Rätselhafte Tatorte

Die Schüler verfassten eigene Kriminalgeschichten, nachdem Stefan Gemmel ihnen einige Tricks verraten hatte.

Schon Tradition sind die Literatur-Workshops mit dem bekannten Kinder- und Jugendbuchautor Stefan Gemmel am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Betzdorf. Erstmalig in diesem Jahr mussten die kreativen Tage wegen des Winterchaos verschoben werden. Jetzt fanden die beiden Workshops, die eine Fördermaßnahme für literarisch interessierte Kinder sind, in der Bibliothek des Gymnasiums statt.

60 Sechstklässler der Gemeinsamen Orientierungsstufe mit der Geschwister-Scholl-Realschule hatten sich erwartungsfroh in der Schulbibliothek eingefunden. Nach einem persönlichen Einstieg - Gemmel zeigte auf, wie er selbst zum Schreiben kam - erfuhren die Kinder im Laufe des Morgens nicht nur auf abwechslungsreiche Weise, wie ein Buch entsteht, sondern auch eine Menge über die ganz konkrete Arbeit eines Autors. Dieser wartet nämlich nicht, wie es landläufige Meinung ist, in seinem Kämmerlein auf eine geniale Eingebung, sondern arbeitet durchaus nach einem festen und durchdachten Plan.

Gemmel ließ die Schüler bereitwillig in seine "Trickkiste" schauen: Das Arbeiten nach einem festen "Plot" und bestimmten Figurenmustern wie dem von "Spieler - Gegenspieler - Springer" und deren Assistenzfiguren gehört dazu, ebenfalls das "Sammeln" von Menschen und das Anlegen von Figurenprofilen für eine Geschichte. Natürlich durfte auch die Vorstellung der neuesten Bücher von Gemmel nicht fehlen: Mit der "Schattengreifer"-Reihe, deren zweiter Band eben erschienen ist, betritt er erstmals das Fantasy-Genre. Anhand der Titelillustration zum ersten Band wurde auch erarbeitet, wie eine gute Buchillustration entsteht.

Verdächtiges auf dem Schulspeicher

Überrascht wurden die Schüler der Klasse 7sp, der sprachlichen Schwerpunktklasse, am nächsten Morgen vom Thema des Workshops: Es ging um Kriminalgeschichten. Unter strenger Geheimhaltung hatten Autor und Klassenlehrerin am Tag zuvor auf dem Schulspeicher einen "Tatort" hergerichtet. Nicht nur ein umgekippter Stuhl, auch andere herumliegende verdächtige Objekte zeigten an: Hier hat sich etwas Dramatisches abgespielt. Doch bevor der Tatort zur Besichtigung stand, wurde erst Vorarbeit geleistet: Ein Ausflug in die Geschichte des Kriminalromans wurde unternommen und herausgestellt, was etwa Edgar Allan Poe, Arthur Conan Doyle oder Georges Simenon jeweils Spezifisches für die Entwicklung des Kriminalromans geleistet haben.

Bei einem Spiel zum Thema "Personenbeschreibung" zeigte sich, wie wichtig eine genaue Wahrnehmung für die glaubhafte Schilderung einer Figur ist. Auch wurde aufgezeigt, dass es nicht nur immer der Kommissar ist, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird - im Gegenteil: Durch den Einbau einer Figur wie etwa der des Dr. Watson im Sherlock Holmes, aus dessen Perspektive erzählt wird, ergeben sich erweiterte Möglichkeiten des spannenden Erzählens. Höhepunkt des Morgens schließlich war das Aufsuchen des "Tatortes" auf dem Schulspeicher. Natürlich wurde der Tatort auch, wie sich das für eine gute Spurensicherung gehört, aus allen Perspektiven fotografiert. Die Szene beflügelte nach einigem Herumrätseln die Phantasie der jungen Krimiautoren, die sich in den kleinen Kriminalgeschichten niederschlug, die an diesem Morgen voller Eifer begonnen wurden.

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