Hochzeit im "Exil"

Nach der Trauung stellte man sich vor dem Neunkirchener Bürgerhaus dem Fotografen. Rechts Gardekommandant Volker Haubrich, rechts vom Prinzenpaar die Brautleute, links die Standesbeamtin Daniela Kreutz. Foto: Rainer Wirth

Der 11.11.11 - ein Datum, wie gemacht für Karnevalisten. Und was kann es Schöneres geben, als an diesem "jecken" Tag den Bund für das Leben zu schließen? Dachten sich auch der Herdorfer Gardist Michael Köhler und das Ex-Tanzkorpsmitglied Nathalie Demai. Nur: In Herdorf wurde ihr Trauungswunsch in Montur abgelehnt. Was folgte, war die Flucht ins Exil...

So zog die Kerntruppe der Herdorfer Karnevalsgesellschaft mit Prinzenpaar Stephan II. und Katharina I., die Garde mit Gardekommandant Volker Haubrich, das Tanzkorps, der Vorstand mit dem Ehrenvorsitzenden Josef Stockschläder und der Hofstaat ins benachbarte Neunkirchen, um dort im "karnevalistischen Niemandsland" der Trauung beizuwohnen. Da staunten die Neunkirchener nicht schlecht, als etliche Male durch das Bürgerhaus ein donnerndes "Nadda jöhh" schallte, bunt kostümierte Scharen das Brautpaar begleiteten und Prinzenpaar und Gardechef gar der Trauungszeremonie beiwohnten.

"Stoff" für den Rosenmontagszug?

Natürlich hätte das Brautpaar, beide aus Herdorf, gerne in seinem Heimatstädtchen den Bund fürs Leben geschlossen. Alleine aus dem Rathaus kamen dazu negative Stimmen. Der Standesbeamte Hans Kipping hatte verlauten lassen, dass er es gar nicht gerne sehe, wenn man kostümiert zum Trauungstermin erscheine. "Und das in Herdorf, der Karnevalshochburg schlechthin", empörte man sich in der Karnevalsgesellschaft.

Eine Anfrage nach Neunkirchen, ob man dort unter den geschilderten Umständen getraut werden könne, wurde spontan positiv beschieden. Die Standesbeamtin Daniela Kreutz: "Dazu waren wir sofort bereit, ich sehe keine Hinderungsgründe, eingefleischte Karnevalisten nicht auch in den Uniformen ihrer Gesellschaft zu trauen." Gerne stellte sie sich vor dem Bürgerhaus auch dem Fotografen, es gab ein Schlückchen Sekt, Wunderkerzen wurden entzündet.

Dann bestieg die gesamte Kavalkade den wartenden Bus und ab ging es nach Herdorf auf die "Knöstplatte", um pünktlich mit dabei zu sein, als um 11.11 Uhr die Session angeblasen wurde. Der Ehrenvorsitzende und dienstälteste Wagenbauer des Rosenmontagszuges, Josef "Jupp" Stockschläder, schmunzelnd: "Es gibt im Städtchen doch immer wieder Stoff für einen Beitrag zum Rosenmontagszug." So sollte man sich nicht wundern, wenn in vier Monaten die "Neunkirchener Heirat" den Umzug bereichern würde.

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