Schnell zum Arzt oder zum Einkaufen

Fahrer wird oft zum „Seelendoktor“: Hickenmobil seit einem Jahr im Einsatz

+
Das Hickenmobil dreht bereits seit einem Jahr seine Runden durch den Hickengrund. Die Gemeinde hat jetzt Bilanz gezogen.

Niederdresslndorf - Das Hickenmobil hat vor einem Jahr seinen Dienst in der Gemeinde Burbach aufgenommen. Die Verantwortlichen und die ehrenamtlichen Fahrer haben den Geburtstag jetzt in der Hickengrundhalle im kleinen Kreis gefeiert und Bilanz gezogen.

„Das, was wir uns erhofft haben, ist voll aufgegangen“– so lautete das Fazit von Bürgermeister Christoph Ewers, der sich am Dienstagabend in der Hickengrundhalle persönlich bei den ehrenamtlichen Fahrern des Hickenmobils für ihren Einsatz bedankte. Insgesamt 16 sind es mittlerweile, die sich regelmäßig hinter das Steuer des Hickenmobils setzen. Der Jüngste ist Mitte 30 und der Älteste Mitte 70. Das E-Auto rollt seit dem 3. Dezember des vergangenen Jahres durch den Hickengrund. Dabei wurden bei insgesamt 1.453 Fahrten etwa 26.800 Kilometer zurückgelegt. Bei etwa 80 Prozent aller Fahrten sei ein Arztbesuch der Grund für die Nutzung des Hickenmobils, erklärte Walter Brück im Pressegespräch. Etwa 15 Prozent würden für Einkaufsfahrten und fünf Prozent für Besuchsfahrten genutzt. Viele Partner würden das Hickenmobil beispielsweise buchen, um jemanden in den Seniorenhäusern in Lützeln zu besuchen.

Fast vier Stunden täglich verbringt Walter Brück mit der Koordination der Fahrten. Er muss dafür sorgen, dass die Fahrtwünsche bedient werden können und gleichzeitig ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist. Bei Überschneidungen, beispielsweise weil jemand einen Arzttermin hat und jemand anderes aber zur selben Zeit in einen anderen Ort zum Einkaufen fahren will, muss Brück auch mal um Verlegung bitten. „Ich rufe die Person, die beispielsweise einkaufen will, an und bitte darum, ob man eine Stunde früher oder später fahren kann. Das klappt wunderbar, ohne Stress.“ Manchmal muss er auch Fahrtwünsche ein paar Tage vorher bereits absagen. „Es kommt häufiger vor, dass ich keine Kapazitäten mehr habe.“

Die Gespräche zwischen Fahrern und Fahrgästen würden immer Spaß machen, betont Brück. Man sei als Fahrer auch ein bisschen „Seelendoktor“. „Die Herzlichkeit, gerade von älteren Leuten, ist immer sehr hoch und das motiviert“, sagt Brück. Schwierigkeiten mit den Fahrgästen habe es so gut wie nie gegeben. Eine Person wäre aber in Absprache mit der Gemeinde von der Liste gestrichen worden.

„Geiles Team“ sucht Verstärkung

Insgesamt haben 113 Fahrgäste das Hickenmobil – meist mehrfach – genutzt. Die Touren gingen in der Regel nach Burbach (88), Haiger (171), Neunkirchen (83) oder zum Ärztehaus nach Dillenburg (128). Nur wenig war das Hickenmobil in Richtung Wilnsdorf (14) unterwegs. Die restlichen Fahrten führte das Hickenmobil fast ausschließlich durch die Ortschaften des Hickengrunds. Das E-Fahrzeug selbst habe sich bewährt, wobei sich gezeigt habe, dass die maximale Distanz des Autos in der kalten Jahreszeit aufgrund von Heizung, Scheibenwischer und Licht geringer ausfälle, als im Sommer, erklärt Brück. „Im Winter müssen wir mittags an die Ladestation.“

Ewers freut sich über die deutlichen Zahlen: „An den gefahrenen Kilometern des Hickenmobils sieht man, dass wir damit eine gute Mobilitätsalternative geschaffen haben. Möglich wäre das allerdings nicht ohne die tatkräftige Unterstützung der ehrenamtlichen Fahrer, die hierfür einen Großteil ihrer Freizeit opfern.“

Walter Brück betonte in seiner kurzen Ansprache an die anwesenden Fahrer, dass es Spaß mache mit so einem „geilen Team“ zu arbeiten. Dieses sucht übrigens noch Verstärkung. „Wir könnten noch ein bis zwei Fahrer gebrauchen“, sagt Brück. Voraussetzung: „Man muss ins Team passen.“ Im ersten Jahr habe man sich deshalb von einem Fahrer getrennt. Es hätte nicht gepasst, erklärte Brück abschließend.

Fahrten können zwischen einer Woche und einem Tag vor dem gewünschten Termin gebucht werden. Anmeldung von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12 Uhr unter Tel. 0151/22400937. Das Hickenmobil ist an diesen Tagen jeweils von 7.30 Uhr bis 18 Uhr unterwegs. Die Nutzung ist kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare