Die Rhythmus-Show „Stomp“ kommt ins Konzerthaus Dortmund

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Krach, schepper, bumm: Die Rhythmus-Show „Stomp“ ist so etwas wie das Bühnenäquivalent einer Comicschlacht. In vielen Nummern spielen große Blech- und Plastiktonnen eine Rolle – zu sehen Anfang Januar im Konzerthaus Dortmund.

LONDON - Die Besen! Darauf freuen sich die Kinder wie verrückt: Musik mit Besen. So simpel, so witzig, kaum zu toppen. „Hey Joe, they’re doing the one with the brooms“, ruft ein Mädchen seinem Schulfreund zu: „Sie machen die Nummer mit den Besen.“

Es ist eine Nachmittagsvorstellung im Ambassadors Theatre im Londoner Westend. Das Parterre steckt voller Grundschüler, die sich in den engen Reihen herumdrehen wie Fische in der Pfanne und zischelnd auf ihre Lieblingsnummern hinweisen. „It turned into a fucking kid’s show“, wird Luke Cresswell später im Gespräch sagen, ein gut kalkuliertes, leicht verärgertes Amüsement in der Stimme: Das war die reine Kindershow heute. Aber geht’s darum nicht in „Stomp“: um das pure, kindliche Vergnügen am Knallen, Stampfen, Rasseln? Die Kunstfertigkeit, die das erfordert, fällt erst im zweiten Schritt auf.

„Stomp“ kommt im Januar nach Dortmund ins Konzerthaus, das mit seinem hellen, ordentlichen Holzinterieur erstmal kaum mit der spaßigen Show zusammengeht, die in London lautstark den kleinen, malerisch abgeranzten Theatersaal mit den falschen Stuckdecken mit Blechdeckelrhythmen flutet.

„Stomp“ läuft im Westend seit 23 Jahren, seit neun Jahren im gleichen Theater. Cresswell, der Showmacher, betont Tradition und Künstlerschaft hinter seiner Show und wiederholt ständig, dass sie von der Straße komme. Seine Anfänge hatte er vor 26 Jahren als Straßenperformer im Badeort Brighton. Heute werden mit seiner Idee weltweit Säle bespielt.

„Es ist verdammt harte Arbeit“, meint er. Zum Beweis hat er einen „Stomper“ dabei, so nennen sich die Mitglieder der drei „Stomp“-Crews. Eine in London, eine in New York, eine auf Europatour. Hier sitzt Andy Patrick aus Boston, früher einmal Computertechniker, ein stämmiger Kerl, der mit Anfang 20 von seiner eigenen Band träumte und feststellen musste, dass ein Musikstudium für ihn nichts war: zu akademisch. Bei einer Audition für „Stomp“ fiel er auf, seitdem ist er dabei: 13 Jahre lang.

Andy ist 36, hat dicke schwarze Haare und kaum die Statur eines Hochleistungssportlers. Aber das ist er; die „Stomper“ haben einen harten Job: „Die Show dauert zwei Stunden, du bist immer in Bewegung.“

Zwei Shows spielen sie in London am Tag. Zwölf Mitglieder hat eine Crew, davon stehen immer acht auf der Bühne, vier haben frei, falls sich nicht gerade jemand verletzt. So geht die Rechnung für einen Knochenjob auf. „Ich bin immer noch dabei, und ich mache es, solange ich kann“, meint Andy. Was an dem Bostoner auffällt, ist seine tiefe Gelassenheit. Passt erstmal nicht zur lärmigen, lustigen Show von vorhin.

Passt doch. Die acht „Stomper“ auf der Bühne des Ambassador jonglieren mit Tonnen, Blechbüchsen, Eimern. Das tut weh, wenn’s daneben geht. Soll natürlich so nicht sein. Könnte aber. Um den Probenprozess spinnt Erfinder Luke Cresswell einen Mythos von Blut, Schweiß und Tränen. „Meine Hände sehen ekelig aus“, unterstützt ihn Andy. Das komme vom Rumhauen auf Haushaltsgeräten, Tonnen, Einkaufswagen. Ja, Einkaufswagen. Die werden mit Witz und phantastischem Timing über die Fläche gerollt. Man kann nur hoffen, dass es nicht zur Kollision kommt (was natürlich den Hauptspaß an der Sache ausmacht).

„Bei uns kann jeder zur Audition kommen“, sagt Cresswell, „aber man merkt ganz schnell, wer den Rhythmus wirklich draufhat.“ Es dauere, meint der „Stomp“-Kopf, bis zu ein Jahr, bis ein junger „Stomper“ richtig drin sei, und dann reiche ein vierwöchiger Urlaub, schon sei man wieder „draußen“. Vor jeder Show gebe es ein gemeinschaftliches Aufwärmen, damit alle synchron ticken für die Gruppenjonglage mit Mülleimern, oder die Szene, in der die Crew Rhythmus mit Basketbällen macht. Da darf nicht ein Titscher aus dem Takt kommen, sonst ist die Nummer geschmissen.

Am allerallerschönsten ist eine recht neue Nummer mit Feuerzeugen. Sie macht den Rhythmus sichtbar. Das Theater ist ganz dunkel, die Feuerzeuge klicken, die Flämmchen glühen auf und verlöschen wie eine nostalgische Kirmesbudenbeleuchtung.

Vom 3. bis 8. Januar gastiert die Rhythmus-Show als Nachweihnachtsbespielung im Konzerthaus Dortmund. Karten gibt es unter Tel. 02 31/22 696 200, www.konzerthaus-dortmund.de.

Quelle: wa.de

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