Max Raabe gibt ein Wunschkonzert in Dortmund

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Zelebriert die Schlager der 1920er und 1930er Jahre: der Sänger Max Raabe.

DORTMUND - Keiner soll behaupten, dass es bei Max Raabe keine Überraschungen gäbe. Jetzt singt er französisch, Charles Trenets unsterbliches Chanson „La mer“. Die Pulte des Palast Orchesters leuchten in maritimem Blau, es gibt Videobilder von glitzernden Wellen in Kajütenfenstern, und er trägt das sehr ernst vor, im Spot, der auf ihm und dem Mikrophon liegt.

Der in Lünen geborene Bariton ist Stammgast im Konzerthaus Dortmund. Diesmal gastiert er an zwei aufeinander folgenden Abenden mit seinem aktuellen Programm „Das hat mir noch gefehlt“. Das Palast Orchester stellt dabei nicht eine aktuelle CD vor, es gibt eine Art Wunschkonzert. Die Auswahl aus einem Repertoire von mehr als 600 Liedern hatte Raabe den Gästen seiner Internetseite überlassen. Die wählten auf Platz 1 „La Mer“, obwohl er das in Deutschland nie gesungen hat. „Deutschland hat Lieder, Chansons haben Franzosen“, meint er. Um dann gleichwohl die Nostalgie zu zelebrieren, für die ihn seine Anhänger lieben.

So mischt er in den zwei Dutzend Liedern in gut zwei Stunden Vertrautes mit der einen oder anderen kleinen Überraschung, bringt viele der großartigen Jazzschlager aus den goldenen 1920er und 1930er Jahren wie Harald Paulsens „Das hat mir noch gefehlt“, die Klage eines verlassenen Mannes. Von Beziehungen, vor allem sich anbahnenden Beziehungen, singt er vor allem. Und erweist sich wieder als Meister der Moderation mit seinem ironischen Understatement, mit dem er zum Beispiel fragt, wer sich das mit den Schmetterlingen im Bauch ausgedacht habe. Irgendwie müssten die doch dahin gekommen sein. „Vor dem Rendez-vous Raupenragout?“ Und dann tischt er Fred Raymonds Schlager „In der kleinen Konditorei“ auf.

Viele alte Bekannte bringen er und sein zwölfköpfiges Ensemble, die „Schöne Isabella von Kastilien“, „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“, und Theo Mackebens trauriges Abschiedslied „Mit dir war es immer so schön“, am Anfang mit einer ganz dezenten Swing-Begleitung. Und natürlich seine frühen Erfolg „Kein Schwein ruft mich an“, bei dem einzelne Musiker des Orchesters vortreten und das Thema mal in eine Musette, mal in eine Variation der Barcarole und eine orientalische Phantasie übertragen, ehe es im Big Band Sound erklingt. „Mit dem Schwein um die Welt“, witzelt Raabe. Und „Dort tanzt Lulu“ fehlt nicht, bei dem am Ende alle Orchestermusiker die Glocken schwingen.

Aber sie trauen sich auch in die entlegeneren Gefilde ihres Repertoires. Raabe trägt mehrere US-Standards vor, zum Beispiel „Bei mir bist du schön“ von den Andrews Sisters mit einem feinen Geigensolo von Cecilia Crisafulli. Bei „Love Me or Leave Me“ verlässt Pianist Ian Wekwerth die Bühne – und taucht in einer nostalgischen Video-Einspielung auf als DJ, der Schalter betätigt, worauf das Orchester live den Sound verändert. Selbst das „Wer hat Angst vorm bösen Wolf“ aus dem Disney-Film bringen sie, mit drei Musikern in den Gesangsrollen der kleinen Schweinchen. Lauter bejubelte Kabinettstückchen.

So wirkt der Abend vertraut und frisch zugleich. Das mit den Videofilmchen übertreiben sie nicht. Zu reizvoll ist ja auch die Illusion, dass man einem Ballhauskonzert der Goldenen Revue-Ära beiwohne. Darum bleibt der Fokus auch auf dem famosen Stimmkünstler Raabe und seinen souveränen Begleitern.

Irgendwann muss Schluss sein. Raabe sagt dem enttäuscht seufzenden Publikum glaubwürdig, was er immer sagt: „Niemand bedauert das mehr als wir.“ Und dann folgen als Zugaben „Küssen kann man nicht alleine“ und der „Kleine grüne Kaktus“.

Weitere Termine: 5.5., Halle Münsterland, Münster;

6.5. Theater am Marientor Duisburg;

7.5. Stadthalle Bielefeld;

www.palast-orchester.de

Quelle: wa.de

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