Tanztheater Renegade feiert Kooperation mit Schauspielhaus Bochum

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Drei Rapper im Kampf gegen den Zyklopen und den Alkohol: Szene aus „Rapsody“ im Schauspielhaus Bochum.

BOCHUM - Odysseus ist ein Gangsta-Rapper, den es (vielleicht) ins Bochumer Bermuda-Dreieck verschlagen hat. Dem Publikum erzählt er von seinen Abenteuern in rhythmischen Reimen: „Ich verlor sechs Männer an jedem Tresen.“ Und dazu trommelt sich Christian Thomé die Seele aus seinem Leib.

Die Grundidee von Neco Celiks Choreografie „Rapsody“ lässt einiges erhoffen und passt bestens zum Konzept des Bochumer Tanztheaters Renegade, die Kombination der klassischen Überlieferung mit der Kunst der Straße. Seit sieben Jahren gibt das Schauspielhaus Bochum dem freien Ensemble ein Forum. Es ist ein Erfolgsmodell, bei dem beide Seiten, das Stadttheater und das freie Ensemble, profitieren.

Jetzt wird „Renegade in Residence“ zum Geburtstag mit einem Festival gefeiert, einer Werkschau, die um einige Uraufführungen angereichert wurde. Da gibt es im „Tanzlabor“ Arbeiten junger Choreografen und auch einen Tanzworkshop. Aber man kann auch die großartige Rekonstruktion von Susanne Linkes Choreografie „Ruhr-Ort“ wiedersehen, jene legendäre markerschütternde Kraftübung mit Stahlplatten, die 1991 das alte Ruhrgebiet thematisierte und 2014 von der Künstlerin mit Tänzern von Renegade neu aufgeführt wurde.

Das Festival mit „Rapsody“ zu eröffnen, war allerdings keine gute Idee. Die Produktion erreicht nicht annähernd das sonstige Niveau des Ensembles und wirkt wie eine ambitionierte, aber gut gemeinte Laienarbeit. Die beiden Tänzerinnen haben einen guten Anfang, wenn sie aus der Tiefe des Zuschauerraums nach vorn kommen und dabei gegen die Holzvertäfelung der Kammerspiele krachen. Danach aber sieht man von ihnen nicht mehr viel, weil ihre unbeholfenen Bewegungen kaum mit den Moves der drei Rapper und des Chores verbunden sind. Keine gute Voraussetzung für ein Tanztheater.

Und die Idee, Homers antike Abenteuergeschichte über den Ruhrgebietsalltag zu blenden, ist nicht annähernd umgesetzt worden. Stattdessen gibt es eine rumpelige Gesten und Posen zwischen den Rappern und den sieben Choristen in ihren wallenden Gewändern. Einzig der Schlagzeuger ist immer auf der Höhe des Geschehens, mit einem mehr als einstündigen Live-Soundtrack auf Drums und Elektronik. - sti

Bis 13.4.,

www.schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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