Pilot seit über 40 Jahren eng mit der Lipper Höhe verbunden

„Lebende Legende der Luftfahrt“: Der Siegerlandflughafen ehrt Walter Eichhorn

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Zwei Flieger-Legenden, eine davon mit 600 PS: Walter Eichhorn und die North American T-6.

Burbach. Das Wetter will partout nicht mitspielen an diesem Tag der offenen Tür auf dem Siegerlandflughafen. Die Piloten sind verunsichert: Fliegen, oder lieber nicht? Nur einer ist dabei, dem es schließlich zu bunt wird: Was denn nun, Kaffee trinken oder abheben? Die Antwort gibt Walter Eichhorn sich selbst: „Ich will jetzt los!“ Ermutigt folgen die Kollegen seinem Beispiel. Und auch wenn es unten ungemütlich gewesen sein mag und vielleicht kalt: Am Himmel gab es dann noch ordentlich was zu bestaunen.

Diese kleine Anekdote, die Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Müller mitgebracht hatte, sagt einiges über den Piloten Walter Eichhorn zum einen, seine Bindung zum Siegerlandflughafen zum anderen. „Wir sind stolz und dankbar, Sie einen Freund nennen zu dürfen“, wandte Müller sich direkt an den großgewachsenen Mann in seiner derben Fliegerjacke in Reihe eins.

Aufnahme in einen erlauchten Kreis

Sekt, Häppchen, geladene Gäste, unter anderem aus der Politik und dem Förderverein: Mittelgroßer Bahnh --- pardon, Flughafen, am Donnerstagabend auf der Lipper Höhe, um eine nun verbrieft lebende Legende der Luftfahrt zu würdigen. Kurz vor seinem 82. Geburtstag erhielt Walter Eichhorn im vergangenen Jahr den Bob Hoover Freedom Flight Award und wurde in den erlauchten Kreis der Living Legends of Aviation aufgenommen, der weltweit gerade einmal 103 Mitglieder zählt: Buzz Aldrin etwa und Ulf Merbold, Dick Rutan, Tom Cruise und Harrison Ford, nicht zu vergessen Chesney Sullenberger, jener Mann, der erfolgreich einen Airbus A 320 auf dem Hudson notwasserte – und Dr. Tom Enders, Ex-Vorstandsvorsitzender der heutigen Airbus-Group. Enders war es auch, der Eichhorn für diese außergewöhnliche Ehrung vorschlug, und das Präsidium stimmte geschlossen mit „Ja“. 

Eichhorn mit Siegerlandflughafen-Geschäftsführer Henning Schneider. 

Kein Wunder: Der Mann ist seit 62 Jahren in der Luft, 36 Jahre lang als Flugkapitän der Lufthansa, davon 15 Jahre auf der Junkers Ju 52. Er war Fallschirmspringer auf Weltniveau, Test-, Film- Show- und Stuntpilot, Deutscher Kunstflugmeister und der Pilot mit den weltweit meisten Flugstunden auf der Me (Bf) 109. Seine Airshow-Karriere währt inzwischen seit fast vier Jahrzehnten, 1991 stieg Sohn Toni mit ein. Seitdem sind „Die Eichhörner“ mit ihrem spektakulären Formationskunstflug eine Marke und landauf, landab für kollektive Schnappatmung gut – auf großen Flughäfen ebenso wie in der Provinz. 

Enge Beziehung seit über 40 Jahren 

Und auf dem Siegerlandflughafen, wieder und wieder. Eine Beziehung, die in über 40 Jahren zunehmend an Höhe gewann, oder, wie Müller es formulierte: „Die Chemie stimmte, von Anfang an. Sie haben sich hier sehr wohl gefühlt und tun es bis heute.“ Von den zahllosen Flugzeugen, mit denen Walter Eichhorn im Verlauf seiner Karriere unterwegs war, waren mindestens drei hier oben stationiert. „Und wann immer hier ein Termin mit der ,Tante Ju’ stattfand, haben Sie sich bemüht, als Kapitän eingesetzt zu werden“, so der Landrat, auch habe Eichhorn dem Logo des Siegerlandflughafens fliegend zu Bekanntheit verholfen. Kurzum: „Sie waren immer eine Bereicherung!“ 

Biograph und Weggefährte Michael Linke. 

Einen Eindruck von dem Menschen und Piloten vermittelte Michael Linke, langjähriger Vereinskamerad Eichhorns in der Flugsportgruppe Elz und Autor der Biographie „36.000 Stunden am Himmel“ – von denen aber, das wollte der Geehrte klargestellt wissen, mindestens 10.000 auf das Konto seines Sohnes gehen. Zusammen mit weiteren Familienmitgliedern hatte auch der in der ersten Reihe Platz genommen, hin und wieder bestätigend zu nicken oder zu schmunzeln, als Linke den Lebensweg seines Vaters nachzeichnet.

Von Kindesbeinen an ist Walter Eichhorn auf die Fliegerei versessen, wie er sich auch im Gespräch mit dem Kurier erinnert: „Hier haben wir gewohnt und dort – “ auf die Tür gegenüber zeigend – „war der Flugplatz!“ Von Anfang an will er nur zweierlei: fliegen, und eine Me 109 fliegen. Beide diese Wünsche habe er mit einer aus seiner Sicht „unfassbaren Konsequenz“ verfolgt, berichtet Linke mit unverhohlener Bewunderung.

84-Stunden-Woche für einen Traum

Mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet – zusammengespart in 84-Stunden-Wochen als Lkw-Fahrer – packt Eichhorn in Jever seine Siebensachen, mit gerade einmal 19, damals also nicht einmal volljährig. Der große Traum vom Fliegen nimmt auf einem Schiff Gestalt an: Die „Neptunia“ bringt ihn ins 6100 Kilometer entfernte Kanada, denn in Deutschland sollte, so sah es nach dem Krieg aus, niemand mehr Pilot werden dürfen. Dafür nimmt er die kanadische Staatsbürgerschaft an, die er bis heute besitzt. Und er nimmt auch etwas mit zurück in die Heimat, wie Eichhorn dem Kurier verrät: Die positive Grundeinstellung der Kanadier, dieses „Geht nicht, gibt’s nicht“. 

Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Müller hielt die Laudatio. 

Hier findet er in seinem ersten eigenen Flieger, einer Cornell, und seiner Frau Liesel (†)„zwei erste große Lieben“, so Linke. Zuerst nimmt er den Privatpilotenschein in Angriff, dann steuert er schon mit seiner eigenen T-6 die Prüfung zum Berufspiloten an. 1972, 16 Jahre nach seinem Aufbruch in Jever, ist Walter Eichhorn Flugkapitän auf der Boeing 727. 

Als sich endlich sein zweiter Traum, die Me-109, erfüllen soll, ist er bereits 50 Jahre alt – aber was heißt hier schon „bereits“. Zwischenzeitlich sorgt er immer wieder mit der Fallschirmspringer-Truppe „Walters Vögel“ für Aufsehen, eine Mannschaft aus ambitionierten Freizeit-Springern, die es erfolgreich mit der Weltelite aufnimmt. Als Walter Eichhorn im Jahr 2000 zum 1973. und damit letzten Mal an seinem roten Schirm mit dem „Maple Leaf“ darauf Richtung Erde schwebt, gibt es die „Vögel“ schon seit 23 Jahren nicht mehr.

Torte vom Leinwand-Helden

Mit Tom Cruise dreht er „Operation Walküre“ (und bekommt zum 70. eine Sahnetorte vom Hollywood-Star), hat Auftritte in „Memphis Belle“ und der Serie „Piece of Cake“. Wobei: „Walter ist in den Filmen eigentlich nie zu sehen, nur sein Flugzeug“, schmunzelt sein Biograph. Ausgerechnet ein PR-Coup wird zu einer fliegerischen Meisterleistung: Die Ju 52 im Formationsflug mit der Boeing 732 über dem Puget Sound. Und ja, manchmal war es auch brenzlig, aber Eichhorn hält es klein: Nein, ausgefallen sei dieses Triebwerk nicht, „wir mussten es ausschalten“.

Siegerlandflughafen-Geschäftsführer Henning Schneider überreicht dem „lieben Walter“ am Ende eine Collage, deren größeres Pendant als Erinnerung auf der Lipper Höhe bleibt. Eine Dankesrede von der lebenden Legende bekommen die Gäste nicht zu hören, im Gespräch aber blickt Walter Eichhorn kurz auf ein „Leben voller Highlights“ zurück: „Es hat alles funktioniert.“ Und immer, wenn er dann doch mal die Nase voll gehabt habe, habe er sich gesagt: „Morgen scheint die Sonne wieder“. Die Auszeichnung bedeute ihm sehr viel, gerade jetzt, wo er langsam ans Aufhören denke, erzählt er. Das klingt verdächtig nach Abschiedsrunden, oder etwa nicht? Walter Eichhorn hebt schon im Gehen begriffen die Schultern, lächelt leicht schief: „Das letzte Wort hat der Fliegerarzt.“ Und ja, der hat ihm bereits zum Kürzertreten geraten.

Dieses Jahr kein Tag der offenen Tür 

Dieses Jahr werden „Die Eichhörner“ nicht mehr in die Box über dem Siegerlandflughafen fliegen, denn wegen des Jubiläums 800 Jahre Burbach finde der Tag der offenen Tür erst wieder 2020 statt, wie Henning Schneider gegenüber dem Kurier erläuterte. Nächste Termine in der Nähe sind (bis jetzt) laut www.eichhorn-air.de Ailertchen (9. und 10. Juni) und Schameder (31. August bis 1. September).

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