Die Revue „Höchste Zeit“ in Dortmund

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Vier flotte Damen im Konzerthaus: Szene aus „Höchste Zeit“ mit Ines Martinez, Jutta Habicht, Kira Primke und Sabine Urig (von links).

DORTMUND - Diese Show ist ein Kurztrip durch Frauenträume in einem Spektrum von Superillu, Ärzteroman und „Shades of Grey“: „Höchste Zeit“ heißt die Nach-Weihnachts-Bespielung im Konzerthaus Dortmund. Was heißt „höchste Zeit“ bei Frauen? Genau, es muss geheiratet werden. Die vier Frauen, die sich dem ersehnten Happy End entgegenkalauern, kennt man schon aus der Vorgängerschau. „Höchste Zeit“ ist wieder in Szene gesetzt von Misfits-Kabarettistin Gerburg Jahnke.

Nachdem sich zuvor ein Frauenquartett am Flughafen kennen gelernt und der „heiße Feger“ der Gruppe, die fesche Gabi, mit ihrem Traumarzt Dietrich versorgt wurde, finden sich die vier nun in einem Hamburger Nobelhotel wieder. Dort soll es zum Ärgsten kommen: der Trauung.

Leider haben sich offenbar in der Nacht davor einige Ausfälle ereignet. Nun quietschen und kichern sich Gabi und ihre drei einbestellten Trauzeuginnen um die alles entscheidende Frage herum: Ist sie oder ist sie nicht, fremdgegangen? Und falls ja, doch nicht etwa mit dem im Hotel gesichteten Howard Carpendale!

Orientierend greift ein an der Hotelzimmerwand angebrachter Spiegel in die Handlung ein (gesprochen von dem Komiker Obel). Allerdings ist er im Vergleich zu seinem märchenhaften Gegenstück nicht dazu da, die Damen ihres guten Aussehens zu versichern, sondern sie hanseatisch schnarrend zu beleidigen. Als die „Junge“ in der Runde, verlobt, doch zu ihrem Bedauern unverheiratet, den Spiegel fragt, wann sie endlich von ihrem Partner die alles entscheidende Frage gestellt bekommen wird, singt der Modern Talkings „Cherry Cherry Lady“. Das heißt dann wohl: das dicke Ende vorwegnehmen. In dieser Damenrunde wird „Sekt“ grundsätzlich mit „-chen“ ausgesprochen, und das Bidet ist eine „Tolette, die zurückpullert“. Die Sprüche kommen fast alle aus der großen Witzkiste mit der Aufschrift „Frauenhumor mitten aus dem Leben“. Da ist alles Erwartbare dabei, was mit Altern, Sex, Dildos und Ehestandsfreuden zu tun hat. Der Witzcocktail bräuchte dringend ein paar zusätzliche Schuss Übertreibung.

Die zwei Stunden werden aufgelockert von Musiknummern von Cher bis Anastacia, von Katrina & the Waves bis Aretha Franklin, und die Damen können singen! Besonders Susanne Hayo als flotte Gabi und Ines Martinez als vornehmtuende Scheidungskandidatin singen einen anständigen Soulpop. Der eigentliche Star der Show ist Susanne Urig als moppelige Hausfrau über 50. Als Doris bringt sie die gröbsten Kalauer, besingt ihren heimlichen Schwarm „Howie“ („so schön geföhnt!“), und später preist sie – zu Carpendales „Ti amo“ – die hausfraueneheliche Liebe. Denn – pinker Dildo hin, Flauschhandschellen her – am Ende siegt, wer den Ring am Finger hat, und der schönste Traum ist der, der im weißen Kleid und Schleier endet.

Wer sich in die erste Reihe setzt, sollte – besonders als Mann – keine Berührungsängste mitbringen: Die flotte Gabi stürzt „betrunken“ von der Bühne, setzt sich auf den Schoß eines Zuschauers, streicht ihm über den Kopf und lässt sich von ihm ärschlings wieder auf die Bühne hieven. Mehr zu sehen gibt es später: Gabi zeigt Beine und Busen in lila Corsage nach dem Motto: Beiß mal an. Aber im Finale kommt alles in Ordnung, Gabi zieht ihr Hochzeitskleid über, und fremdgegangen ist sie natürlich auch nicht. Alles ist in guter bürgerlicher Ordnung.

Bis 31.12.,

Tel. 0231 / 22 696 200, www.konzerthaus-dortmund.de

Quelle: wa.de

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