„Soy de Cuba“ im Konzerthaus Dortmund

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Hautnah und engumschlungen auch in Dortmund: Der Choreograf Mario (Dieser Serrano) trainiert mit Ayala (Yanetsy Ayala Majeron). Szene aus der Musikshow „Soy de Cuba“.

Dortmund - So eine Kneipe in Havanna hat gar nichts Exotisches mehr. Das Konterfei von Che Guevara ist auf einer Wand zu sehen, daneben eine bekannte Rum-Marke mit gelb-rotem Etikett, eine dunkle lange Theke steht dort und lebenslustige Menschen. Das zieht einfach an. Wer möchte nicht dabei sein und einen Cuba Libre ordern? Barcadi-Feeling war gestern.

Und doch tut der Conférencier der Musikshow „Soy de Cuba“ (Ich bin aus Kuba) so, als müsse er das Publikum im Dortmunder Konzerthaus mit der Insel bekannt machen. Diese Rhythmen sind doch seit dem „Buena Vista Social Club“ (1998) eine beliebte Klangfarbe im Genre Weltmusik. Wim Wenders’ Doku-Film (1999) und spätere Bühnenprogramme („Pasión de Buena Vista“) haben den Erfolg ausgebaut. Das kulturelle Musikphänomen erweitert nun Emilio mit seiner Geschichte von Ayala. Sie lebt mit Tabakbauern im Tal Guajiros zusammen, erzählt er, und schon kommt sie in Dortmund mit einem Eimer auf die Bühne. Die Tänzerin Yanetsy Ayala Majeron verkörpert die junge Frau, die ihren Weg geht, wortlos, aber mit hinreißenden Bewegungen. Zu Stücken wie „A Bailar Caringa“ und „El Teque Teque“ wird noch volkstümlich getanzt: fesche Burschen, kesse Mädchen, meist nebeneinander. Aber Ayala will nach Havanna, Tänzerin werden ist ihr Ziel: Mambo, Rumba, Salsa. Als sie bei einer Tanzcompagnie ihrer Wahl abblitzt, geht es erstmal ins Cabaret, einer Kneipe, wie es sie reihenweise in der Calle Obispo gibt. Ayala kellnert.

Im Bühnenhintergrund läuft ein Film mit Impressionen aus Havanna. Alte Straßenkreuzer sind zu sehen, Musiker, Hinterhöfe, Männer am Straßenrand, die Strandpromenade Malécon und Ayala. Sie sucht ein Zimmer und ist in den touristischen Filmausflug eingebaut. Das kommt gut an in Dortmund.

Vor allem weil erstklassige Musik gemacht wird. Die Posaunistin Diana Osumy Sainz Mena mit ihrem Gewölk aus Haaren auf dem Kopf spielt ein hinreißendes Solo. Am Piano sitzt Komponist und Arrangeur Rembert Egnes, der sich im zweiten Teil des Abends mit „Chan Chan“ in die Riege der ehrwürdigen Herren aus dem Buena Vista Social Club einreiht. Seine Rumba, weiß Emilio, ersetzt auf Kuba so etwas wie den Kirchgang am Sonntag. Und tanzen lernt jedes Kind natürlich auf den Straßen. Solche Botschaften sind nicht ganz neu, aber stabilisieren die Marke Kuba im Unterhaltungsgeschäft. Die gelbe Rose passt noch dazu, die auf Kuba ein Symbol der Liebe ist. Jaja.

Großartig ist das 13-köpfige Tanzensemble in „Soy de Cuba“. Wie in den ersten Bildern klassisches Ballett mit Street Dance verwoben wird, erinnert daran, dass vor allem die Tanzschulen Jahr für Jahr erstklassige Tänzer auf Kuba ausbilden. Ihnen fällt Cha-Cha-Cha, Merengue, Reggaetón und Lambada Cubana einfach leicht. Dabei bleiben die perfekten und energievollen Auftritte immer dem Tanzstil an sich verpflichtet und werden nicht zur akrobatischen Shownummer. Choreograf Luis Alberto Moro Ronda gibt dem Abend so eine lebhafte Harmonie und Balance.

Lustig wird es, wenn die Tänzerinnen in Holzkläppern rhythmisch lärmen. Oder ein paar Burschen auf Steeldrums ihre Schnelligkeit beweisen. Das Publikum wird zum Mitklaschen animiert – Rhythmusgefühl ist gefragt.

Als bekannt wird, dass ein Produzent in Havanna ist, der eine Tänzerin für New York sucht, erhält Ayala ihre Chance. Weil sich eine Schülerin verletzt, springt sie ein und übt mit Mario, dem Choreografen (Dieser Serrano). Das ist herrlich zu sehen, wie sich beide vom Tanz- zum Liebespaar entwickeln. Und die Herz-Schmerz-Songs von Danais Menedenz und Carlos Abgel geben noch mehr Gefühl und Klasse. Kubas Musikpalette ist breit.

Das neue Paar gefällt vor allem der Startänzerin Lola nicht, die mit Mario kokettiert und ihren Status gefährdet sieht. Cheyla Castellon Jimenez wirkt selbst bei schnellen Hüftschwüngen noch erhaben, so charakterstark ist ihr Körperausdruck. Das folgende Duell mit Ayala wird auch kein Zickenkrieg, sondern ein stilistisches Gegeneinander. Elemente vom Paso Doubles und Flamenco fließen ein. Der Höhepunkt sind aber die Pas de Deux von Mario und Ayala – mit aufreizendem roten Kostümchen. Lola reist nach New York.

heute, 19. 4. Köln, Philharmonie, 20 Uhr; Tel. 0221/ 280 280

Quelle: wa.de

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