Ehrenamtler fühlen sich vor den Kopf gestoßen

Ehrenamtler fühlen sich vor den Kopf gestoßen

Die Aufnahmeeinrichtung auf dem Stegskopf soll zukünftig als Reserve vorbehalten werden.

Emmerzhausen. Die Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Stegskopf in Emmerzhausen stellt vorerst ihren Betrieb ein – wie das Land mitteilt, wird die Einrichtung nur noch im Stand-by-Betrieb als Reserve vorgehalten.

Eine neue Belegung der Liegenschaft erfolgt vorerst nicht mehr, wie Integrationsministerin Irene Alt mitteilte. Die Asylbegehrenden, die sich derzeit dort aufhalten, werden – soweit sie nicht in absehbarer Zeit in den Transfer in die Kommunen gehen – in Einrichtungen verlegt, die sich näher an einem Ankunftszentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge befinden, wie etwa die Einrichtung in Diez. Hintergrund sind laut Ministerium die aktuell geringen täglichen Zugangszahlen von Asylsuchenden in Rheinland-Pfalz. Sie liegen derzeit im zweistelligen Bereich.

„Wir müssen dennoch flexibel bleiben, um für eventuelle Änderungen gewappnet zu sein. Das lehrt uns die Erfahrung des vergangenen Jahres. Deshalb werden wir – wie andere Bundesländer auch – weiterhin Reservekapazitäten in Bad Kreuznach, Alzey, Herxheim und auch auf dem Stegskopf vorhalten. Die internationale Lage ist derzeit einfach noch zu unberechenbar und die wirklichen Auswirkungen der europäischen Entscheidungen auf die Fluchtbewegungen sind noch nicht einzuschätzen. Wir wer-den die genannten Einrichtungen betriebsbereit halten, damit wir bei wieder anstei-genden Flüchtlingszahlen schnell auf diese Reservekapazitäten zurückgreifen kön-nen“, sagte Integrationsministerin Alt.

Hans-Peter Richter, einer der vielen ehrenamtlichen Helfer auf dem Stegskopf, ist da allerdings ganz anderer Meinung. Er kann nicht nachvollziehen, warum die gut funktionierende „Vorzeige-Einrichtung“ vorerst geschlossen werde: „Das ist ein unüberlegter Schnellschuss“, meint Richter. Ein Standby-Betrieb könne nicht funktionieren. „Was der Stegskopf leistet, kann eine Kommune nicht leisten.“ Nirgendwo könnten die Flüchtlinge so intensiv betreut werden wie dort. „Als wir das erfahren haben, haben wir erstmal auf den Kalender geschaut, ob nicht schon der 1. April ist“, so Richter. „200 Ehrenamtliche stehen fassungslos da, Tränen fließen“, beschreibt er die momentane Situation auf dem Stegskopf, wo er derzeit noch vor Ort ist.

Nicht nur die Ehrenamtlichen, vor allem viele eigens für die AfA eingestellte Mitarbeiter vom Land und insgesamt 40 Mitarbeiter des DRK verlieren dadurch ihren Job.

Richters Kritik am Land: „Ich hätte mir mehr Ehrlichkeit und vor allen Dingen mehr Kommunikation gewünscht.“ Hinter den Jobs stünden menschliche Schicksale. Viele Helfer hätten einen sicheren Job aufgegeben, um zu helfen. „Ich hätte erwartet, dass die politisch Verantwortlichen von Kreis und Land vor Ort Gesicht zeigen.

Bereits lange bevor die ersten Flüchtlinge dort ankamen, waren Hans-Peter Richter und seine Frau Elisabeth vor Ort und haben dort mit vielen anderen Ehrenamtlichen die Kleiderkammer und viele andere Einrichtungen aufgebaut, ihr ganzes Herzblut in diese Arbeit gesteckt.

In der Kleiderkammer statteten sie pro Tag bis zu 180 Menschen mit Kleidung und Schuhen aus. Nun soll alles vorbei sein. Dennoch sind sie fest entschlossen, bis zum Schluss alles zu geben. „Wir lassen die Kleiderkammer noch offen und versorgen die Flüchtlinge, die noch da sind, weiterhin mit allem, was sie brauchen.“

Wie die Pressestelle der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD), Betreiberin der Einrichtung, dem Kurier zum Sonntag mitteilte, solle die Einrichtung entgegen aller Gerüchte nicht bereits am 7. April in den Standby-Betrieb gehen. „Wir wollen den Betrieb ganz langsam herunterfahren“, so Pressesprecherin Miriam Lange.

Im April würden sich noch Flüchtlinge und Mitarbeiter in der Einrichtung aufhalten. Standby-Betrieb bedeute, dass die Einrichtung weiterhin „bewacht und in Ordnung gehalten“ werde. Die ADD versucht nun, seinen Mitarbeitern Alternativen zu bieten. Das DRK erhalte für die Betreuung und alle Hilfmittel, also auch für das Personal, weiterhin eine Pauschale vom Land. Maik Treck, so Lange, könne als Abgeordneter vom Kreis wahrscheinlich einfach in seinen Job bei der Kreisverwaltung zurückkehren.

Auch gegen das Gerücht, man habe die Mitarbeiter nicht rechtzeitig informiert, weist die ADD von sich. Natürlich sei nicht jeder Einzelne persönlich informiert worden, aber die Gremien habe die ADD schriftlich benachrichtigt und auch der DRK-Landesverband sei in der letzten Woche mündlich informiert worden. Mit dem DRK-Kreisverband werde es zeitnah Gespräche geben. Alfons Lang, DRK-Kreisgeschäftsführer, konnte zu diesem Thema keine Auskunft geben und verwies an die ADD Trier.

Dennoch hat die Nachricht scheinbar nicht alle vor Ort Tätigen auf direktem Weg erreicht, denn auch das Leitungsteam der Ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe Heller-Daadetal reagiert nun in einem offenen Brief an Ministerin Malu Dreyer mit Unverständnis auf die Entscheidung des Landes und das Verhalten der Verantwortlichen: „Wir vermissen sehr deutlich einen verantwortungsvollen Umgang und eine gute, persönliche Kommunikation mit den Hauptamtlichen und den Ehrenamtlichen. Sie alle haben sich gemeinsam für die notleidenden Menschen auf dem Stegskopf eingesetzt. Haben Sie für dieses Verhalten seitens der Landesregierung eine Erklärung?“

Hans-Peter Richter glaubt, dass keiner der Tätigen so einfach wiederkommen wird, wenn die AfA doch wieder in Betrieb genommen wird. „Das Engagement der Menschen kann man schließlich nicht einfach ein- und ausknipsen wie eine Lampe.“

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