Gemeinsamer Appell an die Politik

Schulgemeinschaft des Gymnasiums   in Betzdorf kämpft weiter für Erhalt der Bibliothek

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Die „Bibo“ soll bleiben: Schulelternsprecher, Schülervertreter, Schulleitung und Personalrat des Betzdorfer Gymnasiums setzen sich auch weiterhin für den Erhalt der Schulbibliothek ein.

Betzdorf – Schön warm ist es in der Schulbibliothek des Freiherr-Vom-Stein-Gymnasiums Betzdorf. Das liegt – mal ganz abgesehen von der Heizung – vor allem an der Atmosphäre: Überall hängen selbstgeschriebene Plakate oder kleine Bastelarbeiten der Schüler; und die bunte „Dschungel-Wand“ trägt ihr Übriges zur Wohlfühl-Atmosphäre bei. Und nicht zuletzt auch die Schüler der Schülervertretung, Lehrer und Schulelternsprecher, die an diesem Tag hier zusammen an einem Tisch sitzen, und ihrer „Bibo“ damit ein Gesicht geben.

Schon seit geraumer Zeit fürchtet das Gymnasium um den Fortbestand der Bibliothek . Im Sommer gab es darum sogar eine Demo der Schüler (wir berichteten).

Um über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren und noch einmal an die Politik zu appellieren, hatten Sabine Alberts-Wingenfeld und Christoph Held, Schulelternsprecher des Gymnasiums, am Dienstag zum Pressetermin in die „Bibo“ eingeladen. Die Zuständigkeit für die Bibliothek sei mittlerweile geklärt, so Alberts-Wingenfeld. Es ist definitiv eine freiwillige Ausgabe des Kreises, die aufgrund von Sparmaßnahmen auf dem Prüfstand stehe. Eine Streichung droht.

Mittlerweile hat die Schulelternschaft sich mit einem Brief an alle sieben Fraktionen im Kreistag gewandt. Darin äußern die Sprecher ihr Unverständnis darüber, den „Rotstift ausgerechnet an einem der zentralen Punkte für die Zukunft unserer Kinder im Landkreis“ anzusetzen.

Davon sei nicht nur das Betzdorfer Gymnasium betroffen, sondern auch Altenkirchen und Wissen. „Aber uns trifft es als erste“, bringt Sabine Alberts-Wingenfeld es auf den Punkt. Denn wenn sich der Kreistag in seiner Sitzung am 16. Dezember entscheidet, diese freiwilligen Leistungen zu streichen, wird die ohnehin schon „nur“ halbe Stelle von Bibliothekarin Annette Schuster, die in etwa drei Jahren in den Ruhestand geht, nicht mehr neu besetzt werden.

„Natürlich sind uns die Finanzen des Kreises nicht egal“, betonte Christoph Held. Das der Kreis sich konsolidieren müsse, sei allen Beteiligten klar. Aber ausgerechnet im Bereich Bildung werde nun gespart. „Erstaunlicherweise genau da, wo wir mal Handlungsspielraum haben.“ Das gehe zu Lasten der Qualität des Leistungsangebotes an den weiterführenden Schulen, heißt es im Brief an die Fraktionen.

Held ist der Meinung, dass der Kreis sich ganz klar zu seinen Schulen positionieren müsse. Es sei schließlich eine freiwillige Leistung des Kreises als Schulträger, da könne und dürfe man sich nicht „hinter Mainz verstecken“.

Mit dem Wegfall der Bibliothek sieht Held die Gefahr, dass „wir zerrieben werden zwischen den Landkreisen und dem Land NRW, die ja eine sehr innovative Politik machen“ – die Schulgemeinschaft befürchtet, dass potentielle neue Schüler abspringen könnten, wenn es die „Bibo“ nicht mehr gibt. Es sei ein „Qualitätsverlust in Zeiten des Wettbewerbs zwischen den Schulen“, schreiben die Sprecher in ihrem Brief.

Sabine Alberts-Wingenfeld bemerkte, dass die Ausstattung der Schulbibliotheken im Kreisgebiet ein Alleinstellungsmerkmal sei. Der Kreis gebe Geld aus, um Mediziner in den Kreis zu locken, aber mit den Sparmaßnahmen in den kreiseigenen Schulen „entzieht man uns die Grundlage, den Kreis Altenkirchen für die Zukunft wirtschaftlich aufzustellen“. Sie betonte auch, dass es ja nicht nur um die Bücher gehe, sondern auch im die Betreuung der Kinder während der Öffnungszeiten. Schulleiter Heiko Schnare bezeichnete dies als den besonderen „Wohlfühlfaktor“, der vor allem durch die Bibliothekarin entstehe. „Da wo es kalt und steril ist, gehen die Schüler auch nicht hin.“

Und die setzten sich deshalb auch an diesem Tag wieder für die Bibliothek ein. „Die Bibliothek ist für uns wichtig, weil die Gemeinschaft dort zusammenfindet“, sagt Louisa Betz. Jetzt in der Adventszeit beispielsweise lesen dort ältere Schüler den jüngeren vor. Einen Zugang zu den Büchern und der Bibliothek als Lernort zu haben, sei gerade jetzt vor dem Abitur für die Oberstufenschüler wichtig, findet auch Adelina Nazarenus. „Wenn das wegfällt, fällt auch die Eigenständigkeit weg, die wir als Oberstufenschüler eigentlich lernen sollten.“

Bisher habe kaum eine Fraktion auf den Brief reagiert, was Christoph Held als „enttäuschend“ bezeichnet. Die Kreistagssitzung Mitte Dezember wird also die Weichen stellen für die Zukunft der Bibliotheken an den Gymnasien im Kreis Altenkirchen. Man wolle vorab an die Verantwortung jedes einzelnen, der seine Stimme im Kreistag abgibt, appellieren, sich für den Erhalt der Schulbibliothek zu entscheiden“, so Held. Denn wenn die Entscheidung erstmal gefallen ist, gibt es vielleicht kein zurück. Das weiß auch Sabine Alberts-Wingenfeld; „Es ist schwerer so etwas nochmal umzustoßen, als jetzt zu versuchen, die Entscheidung zu verhindern.“

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