Biffy Clyro erobern Kölner Lanxess-Arena

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Köln - „Eins, zwei, drei: Oberkörper frei!“ - Diesen Schlachtruf, der in den Fanblocks von Fußballstadien allgegenwärtig ist, nehmen auch die Jungs von Biffy Clyro ziemlich ernst. Bei den Konzerten des schottischen Rocktrios ist es so etwas wie eine Tradition, eigentlich schon ein Markenzeichen, dass Frontmann Simon Neil und seine beiden Kollegen Haut zeigen. Kreativ bemalte Haut, um genau zu sein.

Die ausladend tätowierten Musiker von der Insel präsentieren sich auch beim Auftritt in der Kölner Lanxess-Arena als wandelnde Kunstwerke. Simon Neil trägt zu Beginn noch eine luftiges Gewandung, später saust auch diese in die Ecke. Dabei sind doch gerade an diesem Tag in Köln Verkleidungen angesagt. Mittags übernahmen am Heumarkt die Jecken das Zepter der Karnevalssession, abends ist die fünfte Jahreszeit auch auf der großen Bühne in Deutz angekommen, als der 37-jährige Sänger „Viva Colonia“ anstimmt.

Der Kölner lässt sich in solchen Momenten nicht lange bitten, und es wird geschunkelt beim Rockkonzert. Neil, bärtig wie immer, den langen Schopf zu Beginn noch formschön von Haarbändern gehalten, hat sich tagsüber bei den Karnevalisten abgeschaut, wie es geht: „Jode Dach!“ ruft er und „Kölle, alaaf!“ Für Schotten offensichtlich ein ziemlicher Zungenbrecher. Die Halle lacht.

Konzert der Band Biffy Clyro in Köln

Absolut sympathisch, das sind Neil und das Brüderpaar, Bassist James und Drummer Ben Johnson. Artig bedanken sie sich in regelmäßigen Abständen und werden nicht müde, zu betonen, was es ihnen bedeutet, ihre Fans im Rücken zu wissen. Bei der Show verzichten sie allerdings aufs große Tamtam. Die Drei mögen es in dieser Hinsicht eher spartanisch.

Eine Menge dicker Lampen hängen im Bühnenhintergrund und erleuchten die Bühne. Ansonsten soll die Musik die Geschichte erzählen - mit älterem Material, den großen Hits und den Songs der neuen, siebten Platte „Ellipsis“, die vor Kurzem erschienen ist. Die Nummern darauf sind lauter und krachiger als die auf den Vorgänger-Alben, aber immer noch mit der gewohnten Melodiösität versehen, die den proggigen Alternative-Sound der Band seit jeher charakterisiert.

Offenbar wollten Biffy Clyro auf „Ellipsis“ das Tier im Manne entfachen, anders lassen sich Singtitel wie „Wolves of Winter“, „Howl“ und „Animal Style“ nicht erklären. Bei letzterem tänzelt Simon Neil umher wie ein Raubtier um seine Beute. An anderer Stelle schreit er sich einer verwundeten Bestie gleich die Seele aus dem Leib.

„On an Bang“ ist eine dieser wilden Achterbahnfahrten des aktuellen Albums, und auch auf der Bühne eine kurze und schmerzhafte Angelegenheit, die die Fans atemlos zurücklässt. „Friends and Enemies“ dagegen geht soundtechnisch in die 80er zurück und versprüht Synth-Pop-Gefühle mit reichlich Handclaps.

Dass Biffy Clyro aber auch anders können, als wütend nach vorne zu preschen, beweisen die Songs, die eher mit Zurückhaltung überraschen. „Medicine“ ist eines dieser Stücke. Simon Neil steht alleine im Lichtkegel und sorgt mit gezupften Akustikklängen an der Gitarre für eine ganz heimelige Atmosphäre in der Halle. In „Re-Arrange“ verschwindet das Kratzige aus seiner Stimme und lässt den Gesang fast engelsgleich ertönen, während Lichter durch die Arena flirren, als ob irgendwo eine riesige Discokugel baumeln würde: der richtige Moment, sich in den Arm zu nehmen.

Auch sonst schaffen es Biffy Clyro immer wieder, eine spannende musikalische Vielfalt auf die Bühne zu bringen. „Spanish Radio“ etwa lässt Flamenco-Feeling aufkommen, „Many of Honor“ ist schon fast poppig, und „Whorses“ galoppiert voran, ehe der Song unerwartet brutal ausbricht und danach hymnisch wird. Besonders gefeiert werden in Köln Hits wie „Bubbles“, „Black Chandelier“ und „The Captain“. Es dauert nur Sekundenbruchteile, dann fährt jedes Mal ein tiefes Raunen durch die Arena. Man könnte meinen, es seien auch die Lieblingssongs der Band selbst – jedenfalls legen die Musiker dort noch eine Schippe drauf auf den ohnehin extensiven, oberkörperfreien Einsatz.

Quelle: wa.de

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