Suche nach Fachfirma war gar nicht so einfach

Welle der Hilfsbereitschaft für Familie Lingansch: 45.000 Euro für Lenas Auto zusammengekommen 

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Familie Lingansch kann nun dank der Hilfe vieler Menschen ein Auto für Lena umbauen lassen. 

Freudenberg. Es ist geschafft: Viele Menschen haben gemeinsam dafür gesorgt, dass Familie Lingansch ein neues, speziell für ihre Tochter Lena umgebautes Auto anschaffen kann. Das Spendenziel ist erreicht. „Wir sind glücklich“, sagt Lenas Vater Christian am Kurier-Telefon ganz einfach.

Ein Rückblick: Vor Weihnachten vergangenen Jahres berichtete der Siegerlandkurier über die vierjährige Lena Maria aus Freudenberg, die an spinaler Muskelatrophie (SMA) erkrankt ist. Lena Maria gehört zu Typ 1, der für die aggressivste Form dieser Krankheit steht. Dank eines besonderen Medikaments (Spinraza) kann die Krankheit zwar nicht geheilt, aber aufgehalten werden. Weil die Kleine auf jeder noch so kurzen Autofahrt sehr viel medizinisches Gepäck benötigt, stößt der Familien-Caddy längst an seine Grenzen – und ein Caddy ist, wie fast jeder weiß, schon nicht gerade klein. 

Zwar passt alles und natürlich das Mädchen selbst hinein, trotzdem ist jedes Beladen auf Kante genäht. Ein schnelles Reagieren im Notfall – wenn Lena sich beispielsweise verschluckt, was für sie lebensgefährlich ist – ist unmöglich, weil das Fahrzeug keinen Platz bietet, das Kind rasch hinzulegen. Also entschied die Familie nach langem Zögern, sich mit ihrem Problem an die Öffentlichkeit zu wenden. Die Welle der Hilfsbereitschaft war riesengroß: Vereine, Unternehmen, Initiativen und Privatpersonen legten sich für „Lenas Auto“ ins Zeug, organisierten Feiern und (Kinder-)Discos, auf denen Bands ohne Gage spielten und Firmen unterstützend eingriffen, um die Kosten minimal zu halten. 

Viele kreative Aktionen 

Es gab Massageaktionen und Rudelyoga und, und, und – es würde den Rahmen sprengen, hier nochmals alle aufzuzählen, die zu dem phänomenalen Ergebnis beigetragen haben. Und das heißt in Zahlen ausgedrückt: 45.000 Euro landeten auf dem zweckgebundenen Konto, das die Deutsche Muskelstiftung für die Familie eingerichtet hat. Nun bekommt man zwar für 45.000 Euro kein neues und speziell umgerüstetes Fahrzeug. Sehr schnell aber hatte sich ein die Anonymität vorziehender Gönner bei der Familie mit der Zusage gemeldet, ihr bei der Anschaffung eines Fahrzeugs unter die Arme zu greifen. Blieb also nur noch der Umbau. 

Aber was heißt hier „nur“? Vater Christian Lingansch hatte plötzlich neben seinem eigentlichen Vollzeitjob gleich noch einen, denn es erwies sich als schwierig, ein Unternehmen zu finden, das willens und in der Lage war, ein Fahrzeug nach den Vorstellungen der Familie umzubauen. Denn von Anfang an war klar: Eine standardisierte Lösung wird es nicht geben. 

Zahlreiche Unternehmen abgeklappert

Christian und Andrea Lingansch wissen am besten, was ihre Tochter benötigt, um sicher und komfortabel transportiert zu werden. Christian Lingansch berichtet gegenüber dem Siegerlandkurier, dass er deutschlandweit etwa zehn Unternehmen abklapperte, telefonisch, per Mail und auch persönlich. Eine kleine Odyssee, und das alles neben seiner Arbeit, dem Familienleben und einem weiteren turnusmäßigen Klinikaufenthalt des Mädchens. 

Fündig wurde er schließlich und endlich in Stuttgart: Hier sitzt ein kleines Unternehmen, das auf Aufgaben wie die von Familie Lingansch gestellte spezialisiert ist. Als er den Tipp bekam, in Süddeutschland vielleicht fündig zu werden, setzte sich Christian Lingansch morgens um fünf ins Auto und war abends um zehn wieder zurück. Der stressige Kurztrip trug Früchte. Zum Beispiel ist es wichtig, dass die zweite Sitzreihe in dem Fahrzeug zum Liegen gebracht werden kann. „Das waren die Einzigen, die gesagt haben, dass das geht“, freut sich Lingansch. 

Der Innenausbau wird also in Stuttgart vonstatten gehen, die Rampe für Lenas Rollstuhl kommt aus Bremen. Wenn alles wie vorgesehen klappe, werde das Fahrzeug im September, Oktober fertig, so Christian Lingansch. Kostenpunkt für den Umbau: etwa 27.000 Euro. 

Für die Linganschs bedeutet das, dass sie dank der Großzügigkeit und dem Engagement vieler Menschen nun auch andere Dinge für Lena anschaffen können, die diese dringend benötigt. Wer die Familie nach wie vor unterstützen möchte, tut dies also nun für Pflege- und Hilfsmittel für Lena sowie für Unkosten, die im Zusammenhang mit ihrer Behandlung entstehen.

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