Punkrock-Fete mit Green Day bei Konzert in Köln

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[Update 16.23 Uhr] Köln - Die versifften kleinen Clubs und die vor sich hin rottenden Skate-Parks haben Green Day längst hinter sich gelassen. Das kalifornische Trio füllt heute die großen Hallen und ganze Stadien. Ausverkauftes Haus meldet auch Köln beim Gig in der Lanxess-Arena: Rund 16.000 Fans wollen die Band sehen.

Bereits in den 90er Jahren hat das Trio aus Kalifornien den Punkrock ins Rampenlicht der großen Bühnen gerückt und damit dem eigentlichen Selbstverständnis des Szene mit seinem „Do It Yourself“-Gedanken und der antikapitalistischen Haltung eine Absage erteilt. Das Album „Dookie“ wurde 1994 zum Millionenseller. Zehn Jahre später veröffentlichten Green Day die Punkrock-Oper „American Idiot“ und wurden spätestens da zu waschechten Popstars weitab jeder Subkultur.

Und was macht die Band um Frontmann Billie Joe Armstrong? Sie reckt allen Nörglern und Stinkern den Mittelfinger entgegen. Wen interessiert’s schon, was andere denken? Die rotzige Attitüde haben sich die Musiker, heute allesamt 44 Jahre alt, erhalten, ebenso wie den politik- und gesellschaftskritischen Gehalt ihrer Songtexte, der im Verlauf der Karriere eher zu- statt abnahm.

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Konzert von Green Day in Köln

Dieser Tage kommen genügend Themen auf den Tisch, die Armstrong, Bassist Mike Dirnt und Schlagzeuger Tré Cool sauer aufstoßen – allen voran die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und seine jüngst erlassenen Dekrete. Es dauert nicht lange, und der Sänger initiiert Anti-Trump-Sprechchöre. Die Halle skandiert mit. „Wir achten aufeinander. Wir kümmern uns um die Menschen, die im Krieg leiden mussten. Wir sind keine Faschisten. Deutschland, fühlst Du mit mir?“ hält er ein leidenschaftliches Plädoyer für Flüchtlinge.

Rund zweieinhalb Stunden gibt Armstrong den rastlosen Einheizer. Er dirigiert die Massen wie ein aufgedrehter Zirkusdompteur, gibt sich clownesk, wenn er die Arme ausbreitet, als wolle er all seine Fans gleichzeitig umschlingen, und dabei das breiteste Grinsen aufsetzt. Und er kleidet sich ein mit dem ganzen Kram, den die Zuhörer mitgebracht haben und auf die Bühne werfen, etwa mit einem Hut, einer Federboa, einer Hawaiikette.

Vor allem eine Deutschlandfahne hat es ihm angetan. Er schwenkt sie, wirft sie über seine Schultern, versteckt seinen Kopf darunter. „Wir kommen seit 1991 nach Deutschland. Und es wird von Mal zu Mal noch besser. Ich liebe dieses Land, verdammt noch mal“, erklärt Armstrong. Drei Fans kommen dem Sänger ganz nah. Zwei dürfen ihre fragwürdigen Gesangstalente unter Beweis stellen und danach in die Zuschauermenge springen. Ein anderer schnallt sich Armstrongs Gitarre um, haut ein paar Riffs in die Saiten und darf als Dank das Instrument mit nach Hause nehmen. Ein lohnender Abend.

Auch für den Rest der Besucher: Die rund 16.000 Fans in der ausverkauften Kölner Arena haben ihre helle Freude an den vielen alten und aktuellen Songs, die sie zu hören bekommen. Mittlerweile dreht sich das zwölfte Studioalbum der in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommenen Band auf dem Plattenteller. Mit „Revolution Radio“ bewegt sich das Trio auf bewährten musikalischen Pfaden. „Still Breathing“ von neuen Album fällt sehr eingängig und poppig aus. „Forever Now“ schlägt Haken, bricht die Songstruktur auf und setzt auf Rhythmus- und Melodiewechsel.

Das waren schon zu „American Idiot“-Zeiten bewährte Stilmittel: „Are We the Waiting“ ist da so ein Beispiel oder aber das rund zehnminütige „Jesus of Suburbia“. Besonders bejubelt werden in Köln die Songs vom „Dookie“-Album, „Basket Case“ etwa, mit dessen Video bei MTV der Band der große Durchbruch gelang, oder aber „Longview“, „When I Come Around“ und „She“. Dann steigen die Crowdsurfer der feiernden Menge auf die Köpfe, bilden sich Circle Pits, drängen die Fans nach vorne.

Billie Joe Armstrong genießt den Anblick. „So sollte das Leben sein: zusammen singend, zusammen tanzend, zusammen trinkend. Ein Moment, den man gemeinsam teilt. Ich glaube fest daran: Rock ‘n‘ Roll kann die Welt verändern. Musik kann die Welt verändern. Heute Nacht fangen wir damit an“, schwärmt er.

Quelle: wa.de

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