Im Soester Museum Wilhelm Morgner sind Anne Blanchet und James Howell ausgestellt

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Grau in Grau: Bilder von James Howell variieren erst bei genauer Betrachtung. Zu sehen im Museum Wilhelm Morgner.

SOEST Farblos sind die Bilder von Anne Blanchet und James Howell im Museum Wilhelm Morgner in Soest. Aber trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – sind sie keineswegs wirkungslos. Die 24 Exponate aus der Sammlung Schroth rufen in jedem Betrachter zwangsläufig Reaktionen hervor. Die reichen von der üblichen „Das kann ich auch“-Abwehr bis hin zur totalen Versenkung in die Werke.

Carl Jürgen Schroth, der seit der Renovierung des Museum Wilhelm Morgner im Mai dort einen eigenen großen Raum bespielt, hat Lieblingsstücke aus seiner Sammlung postminimalistischer Kunst für diese Ausstellung mit dem Titel „Light Field“ herausgesucht. Diese Stücke kontrastieren einander und ergänzen sich gleichzeitig.

Da sind einerseits die Wandobjekte der Schweizerin Anne Blanchet, die absolute Reinheit und Klarheit ausstrahlen. Auf höchst intellektuelle Weise untersuchen sie die Wirkung von Licht. Ausgangspunkt jedes Werks ist ein weißer Acrylblock auf Metall. Dieser wird jeweils durchschnitten von einer oder einigen wenigen Linien, die streng in Parallelen, Quadraten, Rechtecken geordnet sind. Einmal ist auch ein schwungvoller Bogen erlaubt. Andere Elemente wie Farben oder Haptik jedoch bleiben außen vor. Mehr Reduktion geht kaum. Einzig die Linien, die das Material durchschneiden und das Licht brechen, geben den Werken Plastizität und suggerieren Räumlichkeit.

Ein Schlüsselwerk ist die mehr als zwei Meer hohe „Eloge de l’Ombre“ – „Gedicht ohne Worte“, wie es seine Schöpferin nennt. Im ruhigen Versmaß, wie Strophen geordnet, tonlos durchschneiden die stillen Schattenlinien die Fläche. Nur wenn sich das Äußere ändert, ändert sich auch das Bild.

Wie Gegenstücke zu den „weißen“ Arbeiten von Anne Blanchet wirken die „dunklen“ Werke des vor zwei Jahren verstorbenen US-Amerikaners James Howell. Der gelernte Architekt hat sich über Jahrzehnte mit den unendlichen Möglichkeiten von Grau beschäftigt – eine Tatsache, die jedem deutschen Betrachter, der davon hört, den alten Loriot-Spruch ins Gedächtnis ruft: „Ich hätte da mal ein lebhaftes Grau!“

Lebhaft, temperamentvoll sind Howells Arbeiten jedoch keineswegs. Auf den ersten Blick wirken sie monochrom, wie eintönige graue Flächen. Erst bei genauerer Betrachtung lassen sich Verläufe, Schattierungen und Wellen vom Hellen ins Dunkle und umgekehrt erkennen. Sie sind allerdings in den meisten Fällen so fein gestuft, dass sie mit bloßem Auge kaum erkennbar werden. Wahrscheinlich lassen sich die subtilen Entwicklungen im größten, sechsteiligen Exponat „Progression“ nur mit physikalischen Messungen nachvollziehen.

Für Sammler Carl-Jürgen Schroth hat die Ausstellung eine besondere Bedeutung Anne Blanchets und James Howells Werke zielen nicht nur punktgenau auf sein ästhetisches Empfinden. Sie verbinden ihn auch mit den beiden Schöpfern. Künstler und Sammler sind untereinander seit langem befreundet. Die Ausstellung ist noch in Eislingen, Mailand, Paris und London zu sehen.

Bis 4. Januar; di-fr 14 – 17 Uhr, sa/so 11 – 17 Uhr;

Das Ives Quartett aus den Niederlanden spielt am Samstag und Sonntag, jeweils 18 Uhr, in der Ausstellung Werke des Minimalisten John Cage.

Tel. 02921/14177

www.skk-soest.de

Quelle: wa.de

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