DDBW bestätigt Verdacht

Revierleiter sichtet erstmals einen Wolf auf dem Stegskopf

Revierleiter Christof Hast von Bundesforsten entdeckte am Sonntagmorgen auf dem Stegskopf ein wolfsähnliches Tier und machte ein Foto – mittlerweile hat die Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf den Verdacht bestätigt. Archivfoto: Harry Neumann

Emmerzhausen. Es ist offiziell: Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Stegskopf gibt es einen Wolf. Revierleiter Christof Hast hatte das Tier am vergangenen Sonntagmorgen zufällig entdeckt. Dass es sich dabei wirklich um einen Wolf handelt, bestätigte jetzt das Umweltministerium Rheinland-Pfalz in einer Pressemitteilung.

„Ich war an diesem Morgen mit meinem Sohn unterwegs, um eine Kontrollfahrt zu machen“, erzählt Christof Hast, der auch Wolfsbeauftragter für den Bundesforst ist. Der Truppenübungsplatz Daaden liegt im Zuständigkeitsbereich von Bundesforsten, die auf ihren Flächen das Wolfsmanagement übernehmen. Der Wolf sei ihnen mehr oder weniger zufällig über den Weg gelaufen – nur etwa 50 Meter entfernt – und sei dann wieder in den Wald verschwunden. 

Sein Sohn Tristan habe zunächst vermutet, dass es ein Fuchs sein könnte. Das Tier sei aber zu groß und die Gangart für einen Fuchs eher untypisch gewesen. Er sei da vorsichtig, da sich viele Sichtungen am Ende nicht bewahrheiten würden. Als beide schon wieder weiterfahren wollten, tauchte das Tier jedoch noch einmal auf und „schaute uns direkt an“. Beim Blick durch sein Fernglas sei ihm schnell klar gewesen: „Das muss ein Wolf sein“ – schon allein wegen der Zeichnung am Kopf. Sein Sohn habe dann durch das Fernglas schnell Bilder gemacht. Die schickte Hast dann an das Institut Lupus in der Lausitz – und bekam nur einen Tag später eine Antwort – und den C1-Nachweis. 

Der Sohn von Christof Hast machte dieses Foto mit dem Handy durch das Fernglas. Typisch sei die weiße Zeichnung am Kopf, so Hast.

Sofort setzte er die Wolfsberaterin des Kreises Altenkirchen und das Land über seine Entdeckung in Kenntnis. „Wir haben schon länger vermutet, dass in diesem Revier etwas nicht stimmt“, so Hast. „Wir hatten schon seit geraumer Zeit kein Schalenwild mehr auf der großen Fläche gesehen.“ Der Wolf habe die Rehe und Wildschweine wahrscheinlich abgeschreckt. Mit dem Bekanntmachen der Wolfssichtung möchte Hast vor allem auch ausschließen, dass Jäger das Tier für einen wildernden Hund halten und erschießen könnten.

 Bundesforsten hatte das Foto unmittelbar zur wissenschaftlichen Untersuchung an die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DDBW) weitergeleitet. Ob es sich bei dem Individuum um einen der bereits nachgewiesenen Wölfe aus Rheinland-Pfalz handelt, kann auf Grundlage des Fotos nicht beurteilt werden. Um herauszufinden, woher der Wolf stammt, werde jetzt nach den Hinterlassenschaften des Wolfes Ausschau gehalten. Um das testen zu können, brauche man entweder den Kot des Tieres oder gerissenes Wild für eine Speichelprobe, erklärte Hast.

Rheinland-Pfalz setze beim Thema Wolf konsequent auf Vorsorge, so das Ministerium in einer Pressemitteilung, und habe mit dem Wolfsmanagementplan bereits im Jahr 2015 eine wichtige Grundlage im Umgang mit dem Wolf gelegt. Außerdem habe das Land im März dieses Jahres ein gemeinsames Vorgehen zum Herdenschutz und Wolfsmanagement mit Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland beschlossen. Die Kooperation umfasse die fachliche und länderübergreifende Zusammenarbeit bei Fang und Besenderung von Wölfen, den Umgang mit bzw. die Entnahme von auffälligen Tieren sowie einen regelmäßigen Informationsaustausch.

„Der ehemalige Truppenübungsplatz bietet für dem Wolf einen hervorragenden Lebensraum. Der Wolf als Leitart zeigt an, dass dieses Gebiet zu Recht als Nationales Naturerbe ausgewiesen wurde und einen wichtigen Trittstein für einen dringend notwendigen länderübergreifenden Biotopverbund darstellt“, erklärten Harry Neumann, Landesvorsitzender der Naturschutzinitiative und Dr. Jürgen Ott, Präsident der Pollichia in einer Pressemitteilung. „Für übereilte Reaktionen, auch hier erneut Bekämpfungen zu fordern oder aus Begeisterung den Tieren (z.B. per Fotoapparat) nachzustellen, besteht aber kein Anlass“, betonte der Naturschutzreferent der NI , Dipl.-Biologe Immo Vollmer, „da es sich bei den meisten Wolfsichtungen um durchziehende Tiere handelt, die morgen ganz woanders sein können.“

Das überwiegend durch Betretungsverbote der Gefahrenabwehr abgeschirmte Gebiet könne dem Wolf möglicherweise aber gefallen. „Wir hoffen, dass dann hier ein gutes Wolfs-Management durch das Land und die DBU installiert wird, verbunden mit dem effektivem Schutz der zur Pflege des Gebietes eingesetzten Schafsherde. Es wäre dann ein wichtiges Vorhaben, bei dem man notwendige Erfahrungen für die Integration des Wolfs in Rheinland-Pfalz gewinnen könnte“, so Harry Neumann, Dr. Jürgen Ott und Immo Vollmer.

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