Antje Krämer sucht noch weitere Mitstreiter 

Indoor-Spielplatz mit Programm: Gerber Park Hilchenbach soll für vier Wochen zur Begegnungsstätte werden 

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Antje Krämer, Marlene und Hannes freuen sich schon auf den 1. August. Dann wird das jetzt noch fast leere Ladenlokal anders aussehen.

Hilchenbach. Antje Krämer kauft gern ein in ihrer Stadt, und sie möchte andere dazu bringen, es ihr nachzutun. Mit einem Indoor-Spielplatz auf Zeit im Gerber Park will sie Eltern, andere Hilchenbacher und die örtlichen Gewerbetreibenden an einen Tisch bekommen, den ganzen August hindurch.

Und sie kann es auch schon richtig vor sich sehen: „Wie in einem großen Wohnzimmer“, lächelt die zweifache Mutter. An Größe mangelt es dem Ladenlokal, in dem sich das Ganze abspielen wird, nun wirklich nicht: Satte 118 Quadratmeter im Moment noch gähnende Leere plus Toilette, wo früher die Post und Big Disc waren, sollen ab dem 1. August mit Leben gefüllt werden. Vier Wochen hindurch. 

Direkt nebenan befindet sich die „Spielzeugkiste“, die gemeinsam mit Ernsting's Family und der Bäckerei Hafer tapfer die Stellung hält, nachdem mit dem REWE der letzte Ankermieter das Gebäude verlassen hat. Wie es im Gerber Park nach dessen Verkauf an die Cinthia Real Estate weitergeht, das ist im Moment noch unklar. Die verbliebenen Mieter hängen derzeit gewissermaßen in der Schwebe, das gilt auch für den Spielzeugladen. 

„Wir sind nicht Hamburg, wir sind Hilchenbach. Wir können alle was tun!“ 

Antje Krämer und ihre Kinder Marlene und Hannes sind hier Stammkunden. Und eines Tages machte es bei der 42-Jährigen „ping“. Oder wie sie es formuliert: „Da gingen die Alarmglocken an. Es reicht langsam, Hilchenbach wird eine Geisterstadt!“ Nun wird schnell mal gemotzt, egal ob auf Facebook oder sonstwo. Antje Krämer aber stand in der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien auf und sprach mit weichen Knien zur Versammlung, die ihr, wie sie rückblickend noch immer milde überrascht feststellt, „sehr offene Ohren“ schenkte: „Wir sind nicht Hamburg, wir sind Hilchenbach. Wir können alle was tun!“ 

Am nächsten Tag hatte sie einen Termin bei Bürgermeister Holger Menzel, der Unterstützung zusicherte, und Wirtschaftsförderer Kyrillos Kaioglidis, der die Idee lieferte. Denn wenn der Gerber Park über eines verfügt, dann über Platz. Und lernen nicht alle Eltern irgendwann mal einen Indoor-Spielplatz schätzen? Also klemmte sich Antje Krämer an die Strippe, lief von Laden zu Laden und stellte binnen drei Wochen ein Programm für einen Monat auf die Beine. 

Was heißt „stellte“ – nach wie vor sind weiße Felder in ihrem Zeitplan, ist Verstärkung, sei es als Aufsicht für den Spielplatz oder als zusätzliches Angebot, willkommen. „Ich bin nur am reden“, lacht sie. Mit den Klimawelten verhandelt sie noch und mit der Musikschule, und vielleicht schaut auch das Rockmobil vorbei. „Aber auch normalsterbliche Mamas wie ich“ sind mit ihren Ideen willkommen. „Es geht nicht um mich“, stellt Antje Krämer klar. „Man braucht einen Initiator. Es ist superleicht, was Gutes zu tun, dann ziehen die Leute mit.“ 

„Wir haben hier schöne Sachen, es weiß nur nicht jeder“ 

Der Gerber Park mag Ort des Geschehens und Aufhänger für die Aktion sein, eigentlich aber geht es der Hilchenbacherin um ganz Hilchenbach. Sie lebt ausgesprochen gern hier, ihr Mann ist hier geboren und aufgewachsen, und es ist ihr wichtig, vor Ort einzukaufen und dass man sich kennt. Mit dem Indoor-Spielplatz möchte Antje Krämer einen Ort schaffen, an dem die Hilchenbacher im Gespräch mit anderen Hilchenbachern ihr Bewusstsein (nochmal) schärfen, was die Stadt zu bieten hat. Denn sie ist überzeugt: „Wir haben hier schöne Sachen, es weiß nur nicht jeder.“ 

Eben deswegen sollen alle an einen Tisch, die Bürgerinnen und Bürger und die Gewerbetreibenden, die die Aktion als Plattform für sich nutzen können, indem sie mithelfen: der Metzger zum Beispiel stellt Tische und Bänke, der Tabakladen bringt jeden Tag die Zeitung, und falls mal einer der kleinen Gäste einen Bauz tut, hat die Apotheke für Pflaster gesorgt. Manche helfen auch mit Geld, von dem zum Beispiel der für die Besucher kostenlose Kuchen gekauft wird, wenn mal kein selbstgebackener zur Verfügung steht. Was an Barem übrig bleibt, das geht später an die Kindergärten. 

„Das gesellige Beisammensein fehlt“, findet Antje Krämer. Früher hätten die Rentner sich gern auf einen Plausch im Gebäude aufgehalten – vorbei die Zeit. Nun möchte sie hier während des August auch Bewohner des Hauses Abenfrieden mit dem Kindergarten zusammenbringen. Antje Krämer will niemandem an den Karren fahren. Das mit der neuen Drogerie zum Beispiel sei eine gute Sache, unterstreicht sie. Aber dass der Aldi weg ist, das durfte sich die Stadt von ihr durchaus vorwerfen lassen. Sie ist überzeugt: „Wenn jahrelang nichts Politisches passiert, muss man es anders versuchen.“ 

Die Raubritter machen den Anfang 

Aus dem Rathaus kommt Unterstützung: Die Turnmatten von der Florenburg-Grundschule vermittelte der Wirtschaftsförderer, dass der Veranstaltungsvertrag zwischen der „Spielzeugkiste“ und Cinthia zustande kam auch. Der Versicherungsschutz ist ebenfalls gewährleistet. 

Am 1. August öffnet der Indoorspielplatz („Mit Pony zum Draufsitzen und Kaufladen und Küche“) von 9.30 bis 12.30 Uhr erstmals die Türen. Um 15 Uhr kommen die Hilchenbacher Raubritter vorbei und haben Kostüme für die Kinder im Gepäck, zu denen sich Kinderschminken und Glitzertattoos (beides ab 16 Uhr) gut machen. Ab dann gibt es täglich Programm, das Antje Krämer wochenweise auf der Facebook-Seite „Offenes Forum Hilchenbach Kontrovers“ veröffentlicht. 

Der Tierschutzverein stellt sich vor, es wird Kinderyoga und Filzen geben, Kinderbasteln und eine Lesung mit Annemarie Kring. Manche Angebote werden eine Kleinigkeit kosten, „aber das meiste ist kostenfrei“, versichert Antje Krämer. Eines wird das Angebot mit Sicherheit nicht: ein Parkplatz für Kinder. Dass jetzt schon so viele mitziehen, begeistert Antje Krämer und macht ihr Mut: „Es lohnt sich, was zu tun. Es ist noch nicht verloren!“

Interesse?

Wer mitmachen möchte, kann sich unter Tel. 0173 / 8779692 oder per Mail an antjekaiser77@web.de wenden

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