Schüler erhielten Impulse für ihren Lebensweg

"Entstaubte" Berufsorientierung an der IGS Betzdorf-Kirchen

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Berufsorientierung der etwas anderen Art: Das Team von „Mein mutiger Weg“ erarbeitete mit Schülern der Jahrgangsstufe 11 Stärken und Talente. 

Betzdorf. Vor der Bühne stimmen Pascal, Vincent und Sebastian noch letzte Details ab, während im Hintergrund Musik läuft. Nach und nach strömen immer mehr Schüler der Jahrgangsstufe 11 in die Aula der IGS Geschwister-Scholl am Standort Betzdorf. Die heutigen Gastgeber begrüßen sie alle persönlich.

Die Schüler setzen sich auf ihre Plätze, aber: die erste Reihe bleibt – zunächst – leer. Sie scheinen noch unsicher, was sie heute hier erwartet, bei dieser Veranstaltung mit dem Titel „Mein mutiger Weg.“ Klar ist nur, es geht um Berufsorientierung. Und die wird heute mal so ganz anders ausfallen. Das Team um Pascal Keller hat die klassische Berufsorientierung ordentlich entstaubt, auf Links gedreht und neu konzipiert. Von jungen Menschen für junge Menschen. Es geht nicht wie sonst um Ausbildungsberufe oder die unzähligen Studienmöglichkeiten, nicht darum, was Eltern oder Großeltern wollen, sondern nur um den Menschen. 

„Wir fanden es spannend, auch mal andere Wege zu gehen“, erläutert die stellv. Schulleiterin Simone Löcherbach das außergewöhnliche Angebot. Berufsberatung gehöre schon ab der Unterstufe dazu, „wir wollen aber auch neue Akzente setzen“. Gerade in der Oberstufe, die in der IGS ja noch im Aufbau sei.

Pascal Keller führt selbstbewusst, locker, humorvoll und charmant durch die Veranstaltung und die Schüler hören aufmerksam zu. „Heute geht es wirklich um euch, um jeden Einzelnen ganz konkret.“ Dabei gebe es aber nicht den einen Traumjob, erklärt Pascal den Schülern, sondern vielmehr darum, die Richtung zu finden, Stärke und Talente zu entdecken. Dafür arbeitet das Team mit den Schülern fünf Punkte ab: „Setze auf deine Stärken. Denke außerhalb der Box. Baue Selbstvertrauen auf. Kreiere dein Zukunftsbild. Handle mutig. Fünf Schritte, um euren eigenen mutigen Weg zu gehen“, sagt Pascal.

Los geht’s mit einem Stärken-Mini-Workshop. „Am Ende sollte jeder seine Top-5- Stärken wissen“, verkündet Pascal das Ziel der Aufgabe. ,Anhand einer „Stärken-Liste“ können die Schüler unter anderem Punkte ankreuzen wie Problemlösefähigkeit, Analytisches Denken, Risikobereitschaft oder Einfühlungsvermögen. Danach müssen sie die Talente ihrer Freunde einordnen und begründen – und umgekehrt. Die Stimmung in der Aula wird lebhafter, das Konzept funktioniert. Pascal: „Viele haben bestimmt einige Stärken gesagt bekommen, von denen sie gar nicht wussten, dass andere sie so einschätzen.“ Kollektives Nicken.

Bei keinem der Schritte werden die Schüler allein gelassen – das Team sucht den persönlichen Kontakt zu den Schülern, freundschaftlich, verbindlich. Im nächsten Schritt müssen die Schüler ein Bewerbungsgespräch nachstellen und ihrem Gegenüber ihre größten Stärken authentisch „verkaufen“, mit Geschichten aus ihrem Leben. „Die Firmen wollen Menschen, keine Maschinen“, erläutert Pascal.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Workshop-Tages ist der Punkt Selbstvertrauen. Und das bekommt man laut Pascal Keller am einfachsten, wenn man anderen hilft, Selbstvertrauen aufzubauen. Und so kommt es, dass sich alle Schüler heute gegenseitig Komplimente und Mut machen – metaphorisch für das Selbstbewusstsein steht ein Luftballon, der mit jedem Kompliment und jedem lieben Wort buchstäblich ein Stück mehr aufgepustet wird. „Das ist für mich persönlich immer der emotionalste Moment“, so Pascal, der mit seinem Team allein in diesem Jahr schon an 13 Schulen zu Gast war und dem man seine Begeisterung bei der Arbeit mit den Schülern anmerkt. Die Atmosphäre sei bei diesem Programmpunkt immer eine ganz besondere. „98 Prozent der Schüler beschäftigt das Thema Selbstvertrauen am meisten.“

Beim Thema „Zukunftsbild“ geht es schließlich auch noch darum, die die Schüler sich ihre Zukunft ausmalen. Wo sehe ich mich in zehn oder 15 Jahren? Dabei geht es nicht nur ums Berufliche; Will ich eine Familie? Befinde ich mich dann vielleicht auf einer Weltreise? Damit alle Träume und Wünsche in Erfüllung gehen, geben die drei Veranstalter den Schülern am Ende eine wichtige Botschaft mit auf den Weg: „Handle mutig.“ Denn sie seien selbst für ihre Zukunft verantwortlich – niemand sonst. Die beste Medizin gegen Angst vor Rückschlägen, Niederlagen oder Fehlentscheidungen sei Mut.

Infos

  • „Mein Mutiger Weg“ ist ein Start-Up-Unternehmen für Schülerseminare. „Ziel ist es, die aktuelle Berufsorientierung an deutschen Schulen zu transformieren“, schreibt das Team auf seiner Homepage.
  • Pascal Keller ist Geschäftsführer und Trainer, genauso wie Vincent Guntrum, Die Idee hatte Pascal Keller 2016. Das Erste Seminar fand 2017 statt. 2018 gründete das Team die „Mein mutiger Weg GbR“. Seitdem fand das Event an über 35 Schulen statt. 
  • Infos unter www.mein-mutiger-weg.de

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