Ein Wohlfühl-Konzert mit den Beach Boys in Düsseldorf

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Düsseldorf - „The Beach Boys“ steht drauf, aber nominell ist nicht mehr viel drin von der Band, die in den 60er und 70er Jahren ein einzigartiges Lebensgefühl mit ihren Songs transportierte und die kalifornische Sonne, das Meer, flotte Autos und pure Lebenslust in zwei Minuten kurzen Stücken auch über den großen Teich nach Europa transportierte.

Damit muss man sich abfinden beim Konzertbesuch 55 Jahre nach der ersten LP. Ist der Wermutstropfen aber geschluckt, steht einem nostalgischen Abend nichts mehr im Weg.

Die Band hat in ihrer Geschichte eine Reihe von Lineup-Wechseln erfahren. Als einziges Gründungsmitglied ist Sänger Mike Love übrig geblieben. Die Keyboardtasten beim Auftritt in Düsseldorf bedient Bruce Johnston, der 1965 dazu stieß. Außerdem dabei sind sechs erst später aufgenommene Musiker. Die Stimmung passt, die Bandmitglieder ergänzen sich gut – was gerade bei den so auf mehrstimmigen Harmonien fußenden Songs förderlich ist.

Bilder vom Beach-Boys-Konzert in Düsseldorf

Rund 4000 Fans sind in die Mitsubishi Electric Halle gekommen, einige von ihnen in Hawaiihemden und passenden farbenfrohen Ketten. Mike Love spielt mit den Erinnerungen seiner Zuhörer, von denen die meisten wohl schon in ihrer Jugend die Platten der Surfrock-Erfinder rauf und runter gehört haben: Begleitet von vielen Videos vergangener Tage, die die Band etwa beim Baden, Herumalbern und Musizieren zeigen, und stimmungsvollen Aufnahmen surfender Jugendlicher und herum brausender Sportwagen gibt‘s rund 40 Hits zu hören.

Und dabei ist alles, was das Beach-Boys-Fanherz höher schlagen lässt: „Surfin‘ USA“ kommt schon recht früh dran, das Ronettes-Cover „I Can Hear Music“ etwas später. Kurz vor der Pause spielen die Beach Boys „I Get Around“. Danach reiht die Band mit „California Girls“, „Then I Kissed Her“, „Sloop John B“ und „Wouldn‘t It Be Nice“ Hit and Hit. „Help Me, Rhonda“ und „Good Vibrations“ gibt‘s am Ende des regulären Sets, bevor Love und Co. als Zugabe unter anderem „Barbara Ann“ und „Fun, Fun, Fun“ spielen.

Stimmlich ist Mike Love, mittlerweile 76 Jahre alt, weit entfernt von seinen Glanzzeiten. Hin und wieder blitzt sein Gesang auf. Zwischendurch aber ist er so gut wie gar nicht zu verstehen. Häufig übernimmt die jüngere Garde an Musikern die Lead-Stimme und verwandelt die Beach Boys in eine äußerst professionelle Coverband. Vor allem Schlagzeuger John Cowsill verfügt über beeindruckende gesangliche Qualitäten. Dann wird Mike Love zum Backgroundsänger an der Bühnenspitze. Übel nimmt das dem Mann mit dem Kinnbart und der Baseball-Mütze niemand. Im Gegenteil: Selbst wenn er nur das Mikro hält, ein wenig auf und ab geht und mit der anderen Hand ins Publikum deutet, ist die ihm entgegengebrachte Begeisterung enorm.

Die Augen der Fans kleben an jeder Bewegung, die Love in seinem mit Peace-Zeichen übersäten Hemd macht. Die Bestuhlung wird recht früh aufgegeben. Zahlreiche Fans drängen von weiter hinten in den Mittelgang, und spätestens als Bruce Johnston allen zeigt, doch ganz nah an die Bühne zu kommen, ist es mit aller Ordnung vorbei. Eingefleischte Anhänger kommen mit Devotionalien nach vorne, lassen sich von Love und Johnston noch vor Konzertende Autogrammwünsche erfüllen. Zwischendurch erzählt Love etwas von Transzendentaler Meditation und bewirbt Seidenschals aus Indien für den guten Zweck. Es wird mitgesungen, getanzt und ausgelassen gefeiert.

Aber es gibt auch gefühlvolle, beinahe ergreifende Momente, etwa als das 1998 verstorbene Bandmitglied Carl Wilson „God Only Knows“ vom Band singt, per Video eingespielt wird und Love und Johnston als Begleitung im Refrain einstimmen. Oder aber bei „Pisces Brothers“, einem Tribut an George Harrison, mit dem Mike Love eine enge Freundschaft verband. „Summer in Paradise“ aus dem Jahr 1992 kämpft für den Umweltschutz. „Surfer Girl“ ist ein Song für die Damen, wie Mike Love sagt und fordert zur gemeinsamen Nutzung der Handy-Taschenlampen auf, ums schön heimelig zu machen in der Düsseldorfer Konzerthalle. Ein Konzert zum Wohlfühlen.

Quelle: wa.de

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