Aufarbeitung der Geschichte

Birthe Thomas aus Dermbach mit ihrer abgeschlossenen Facharbeit. Sie liebäugelt nach dem Abitur mit einer Ausbildung zur Lehrerin. Foto: Rainer Wirth

Birthe Thomas (18) aus Dermbach wird in Zukunft weit mehr über die Verhältnisse im Städtchen während des zweiten Weltkrieges und über die Nachkriegszeit erzählen können, als viele ihrer Alterskameradinnen. Birthe ist Schülerin der Gesamtschule Eiserfeld, steht ein Jahr vor dem Abitur, und konnte sich in diesen Tagen ein Thema zur Facharbeit im Grundkurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12 aussuchen. Ihre Wahl fiel dabei auf das Herdorf von 1939 bis 1945 und auf die Monate nach der Besetzung durch Amerikaner und Franzosen.

Birthe Thomas: "Man liest immer viel von den Geschehnissen in den großen Städten und Rüstungszentren, was aber vor der eigenen Haustüre passierte, kommt nur bruchstückhaft herüber". Dem wollte sie nun abhelfen und kniete sich mit Eifer und Elan in ihre Aufgabe. Um das Fazit vorwegzunehmen: Herausgekommen ist eine durch und durch lesbare und informative Aufarbeitung eines Stückes schwerer Herdorfer Geschichte, mit zahlreichen Zitaten noch lebender älterer Zeitzeugen, dem Durchforsten von Berichten und Notizen aus den Kriegsjahren, reich bebildert, flott und interessant geschrieben. Zur Hilfe kamen ihr dabei unter anderem alte Zeitungsartikel, Erzählungen von älteren und jüngeren Herdorfern, denen die Jahre des Kriegs und die Nachkriegszeit noch lebendig vor Augen stehen.

Bürger öffneten ihre Archive

Geöffnet haben sich ihr auch die Archive etlicher Bürger, die akribisch Vieles aus der Zeit gesammelt haben. Darunter etwa ein Foto des SA-Sturmes des Jahres 1934, Luftaufnahmen amerikanischer Aufklärer von Herdorf aus den Jahren 1943 und 1944 und auch ein besonderes Bilddokument, das die PX- Fahne der katholischen Jugend neben der HJ-Flagge vor dem alten DJK-Jugendheim zeigt, wobei von friedlicher Koexistenz keine Rede sein konnte.

Auch einzelne besonders tragische Schicksale von Männern und Frauen, denen das "Dritte Reich" zum Verhängnis wurde, fehlen nicht. Birthe Thomas hat ihre Abhandlung unter die Intention gestellt: "Wie sah das alltägliche Leben im Dritten Reich aus und welche Probleme gab es ?", "Waren die Herdorfer Nazis?" und "Wie gelang der Übergang nach der Kapitulation 1945?".

Ein besonderes Licht auf die Herdorfer Verhältnisse werfen die Ergebnisse der Abstimmung 1934, bei der sich Hitler nach seiner Ernennung durch den Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler 1933, nun auch vom Wähler bestätigen lassen wollte. Dieser "Schuss" ging in Herdorf "nach hinten los".

Gegen Hitler votierten in Herdorf 35 Prozent der Wähler, in Dermbach fast 20 Prozent und in Sassenroth nicht weniger als 51,25 Prozent. Das führte im nationalsozialistischen Deutschland zu einem großen Aufschrei der Empörung und gipfelte in dem bekannten Transparent in Höhe der katholischen Kirche, auf dem vor "Lumpen, Feiglingen und Verrätern" gewarnt wurde.

Weiter gegliedert ist die Arbeit in die Themen Schulleben im "Dritten Reich", Lage der Industrie, Stellung der Kirchen, Vereine, Leben in Dermbach, Besetzung und Nachkriegszeit, Plünderungen, Hamsterzeit, Schnapsbrennen, Schulspeisung, sozialer Wohnungsbau. Ein weißes Blatt in der Facharbeit bleibt das Kapitel "Juden in Herdorf", Darüber war (und ist) so gut wie nichts bekannt. Auch in der Literatur konnte darüber nichts in Erfahrung gebracht werden.

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