Wie am Checkpoint Charlie

Abteilungsleiter Alfred Aach (li.) und Helfer Werner Schuhen legen letzte Hand an den Hahnen-Stein. Foto: Rainer Wirth

Das Gerangel um die Industrie-Brache der Firma Hahnenstein am Bahnhof Herdorf kam den Wagenbauern der Karnevalsgesellschaft (KG) Herdorf gerade recht. Abteilungsleiter Alfred Aach und der KG-Ehrenvorsitzende Josef Stockschläder ließen sich mit ihren Mitstreitern etwas einfallen.

Herausgekommen ist ein Beitrag für den Rosenmontagszug am 23. Februar, der in diesen Tagen fertig wurde und der jetzt schon zum Schmunzeln anregt. Auf dem Wagen sieht man zuerst einen mächtig aufragenden Stein, dessen Spitze von einem bunt schillernden Hahn bekrönt wird. Ein Schild weist dem Unkundigen den Weg zum Hahnen-Stein, offensichtlich ein begehrtes Wanderziel. Um aber diese Naturschönheit bewundern zu können, sind weitere Anstrengungen vonnöten. Es gilt nämlich, einen Zaun zu bezwingen, der eine Güterabfertigung samt Hahnen-Stein bewacht.

Und nicht nur das: das Übersteigen des Zaunes scheint auch noch mit Risiken verbunden zu sein, denn weithin sichtbare Plakate verkünden, dass man nun den städtischen Sektor verlässt und den Hahnenstein-Sektor betritt. Dies wird in vier Sprachen kundgetan, wie es weiland an der innerdeutschen Grenze, etwa am Checkpoint-Charlie, zu erleben war. Eine stadtbekannte Persönlichkeit befindet sich derzeit in der Mache und wird als "Pappkamerad" die touristische Attraktion bewachen. Am Rande der Güterabfertigung tummeln sich noch mit Knüppeln bewaffnete Figuren, die zum Lied: "Mir säin lauter Herdorfer Jongen..." tüchtig aufeinander einprügeln.

Natürlich sind die Wagenbauer nicht nur mit dem Hahnenstein beschäftigt. Seit Wochen geht es bereits in der Franz-Zöller-Halle am Königstollen "rund". Der Prinzenwagen ist auch schon fertig, ebenso ein Komiteewagen.

Jahrelanges Hin und Her

Die Stadt Herdorf plant auf einem Stück Industriebrache eine neue Art der Wohnumfeldgestaltung mit "Park- and- Ride-Anlage", nicht störendem Gewerbe, Grünflächen und Wohnbebauung. Dazu sollten auch Gebäude der Metall verarbeitenden Firma Hahnenstein abgebrochen werden. Hahnenstein wollte die Abbruchkosten von der Stadt ersetzt haben, die Stadt argumentierte, Hahnenstein als Pächter der Grundstücke habe auf ihre Kosten den ursprünglichen Zustand herzustellen.

Die Stadt erließ eine Veränderungssperre. Die Firma ging im Gegenzug her und kaufte ein Areal mitten im vorgesehenen Baugebiet. Das Projekt Hahnenstein schmort nun schon seit drei Jahren vor sich hin.

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