Unglück beim Backesfest in Alchen: Frau (67) gestorben - Es war keine Fett-Explosion

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[Update 15.10 Uhr] Einen Tag nach der schlimmen Explosion gibt es heute (9. September) eine traurige Nachricht. Eine 67-jährige Frau ist in einem Dortmunder Krankenhaus gestorben. Der Zustand der übrigen Schwerverletzten ist laut Polizeiangaben unverändert kritisch bis stabil. Bei der Suche nach der Ursache sind die Ermittler einen Schritt weiter. 

Freudenberg - Es sollte ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr des Dorfes werden, doch jetzt steht der Freudenberger Stadtteil Alchen unter Schock: Nach einer Explosion beim "Backesfest" am Sonntag erlag eine 67-jährige Frau ihren schweren Verletzungen in einer Dortmunder Klinik. 

Nach der Explosion einer riesigen Bratpfanne soll das Gerät nun auf einen technischen Defekt untersucht werden. Die große, gasbetriebene Bratkartoffelpfanne war am Sonntag unter einem Unterstand explodiert. Durch die zur Seite ausweichende Stichflamme erlitten Umstehende schwerste Brandverletzungen, wie ein Polizeisprecher erläuterte. Ein Sachverständiger hat am Montagmorgen (9. September) den Unfall rekonstruiert. Auszuschließen sei, dass es sich um eine Fettexplosion gehandelt habe.

Das ist wohl passiert: Unter der Bratkartoffelpfanne, die eine Eigenkonstruktion war, befand sich ein Hohlraum, in dem Öl in einem geschlossenen Kreislauf von einem Gasbrenner erhitzt wurde. Wahrscheinlich aufgrund eines Materialfehlers oder einer Materialermüdung gab es einen Riss in diesem Behälter. Das dadurch unter Druck frei werdende Öl kam mit der Gasflamme in Kontakt und hat sich explosionsartig entzündet. 

Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, warum das Material gerissen und nachgegeben hat. Das Ergebnis dieser Untersuchungen wird frühestens in einigen Tagen erwartet.

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Geschmolzene Plastiktöpfe, aus denen noch der Stiel einer Schöpfkelle ragt, verrußte Stelltische und angekokelte Stapel Pappteller: Eine Fett-Explosion in einer großen Bratpfanne an einem Grillstand und die daraus resultierende Stichflamme hat nach Erkenntnissen der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein beim Backesfest in Freudenberg-Alchen 13 Personen verletzt.

Sechs Personen im Alter von 31 bis 75 Jahren sind laut Polizei lebensgefährlich verletzt - fünf von ihnen erlitten Brandverletzungen, hinzu kommt ein internistischer Notfall. Die Schwerstverletzten wurden per Hubschrauber - fünf waren im Einsatz - zu Spezialkliniken nach Köln, Dortmund, Bochum und nach Siegen-Weidenau geflogen. Hinzu kamen laut Feuerwehr-Sprecher Dietmar Kalteich sieben weitere Verletzte.

Ein Dorf unter Schock

Zum Zeitpunkt der Explosion gegen 11.52 Uhr besuchten etwa 100 Menschen das Fest. Beim sogenannten "Backesfest" wird traditionell eine alte dörfliche Backstube in Betrieb genommen. "Es herrscht eine große Fassungslosigkeit und Betroffenheit", sagte Freudenbergs Bürgermeisterin Nicole Reschke nach dem schweren Unglück. "Der schlimme Unfall auf dem Volksfest in Freudenberg macht mich sehr betroffen", teilte NRW-Innenminister Herbert Reul mit. "Ich bin in Gebeten bei den Schwerstverletzten."

Zur Unglückszeit soll es in Freudenberg geregnet haben. Ob Regenwasser in das heiße Fett geriet und so die Explosion auslöste, war zunächst unklar. Um eine Gas-Explosion habe es sich aber nach Einschätzung der Behörden wohl nicht gehandelt.

Die Kriminalpolizei hat den Unfallort begutachtet, die Einsatzstelle beschlagnahmt und die Ermittlungen aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft Siegen wurde eingeschaltet. Sachverständige werden hinzugezogen.

Explosion beim Backesfest in Alchen

Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei eilten am Mittag mit einem großen Aufgebot zum Einsatzort. Kräfte aus dem ganzen Kreis Siegen-Wittgenstein sowie Olpe wurden alarmiert. Für die zahlreichen Opfer wurde neben dem Sportplatzgelände Wolfskaute ein Hubschrauber-Landeplatz eingerichtet. Im stetigen Wechsel kamen hier fünf Rettungsflieger zum Einsatz, um die am schwersten Verletzten in Spezialkliniken zu fliegen.

Rund um die Unglücksstelle richtete die Polizei eine Sperrzone ein, so dass die Hauptverkehrsader durch den Ort nicht mehr zu befahren war, damit die Rettungswagen ungehindert an und abfahren konnten. Für diesen, auch psychologisch schweren Einsatz für die Rettungskräfte, wurde das für solche Anlässe aufgebaute PSU-Team der Feuerwehr mit sechs Helfern an den Einsatzort entsandt.

Landrat Andreas Müller, sowie Bürgermeisterin Nicole Reschke machten sich vor Ort von dem schweren Unglück ein Bild, um auch von Seiten der Behörden schnelle Hilfe organisieren zu können. Gemeinsam mit dem stellvertrenden Kreisbrandmeister Dirk Höbener und dem Einsatzleiter Maik Rother dankten sie den zahlreichen Einsatzkräften.

Der Unglücksort muss nach Abschluss der Rettungsarbeiten gesichert werden, gleichzeitig ist der für Montagmorgen geplante Schulbeginn, für die benachbarte Grundschule zu organisieren.

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