Tanztheater Pilobolus tritt in Köln mit „Shadowland 2“ auf

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Schattenbilder bietet die aktuelle Produktion des Tanztheaters Polibolus.

KÖLN Aufstehen, frühstücken, Bus fahren, Fließbandarbeit. Es ist ein ernüchternder Alltag, mit dem das Tanztheater Pilobolus in der Kölner Philharmonie seine Aufführung beginnt. Aber wer die Schattenbilder des Ensembles aus Connecticut (USA) kennt, der weiß, dass diese Bildsprache etwas Versöhnliches mitbringt. Einst war der Scherenschnitt eine kunstvolle Erzählform, die oft für Märchen genutzt wurde. Die Verwandtschaft beider Darstellungsformen wirkt nach und die Erfahrung lehrt: Am Ende wird doch alles gut – auch in Köln bei „Shadowland 2“.

Es ist erstaunlich, dass nur wenige Schatten-Formen auf der Leinwand ein Bett erkennen lassen, in dem sich ein Mann reckt. Auf dem zweiten Screen gleich daneben steht eine Frau auf, trinkt Kaffee und wird ein Auto zur gleichen Fabrik steuern, wo beide dieselbe Arbeit machen. „Shadowland 2“ verspricht ein neues Abenteuer, aber führt erstmal das Schattenspiel vor, mit dem Pilobolus weltbekannt geworden ist. Im Jahr 2006 bildete Pilobobus den neuen Hyundai für einen Autospot so perfekt nach, das Millionen die Werbung anklickten. Als dann die Schattenbilder von Pilobolus zu Filmthemen auch bei der Oscar-Verleihung 2007 überzeugten, war ein Weltpublikum erreicht. 2009 kam „Shadowland“ heraus und das Bühnenstück startete durch.

Natürlich kommen sich im zweiten Teil von „Shadowland“ die beiden Frühaufsteher näher. Sie träumen einen Lebenszyklus, den das Tanzensemble in schnellen Bildern erschafft: Europareise, Schwangerschaft, Familienzeit, Abschied, Altwerden, es ist faszinierend und ein bisschen überwältigend, wie zauberhaft dieser Kunstgriff mit Licht und Schatten funktioniert. Und wenn sich die Bilder auflösen, sind die Tänzerinnen und Tänzer zu erkennen, die mit ihren Körpern die Illusion gebildet haben. Klasse. Diese magischen Kreationen wurden auch vom Premierenpublikum gefeiert.

Produzent Itamar Kubovy sieht einen Gegensatz zur digitalen Welt von Smartphone und Facebook. Statt überladener Effekte und Eventbombast biete „Shadowland 2“ mehr seelenvolle Stories.

Neu ist, dass Pilobolus-Gründer Robby Barnett und sein Team auf reale Tanzszenen setzen. Die Arbeit in der Fabrik, wie Fess seine Freundin kennenlernt, ist Modern Dance (Choreografie Matt Kent und Renée Jaworski). In einer kalten dystopischen Welt, in der ein Vorarbeiter das Geheimnis der Kisten hütet, bewegt sich plötzlich eine Box, und das Paar (Mistral Hay, Teo Spencer) stößt auf einen jungen Straußenvogel mit Federkleid. Ariana Nakamine bewegt sich anmutig und formt mit ihrer Hand einen Schnabel, der einen hellen wie näselnden Hilferuf immitiert: „Nach Hause“ ist als Sprechblase zu lesen. Der Wunsch erinnert an Spielbergs Film „E.T.“. Der Außerirdische wollte auch die Erde wieder verlassen. Es geht um Heimat, Liebe und Vertrauen.

Die Geschichte zu „Shadowland 2“ stammt von Steven Banks, dem Autor der Serie SpongeBob Schwammkopf. Er verlässt sich auf konventionelle Erzählbausteine. Da steigen klobige Monster aus einer Rakete und nehmen Elefanten, Pferde und Straußen mit Hilfe eines Minimierungsgeräts gefangen. Ab in die Kiste. Wozu allerdings, bleibt im Unklaren. Auch die Motive des Vorarbeiters, den Alexander Windner Lieberman als mysteriösen Einzelgänger anlegt, sind unscharf. Das geht zu Lasten der Erzählspannung. Eindrücklich getanzt ist dagegen die Rettung von Fess, der zum Roboterautomaten transformiert wurde, aber auf seine Freundin zählen kann.

Beide werden verfolgt und reisen per Rakete in eine surreale Welt, wo raunzende Wesen den Weg weisen. In dieser Fantasie taucht der Hundmensch aus „Shadowland“ auf. Fess’ Freundin wird irgendwann ohnmächtig und Straußenvogel Nakamine verlässt die Schattenwelt, um ihr Federkleid auf die Bühne zu legen. Mit einem Voodoo-Zauber wird Energie übertragen, und das Leben geht weiter.

David Poe hat Jazzstandards, poetische Balladen, Pop, Rock und südamerikanische Rhythmen zu den Bildern komponiert. Ein variabler Soundtrack. Am Ende feiert das umjubelte Ensemble zur Musik von Alicia Keys „New York“ und mit einer getanzten Hommage auch Köln. Dazu ertönt der Karnevalshit von Cat Ballou „Et jitt kei Wood, dat saache künnt, Wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk.“ Das wirkt am Ende zu anbiedernd und deplatziert. Nicht alle singen mit.

Bis 6. 8., täglich 20 Uhr, außer montags, samstags auch 15 Uhr, sonntags nur 14 Uhr. Tel. 0221/280 280; Hotline 01806/10 1011 (20 Cent aus Festnetz); www.koelner-philharmonie.de

Quelle: wa.de

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