Die Punkrockband Broilers feiert ihren Tourauftakt in Münster

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Große Geste: Sammy Amara und die Broilers spielen in der Halle Münsterland.

MÜNSTER -  Die Broilers – das sind nicht nur die Musiker, die auf der Bühne stehen, sondern auch die Massen, die davor stehen und jeden Song so ausgelassen mitfeiern, als wäre das Lied speziell für sie geschrieben worden. Das hat der Tourstart der Düsseldorfer Oi!-Punk-Rocker in Münster am Donnerstag einmal mehr eindrucksvoll belegt.

„La Familia“ – so steht es auf einem der Transparente, die in der mit 6000 Besuchern seit Wochen ausverkauften Halle Münsterland aufgehängt sind. Wie eng der Zusammenhalt des immer größer werdenden Broilers-Clans ist, geht schon aus der ersten Ansage von Frontmann Sammy Amara hervor. So erinnert sich der 37-Jährige an seinen ersten Auftritt in der Studentenstadt vor rund 20 Jahren. „Der, der damals die Show für uns gebucht hat, macht heute unser Merchandising.“

Mit ihrem aktuellen Album „(sic!)“ schossen die Broilers vor einem Monat von Null auf Platz eins der deutschen Charts. Ein Kunststück, das der Band schon mit dem Vorgänger „Noir“ gelungen ist. In der Anfangsphase sind es aber packende Songs aus den frühen Tagen der Bandgeschichte, wie „Paul der Hooligan“, die abgefeiert werden.

Dass sich die musikalische Weiterentwicklung, die die Band in ihrer 23-Jährigen Geschichte hingelegt hat, ebenso positiv auf den eigenen Backkatalog ausgewirkt, zeigt sich beim Ska-Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“, das durch den Einsatz des dreiköpfigen Bläserensembles vitaler denn je klingt. Mit „Wie weit wir gehen“ holen die Broilers schon vor dem kalendarischen Frühlingsstart den Sommer in die Halle. Open-Air-Stimmung kommt auf, nachdem Amara das Publikum ermuntert hat, die jeweiligen Lieblingsmenschen auf der Schulter zu tragen.

Die Düsseldorfer beschränken sich nicht nur darauf, das Publikum mit energiegeladenen Songs und hymnenhaften Refrains zu beschallen. So hat Bandleader und Texter Amara eigene Erfahrungen im Song „Zu den Wurzeln“ verarbeitet. Der geborene Rheinländer mit irakischem Vater und einer Mutter aus dem Taunus war beim Besuch eines Herrengeschäfts in seiner Heimatstadt als potenzieller Dieb abgestempelt worden. „Bewerte einen Menschen nicht nach seinem Aussehen, sondern ob er ein Arschloch ist, oder nicht“, sagt Amara in Münster.

Unmissverständlich ist dazu die Ansage zum ungewohnt politischen Titel „Keine Hymnen heute“. „Wir sind uns sicher, dass wir das Ruder jetzt umdrehen müssen, damit nicht die gleiche Scheiße passiert, wie sie unsere Großeltern erleben mussten“, verurteilt Amara den Rechtsruck.

Einmal wird es innerhalb des über zweitsündigen Konzerts richtig melancholisch. Bei „Ihr da oben“ fungieren sieben Strahler im Bühnenhintergrund als primäre Lichtquellen, die alle wirken wie große Uhren. Um Zeit, die abgelaufen ist, geht es zudem in der gefühlvollen Würdigung verstorbener Musiker wie David Bowie. Passend zum Titel singt Amara die Nummer auf dem Oberrang – mitten zwischen den Fans.

Insgesamt haben die Düsseldorfer schon 160 000 Karten für die erste Hälfte ihrer Tour verkauft. Damit ist die Band zum Anwärter auf den Thron der nationalen Punkszene avanciert.

Christoph Volkmer

25. 3. Köln, Lanxess-Arena

Quelle: wa.de

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