundsänger und ein Bläserquartett, das zum ersten Mal bei „I Missed Again“ und vor allem gegen Ende des Konzerts etwa beim Supremes-Cover „You Can‘t Hurry Love“ oder „Dance Into the Light“ für überschwängliche Stimmung sorgt. Die gibt es auch bei „Something Happened on the Way to Heaven“: Dort wollen die Fans fast gar nicht mehr aufhören, zu klatschen. Und „In the Air Tonight“ entwickelt sich zum eindrucksvollen Höhepunkt der Show.

Auch von Genesis, der Band in der Collins nach eigenem Bekunden „vor 300 Jahren“ spielte, gibt es zwei Songs zu hören: „Follow You Follow Me“ und „Invisible Touch“. „Separate Lives“ singt er im Duett mit Bridgette Bryant. „Die Leute denken immer, das Stück sei von mir. Die Wahrheit ist: Ich hätte die Nummer gerne geschrieben“, berichtet Collins.

Bei „You Know What I Mean“ wird der Sänger von seinem Sohn am Klavier begleitet. „Vor zwei Jahren hat er sich ein paar Platten von mir angehört und fand dort einen Song, den er sehr mochte. Es war aber nur ein einziger“, lacht Collins. Den habe er dann spielen lernen wollen. Das rührende Ergebnis, bei dem beide nebeneinander am Flügel sitzen, bekommen die Zuhörer in Köln serviert inklusive Umarmung am Ende des Songs.

Bis Freitag, 16. Juni, gastiert Phil Collins in Köln. Wenige Restkarten für die Shows sind noch erhältlich.

Quelle: wa.de

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