Werner Pokorny und Michael Cleff stellen in Ahlen aus: „Körper im Raum“

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„Über Innen und Außen“ (Keramik, 2009) nennt Michael Cleff seine Arbeit, zu sehen in Ahlen.

AHLEN Es ist einfach groß, das „Wheel“ (Rad, 2011) von Werner Pokorny. Der Bildhauer hat drei dieser Holzarbeiten in den Neubau des Kunstmuseum Ahlen gesetzt. Einen Kurator braucht Pokorny, Jahrgang 1949, dazu nicht. Der ehemalige Professor der Kunstakademie in Stuttgart zählt zu den profiliertesten Bildhauern Deutschlands und seine Plastiken aus Cortenstahl sind vor allem im Süden der Republik auf öffentlichen Plätzen zu finden. Pokorny nimmt dann Bezug zur umliegenden Architektur, in dem er das schwere Material in eine prekäre Balance bringt.

In Ahlen geht es auch um den „Körper im Raum“. Das Kunstmuseum eröffnet am Sonntag, 11 Uhr, den zweiten Teil seiner „Intermezzo“-Reihe. Nach „Farbe und Licht“ sind diesmal zwei Positionen zu sehen, die die Bedeutung dreidimensionalen Arbeitens ausloten.

Neben Pokorny („Skulptur und Zeichnung“) wird das vielteilige Werk von Michael Cleff („An den Rändern“) präsentiert. Cleff, geboren in Bochum, unterhält ein Atelier in Mülheim. Er hat an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Fritz Schwegler studiert und vorher eine Töpferlehre in Garmisch-Partenkirchen absolviert. Dem Material ist er treugeblieben. Der Künstler brennt stark schamotthaltigen Ton bei 1300 Grad Celsius und spezifiziert seine Keramiken als Steinzeug. Cleff möchte, dass seine variantenreichen Formentwürfe nicht als Kunsthandwerk bezeichnet werden. Er zählt zu den wenigen, die mit Tonerden autonome Kunst schaffen. Dass heute an der Akademie in Düsseldorf Studierende mit diesem Werkstoff experimentieren, freut ihn. Ist das nun ein Stoff für die Zukunf? Michael Cleffs Objekte stehen bereits in internationalen Sammlungen.

Der Bochumer ist der „Überraschungsgast“, wie es Museumsdirektor Burkhard Leismann ausdrückt. Ähnlich wie Pokorny zielt er auf die Raumwirkung seiner Kunst. Er stellt im Altbau des Museums aus, weil das Gebäude, das nicht für die Kunst errichtet wurde, mehr architektonische Eigenheiten besitzt. Seine Installation „Mischung (15 Sellettes)“ verbindet 15 historische Blumenständer mit seinem Steinzeug. Auf den hohen Podesten schimmern konische Formen mit weißen Engoben eingefärbt. Es finden sich schlichte Würfel im hellen Grau, offene Gitterstrukturen mit schmalen Rändern, eine elliptische Form mit glänzenden Verästelungen, kompakte Kuben mit gestaffelten Verläufen in dunklen Farben, offene Schalen und immer wieder architekturnahe Körper. Die Objekte verstrahlen mit ihren beigen Farbtönen, den weißen und dunkelgrauen Engoben eine wohltuende Erdverbundenheit. Und doch wirken sie nicht gesetzt, sondern verspielt und einem Formreichtum zugewandt.

Die Oberflächen sind meist matt und von haptischer Qualität. Stellenweise sind Kopfseiten der Objekte seidig glatt geschliffen. Eine Arbeit, die nach den Brennvorgängen erfolgt, sagt Michael Cleff in Ahlen.

Neben skurrilen Wandarbeiten („Cyborg“, 2013) und solitären Objekten, die etwas Surreales anstoßen („Über Innen und Außen“, 2009), überzeugt Cleff mit starkfarbigen Fotografien (Ausschnitte und Inszenierungen seiner plastischen Arbeit nach dem Fertigungsprozess) und mit Zeichnungen. Die kleinen Formate sind Frottagen, bei denen der Künstler die Formgebung seines Objekts über den Farbabrieb auf dem Papier festhält. Die unruhigen Kanten des Steinzeugs liefern reizvolle brüchige Linien. Seit acht Jahren schafft Cleff diese Frottagen, die er „Klischee“ (mit Grafit und Farbstift) nennt.

Neben der Modellierarbeit des Keramikkünstlers fällt das Spektrum auf, in dem sich Werner Pokorny ausdrückt. Die großen Holzskulpturen sind mit der Kettensäge entstanden. Pokorny verewigt sein Vokabular in der Baumscheibe des Tropenholzes Khaja. Sein Symbol des Hauses öffnet die Scheibenform und ermöglicht die Durchsicht wie bei einem Fenster. Daneben verdichtet Pokorny diese Wirkweise in vier Rötelzeichnungen auch als Kunst mit grafischen Momenten. Seine Gouachen daneben sind ganz intiutiv entstanden, um der Grundform des fünfeckigen Hauses etwas Freies zurückzugeben. Es sind Ideenskizzen mit dem Pinsel, die in Ahlen zu sehen sind, keine Konstruktionszeichnungen.

Fotografien dokumentieren Pokornys Außenarbeiten. Und in drei kleinformatigen Plastiken, die er „Turm“ nennt (Cortenstahl, 2012/13), sind geometrische Grundformen geschichtet als Basislager für den Bauvorgang. In seinen gebrannten Reliefs wie „Fenster“ (Khaja) ist wieder die Hausform eine innenliegende Figur. Das Schwarz lässt das Symbol für Unterkunft archaisch wirken. Die drei Schalen „Ajus“ (2011) behaupten mit ihrem Schwarz eine Ewigkeit, so dass man im Museum auf die Fragen von Leben und Vergänglichkeit stößt. Welches Haus nimmt einen am Ende auf?

Werner Pokorny schafft diese Dimension mit einer Rauminstallation genauso, wie er an anderer Stelle im Museum das Zufällige und Spielerische der Urformen vorführt.

Die Schau

Mit unterschiedlichen Materialien und Formen erproben zwei Künstler den Raum. Starke Positionen, ein gelungenes Konzept.

Intermezzo: Farbe und Körper im Raum. Werner Pokorny und Michael Cleff im Kunstmuseum Ahlen.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr; 6. 8. bis 1. 10.; mi-fr 14 – 18 Uhr, sa/so 11 – 18 Uhr; Tel. 02382/ 91 830; Katalog in Vorbereitung

www.kunstmuseum-ahlen.de. Beide Künstler sind bei der Eröffnung zugegen.

Quelle: wa.de

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