„Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller in Oberhausen

Alles hängt am Vater: Willy (Torsten Bauer) und seine Söhne (Daniel Rothaug, Mervan Ürkmez) in der Oberhausener Produktion „Tod eines Handlungsreisenden“. Foto: hupfeld

Oberhausen – „Auf in den Cosmos – alles galaktisch günstig“ heißt es im Theater Oberhausen. Und anstelle amerikanischer Tristesse mit Küche, Veranda und windschiefem Häuschen hat Demian Wohler Haushaltsgeräte mit Preisschildern auf die Bühne gestellt. Willy Loman ist schon da, macht auf gute Laune und spricht mit dem Saugroboter, der im Viereck kreist. Verkäufer Lomann wirkt aber genervt und hilflos trotz engagierter Kundengespräche. Wie geht das mit dem Computer?

Regisseurin Babett Grube hat die Handelsrouten von Willy Loman gekappt und Arthur Millers tragischen Titelhelden aus „Tod eines Handlungsreisenden“ zum Opfer hiesiger Verteilungskämpfe im Warenverkauf gemacht. Amazon und Co. lassen grüßen. Was will ein betagter Verkäufer mit Waren, die digitalisiert sind und zunehmend vom Smartphone aus gesteuert werden? Er sieht einfach alt aus.

In Oberhausen wird Willy Lomans Scheitern mit dem Sterben der Innenstädte verbunden, Stichwort „Neue Mitte“, wo das Centro der City Oberhausen den Rang abgelaufen hat. Dabei ist nicht jede Idee stimmig. Lomann findet in der Gefrierkombination das, was er zum Leben braucht. Linda, seine Frau, stellt alles ein. Willy muss während des Nachtverkaufs bleiben. Aber so entwickelt die Inszenierung ihren eigenen Charme.

Außerdem wird wieder einmal klar, was für ein großartiges Stück Miller geschrieben hat. Im Mittelpunkt steht Torsten Bauer als Willy Loman, der immer besser spielt, je rücksichtsloser sich seine Figur in die alten Illusionen verrennt. Wie er seinen Söhnen Versagen vorwirft und sich als Opfer stilisiert, ist in Oberhausen als psychotische Anomalie zu erleben, dass es einen gruselt. Stumm und steif wird Willy, bis ihm Biff vorheuchelt, ein Geschäftsangebot zu bekommen. Hoffnungen werden auf ihr Suchtpotential abgeklopft. Die Söhne kennen den Stoff dazu – Lebenslügen. Daniel Rothaug spielt Biff, dem durch die falschen Erwartungen des Vaters das eigene Leben misslungen ist. Er macht die Tragik der Figur spürbar. Mervan Ürkmez ist Happy, ein billiger Aufreißer, der als Konsumjunkie Sekt öffnet und Spiegeleier im Warenparadies brät. Niemand nimmt ihn ernst. Anna Polke spielt als Linda recht eindimensional, will sie nur ihren Willy schützen. Ronja Oppelt ist die hartleibige Chefin, die die Möglichkeiten ihres Smartphones feiert, aber Willys Not ignoriert. Effizienz statt Anerkennung.

Als das Kuschelmaskottchen im Cosmos (mit Jingle-Musik) immerwieder auf die Geräte klettern will, gelingt Regisseurin Grube ein tröstliches Bild, das auch den Kern der Inszenierung meint: Vergeblichkeit. Das Einzelschicksal Lomans wird in Oberhausen etwas tagesaktueller.

28., 29. 4.; 3., 4., 8., 17., 29. 5.; Tel. 0208/8578 184; www.theater-

oberhausen.de

Quelle: wa.de

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