Am 15. November ist Schluss 

Bäckerei Höfer verabschiedet sich nach 159 Jahren aus Müsen 

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Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken Anneliese und Thomas Höfer dem 15. November und ihrer Geschäftsaufgabe entgegen.

Müsen  - Nach der Geschäftsaufgabe der Bäckerei Fischer in Kredenbach Ende des vergangenen Jahres, schließt zum 15. November 2019 noch ein alteingesessener Bäcker im nördlichen Siegerland.

In den 60er- und 70er-Jahren gab es in Müsen fünf Bäckereien. Aktuell ist es nur noch eine. Die Bäckerei Höfer an der Hauptstraße 92 wird in der fünften Generation von Bäckermeister Thomas Höfer geführt. Das aber nur noch bis Freitag, 15. November. An diesem Tag können die Kunden ein letztes Mal Brötchen, Brot und andere Backwaren einkaufen. Denn Thomas Höfer schließt nach reiflicher Überlegung sein Unternehmen. 

Keinen Nachfolger gefunden

Zum einen aus gesundheitlichen Gründen. Mit der wichtigste Grund aber ist, dass der Bäckermeister keinen Nachfolger gefunden hat. 1996 hat er das Unternehmen von seinem Vater Ludwig Höfer übernommen. In der Backstube selbst steht er schon seit einigen Jahren nicht mehr. Volker Stichel, Wiebke Hänkel und Mai Mai Liang übernehmen jede Nacht die Arbeit dort. „Schon vor zwölf Jahren waren wir auf der Suche nach einem Bäcker. Und schon da war es sehr schwer, überhaupt Mitarbeiter im Bäckereihandwerk zu finden“, erinnert sich Thomas Höfer. 

Auf eine Stellenanzeige bewarb sich daraufhin seine jetzige Mitarbeiterin Mai Mai Liang. „Die aus China stammende Frau kam zum Vorstellungsgespräch, stand mit mir in der Backstube und schaute mir bei der Arbeit zu. Irgendwann sagte sie. ,Du Chef?’ Denn der Chef habe immer einen dicken Bauch, wie in China“, erzählt Thomas Höfer lachend, als er an diese Situation zurückdenkt. „Klar habe ich da im ersten Moment schlucken müssen und habe überlegt, nimmst du diese Person in deine Firma auf? Aber sie war so interessiert und konnte gut arbeiten. Da haben wir uns für eine Zusammenarbeit entschieden. Ein guter Schritt“, so Höfer. 

Das ist nur eine von mehreren Anekdoten, die ihm auf die Frage einfallen, welche schönen und lustigen Erinnerung er mit dem Unternehmen verbindet. „In  Spitzenzeiten hatten wir acht Filialen. In den letzten fünf Jahren haben wir aber immer mehr Geschäftsstellen abgebaut. Wir wussten ja schon länger, dass wir unseren Betrieb aufgeben wollen“, so Höfer, der zusammen mit seiner Mutter Anneliese Höfer kürzlich zu einem Gespräch mit dem Kurier in der alten Küche zusammensaß. 

Kein Urlaub seit 1996

Direkt nebenan bedient Martina Hoffmann die Kundschaft. Zusammen mit Bärbel Haschke, Hannelore Dömer, Irene Rennig und Martina Weißgerber bildet sie das Team der guten Seelen hinter der Ladentheke. Elvira Giesler ist schon seit 40 Jahren mit dabei. Sie alle haben das Vertrauen in den vielen Jahren aufgebaut. „Denn wer beim heimischen Bäcker einkaufen geht, möchte nicht nur gute Backwaren kaufen, sondern dem gefällt auch der persönliche Service. Man kennt sich einfach, und das genießt die Kundschaft“, sagt Thomas Höfer. 

Er ist nicht der Vielredner, das überlässt er seiner Mutter und den Angestellten. Bis vor einigen Jahren stand auch seine Mutter noch selbst hinter der Ladentheke, hilft aber heute gelegentlich nur noch aus, wenn Not am Mann ist. Auch bei ihr sind durch die Gesundheit Grenzen gesetzt. 

Thomas Höfer beschwert sich nicht. Auch wenn man ihm anmerkt, wie schwer ihm das Laufen fällt. Es sind die Beine, die Gelenke, die Knie, die ihm Probleme bereiten. Zeit für Krankenhausbesuche und zum Auskurieren und Erholen hatte er bisher nicht. Der Chef muss selbst ran, wenn – wie überall im Handwerk – Fachpersonal fehlt. Zum Vergleich: „In Spitzenzeiten hatten wir bis zu 37 Mitarbeiter.“ Seit er die Bäckerei übernommen hat, hat sich Thomas Höfer keinen Urlaub mehr gegönnt. Das möchte er ändern. Und hat auch schon weitere Pläne für die Zukunft. 

Die neue Honda Chopper steht schon in der Garage 

Wenn er wieder ganz gesund ist, möchte er reisen. „Mit dem Motorrad viele Städte sehen. Die Honda Chopper habe ich mir vor 14 Tagen schon gekauft. Die steht in der Garage“, so Thomas Höfer. Mit einem Freund möchte er viele Touren fahren. „Kanada ist unser Traum“, so Höfer. Darauf freut er sich besonders. Aber auch über die neu gewonnene Zeit, die er ab dem kommenden Dienstag haben wird. Viele seiner Mitarbeiter haben bei anderen Bäckereien einen neuen Arbeitsplatz gefunden. „Ich möchte mich natürlich sehr bei unseren Kunden und meinen Mitarbeitern bedanken. Denn ohne all diese guten und freundlichen Menschen wären wir gar nicht so lange so erfolgreich gewesen“, so Thomas Höfer. 

Ein großes Dankeschön an die Kunden

Am 15. November wird es ab 15 Uhr es eine offizielle Abschiedsfeier geben. Mit dem Musikverein Müsen und sicherlich vielen Gästen, die neben dem Schwarzbrot, den Laugenecken und anderen  Köstlichkeiten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermissen werden. Dann ist die Bäckerei, die 1860 von Ludwig Schneider aus Bad Berleburg gegründet wurde und neben dem Dorfbrand im Jahre 1893 noch vieles mehr erlebt hat, Geschichte. Die Bäckerei, in der viele Menschen einen Arbeitsplatz gefunden haben und unzählige Kunden tagtäglich ein und aus gegangen sind.

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