Ruhrpott-Komödie „Radio Heimat“: Packende Story fehlt

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Whiskey an der Nordsee: Mücke (Maximilian Mundt, von rechts), Frank (David Hugo Schmitz), Spüli (Hauke Petersen) und Pommes (Jan Bülow) in dem Film „Radio Heimat“.

Kurzgeschichten zum Lebensgefühl im Ruhrgebiet haben Frank Goosen bekannt gemacht. Sein Roman „Liegen lernen“ (2000) ist schon 2003 erfolgreich mit Fabian Busch und Fritzi Haberland verfilmt worden. Nun greift der Regisseur und Drehbuchautor Matthias Kutschmann nach Motiven aus Goosens Anekdotenliteratur („Radio Heimat“, „Mein Ich und sein Leben“).

Der Dortmunder will mit seinem Film „Radio Heimat“ der Gaunerkomödie von Peter Thorwarth nachfolgen: „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ (1999). Aber das Lokalkolorit des Ruhrpotts garantiert keinen Kinohit. Wichtiger ist die packende Geschichte, und die fehlt „Radio Heimat – Damals war auch scheiße!“. Kutschmann setzt eine Art Retro-Show in Gang. Die Kamera von Gerhard Schirlo dreht sich mit Gerburg Jahnke („Missfits“, „Ladies Night“) über Industriebrachen. Und die öde Aussicht wird als schön hässlich gefeiert. Dieses eigentümliche Selbstverständnis ist auf der Bühne von Herbert Knebel (Uwe Lyko), Jochen Malmsheimer und Helge Schneider variiert worden. Auch in Fernseh-Formaten („Ein Schnitzel für drei“) emanzipierte sich dieser Lebenszustand zum publikumstauglichen Stoff.

Aber in „Radio Heimat“ tönt aus dem Off eine altkluge, bemüht augenzwinkernde Stimme, die die Geschichte von Frank und seinen drei Freunden im Ruhrgebiet der 80er Jahre kommentiert – es ist Frank selbst, der Erzähler. Er schafft Distanz zum Filmplot und wirkt oft abfällig.

Der „Currywurst-Vorfall 1964“ ist vor der Essener Zeche Zollverein gedreht und aufgehübscht, als Franks Vater seinen Imbiss mit dem Geld bezahlte, das er für Kaffee und Kuchen mit seiner Zukünftigen nicht ausgeben wollte. Bei Familienfesten instrumentalisiert Franks Mutter diese Story. Das soll peinlich witzig wirken, amüsiert aber nicht mal. Das Niveau bleibt unterirdisch.

Frank (David Hugo Schmitz), Pommes (Jan Bülow), Spüli (Hauke Petersen) und Mücke (Maximilian Mundt) wollen vor allem den ersten Sex anbahnen, beim Klamotten-Poker, im Freibad, jederzeit. Doch die Initiativen sind träge inszeniert und die Jungs agieren blutleer. Selbst das Kino der 60er Jahre war ideenreicher. Regisseur Kutschmann will irgendwie cool und reflektiert rüberkommen, bleibt aber ein Kulissenschieber. Dass zwei „Rockmusiker“ nicht in den Bergmannschor passen, ist so vorhersehbar wie der Krach mit dem Lehrer (Hans Werner Olm), der Alkohol verbietet. Irgendwie gab es das doch schon alles.

Typen wie Uwe Lyko werden als „Der Laberfürst“ im Schrebergarten losgelassen, Elke Heidenreich gibt das Mutterherz, Jochen Nickel den tumben Bergmann, Peter Lohmeier ist ein verpeilter Vater im Partykeller. Sie und andere stehen mit ihrer Prominenz für die Unterhaltungsmarke Ruhrgebiet, aber in „Radio Heimat“ wirken sie nur aufgeklappt und hingestellt. Ärgerlich. Im Nachspann überzeugt zumindestens Willi Thomczyk, der Vorurteile über den Ruhrpott krass parodiert.

Immerhin bietet der Soundtrack Kernbotschaften der Neuen Deutschen Welle von Joachim Witt und Fehlfarben.

Quelle: wa.de

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