Tanzabend „Kontraste“ in Dortmund

Tanzabend „Kontraste“ in Dortmund

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Große Sprünge: Szene aus der Choreographie „Hora“ am Dortmunder Ballett.

Dortmund -  Neben den großen Projekten, den Klassikern und neuen Handlungsballetten, sind kleinteilige Tanzabende eine interessante Ergänzung für das Programm einer Company. Das Dortmunder Ballett zeigt seine Vielseitigkeit regelmäßig in dreiteiligen Programmen.

Diese Saison ist es der Abend „Kontraste“, der drei Kurzstücke von Richard Siegal, Johan Inger und eine Uraufführung des Rumänen Edward Clug verbindet. Das Dortmunder Ballett hat sich in den vergangenen Jahren verjüngt, so dass „Kontraste“ auch eine Leistungsschau der jungen Talente ist, die Ballettchef Xin Peng Wang versammelt hat.

„Kontraste“ zeigt mit einer interessanten Stilmischung die Vielseitigkeit der Truppe. Als ein Ganzes funktioniert es weniger gut.

Auf Siegels „Unitxt“ zu hämmernden Elektrobeats folgt ein melancholisches Stück zu Tom-Waits-Songs, und das letzte Stück, „Hora“, eine moderne Bearbeitung des traditionellen Rundtanzes, schwingt melancholisch ins Ungefähre. Viele Sitze in der Dortmunder Oper waren leer geblieben, wohl wegen der großen Veranstaltungskonkurrenz am Karnevalssamstag. Dennoch gab es herzlichen Applaus für die junge Truppe, die sich mit jugendlicher Energie präsentierte.

Richard Siegals „Unitxt“ ist eine neoklassische Powershow. Eine halbe Stunde lang zeigen fünf Herren und sieben Damen Kraftproben zu Elektromusik (Carsten Nikolai). Beats und Powerposen ergänzen sich immer gut, und am stärksten wirkt „Unitxt“, wenn die Tänzer ihre Kraft herausfordernd in den Saal schleudern: Seht mich an! Im Finale schlagen die Damen mit ihren Spitzenschuhen fordernd den Boden, während die sehr harte Lichtregie sie als Schatten vor grellem Weiß zeigt – das macht sich auf jedem Plakat gut.

Die grafische Aufteilung der Bühne, die geometrische Aufstellung der Tänzer erinnern an Forsythe. Siegal strebt eine hypercoole Ästhetik an. Doch auf moderne Rumpfschwünge folgt zuverlässig ein klassisches Grand jeté. Die Damen sind an ihren schwarzen Corsagenbodys mit Griffen ausgestattet, an denen ihre Partner sie in noch tiefere Dehnungen hineinziehen. Siegals Arbeit enthüllt jede technische Unsicherheit, jede Schwäche in der Synchronität. Trotzdem ist es ein schönes Powerstück für eine starke junge Company.

Es folgt das ebenfalls etwa halbstündige moderne Stück „Rain Dogs“ zu Musik von Tom Waits, eine anrührende Studie über den seltsamen Magnetismus, der Menschen anzieht und abstößt. Johan Inger fächert die Tänzer in einer Reihe auf, aus der sie heraustanzen, wild und überkomisch wie Clowns und tragisch in einem schwarzen Flitterregen. Erfrischend ist die Ironie, die in den Szenen mitgedacht ist. Vor allem die Youth-America-Grand-Prix-Preisträgerin Tess Voelker und das Ensemblemitglied Giacomo Altovino zeigen Clownerie und eine Energie, die immer kurz vor der Explosion steht.

Den Abend beschließt das zirka 25-minütige „Hora“, eine Uraufführung. Es lässt den Zuschauer leicht unbefriedigt zurück. Es orientiert sich zunächst am Tanztheater, als die Truppe eine Körperskulptur formt, aus der ein Paar sich zu entfernen sucht. Danach jagen Paare einander, halb im Spiel, halb im Ernst, während die Gruppe zunächst noch Tom-und-Jerry-artig hilflos über die Bühne flieht. Eine sandfarbene Welle, die als Skulptur auf die Bühne gestellt wurde, dient als Karussell, in dem die „Hora“ sich ausdreht. Die Blicke der Tänzer gehen ins Leere, der Spannungsbogen auch. „Hora“ ist leider eine verpasste Chance, die Energie des Volkstanzes für die große Bühne zu übersetzen.

9., 17., 25., 31. März, 9., 22. April; Tel. 0231/5027222 www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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