Punkrock-Klassiker mit Bad Religion im Kölner E-Werk

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[Update, 19 Uhr] Köln - „Erwartet nichts Neues“, macht Greg Graffin zu Beginn deutlich. Die Hoffnung der Fans, die sich auf Hörproben des für dieses Jahr in Aussicht gestellten Langspielers gefreut hatten, wird gleich gedämpft. „Heute bekommt ihr nur altes Zeug zu hören. Aber es sind die Klassiker“, sagt der Sänger der US-Punkrocker von Bad Religion im Kölner E-Werk. Klar, Jubel schwappt durchs alte Gemäuer. Eigentlich sind sie alle ja auch deswegen gekommen.

Sauna-Atmosphäre herrscht im Gebäude an der Schanzenstraße. Wer sich in den Pulk vor die Bühne drängt, wird bei der rund anderthalb Stunden langen energiegeladenen Show ein paar Pfund verlieren. Aber auch weiter hinten und auf dem Balkon hüpfen die Fans in der eigenen Brühe. Graffin fällt auf, dass es im E-Werk in Sachen Klimaanlage nicht so ganz funktionieren will und macht einen Gag darüber.

Überhaupt: Der 52-jährige Frontmann ist, wenn auch nicht überschwänglich gesprächig, gut aufgelegt. Und auch seine vier Mitmusiker haben eine ordentliche Portion Spielfreude mit auf Tour gebracht. Vor allem Bassist Jay Bentley zappelt ausgelassen herum. Graffin selbst, Brillenträger mit mittlerweile schütterem Haar und Bauchansatz, tigert rastlos umher, zieht Grimassen und gestikuliert wild. Wer nicht weiß, dass er Sänger einer längst legendären Punkrock-Band aus Los Angeles ist, würde auch niemals drauf kommen. Nebenher ist der übrigens Uni-Professor. Ja, das passt schon besser.

Konzert von Bad Religion in Köln

Graffin hat aber nicht nur wissenschaftliche Bücher verfasst, sondern auch eine Reihe an Hits geschrieben, die es in Karriere umspannender Form in Köln zu hören gibt, etwa „Punk Rock Song“, „No Control“ und „Recipe for Hate“. Natürlich spielt die Band auch „Generator“, „21st Century (Digital Boy)“ und „Stranger Than Fiction“, die aus der Feder von Bandgründer und Labelchef Brett Gurewitz stammen, der live allerdings nur äußerst selten mit von der Partie ist.

Ein Händchen fürs Hymnenschreiben haben beide – keine Frage. Vor allem die zahlreichen Nummer mit Oh-oh-Singalongs im Refrain wie „Come Join Us“ oder „Sinister Rouge“ gehen nicht nur gleich ins Ohr, sondern befähigen auch den Unwissenden in kürzester Zeit zu grölender Intonation. Eine Hochgeschwindigkeits-Punkrock-Nummer schließt sich an die andere. Das Tempo drosseln die US-Amerikaner nur selten, etwa bei „Along the Way“, „Streets of America“ mit dem bandtypischen mehrstimmigen Gesang und „Infected“. Bei „We’re Only Gonna Die“ spielen sie gar mit Tempiwechseln.

Ihren Mund haben sich die Musiker von Bad Religion nie verbieten lassen, gesellschaftliche und politische Themen immer wieder in ihrem Schaffen thematisiert. Mit den sozialkritischen Texten und oftmals Melancholie-geladenen Songs hat sich die Band längst einen Namen gemacht. Darüber hinaus gehende Statements gibt es im E-Werk ebenso, wenn sie auch ein wenig versteckt sind: Jay Bentleys St.-Pauli-T-Shirt mag nach dem G20-Gipfel in Hamburg nicht zufällig gewählt sein. Gitarrist Brian Baker trägt einen Button am Tragegurt seines Instruments: „Dump Trump“ steht darauf.

Quelle: wa.de

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