Bund ist mit 89.000 Euro mit im Boot 

Band Cool Kids der Carl-Kraemer-Realschule Hilchenbach macht mit beim Band-Coaching-Projekt von Gospelhouse 

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Die Cool Kids der Carl-Kraemer-Realschule Hilchenbach: Saad, Lilith, Julie, Amalia, Michelle und Lucas (v.l.) – eine von derzeit sieben Bands des Band-Coaching-Projekts.

Hilchenbach - Man hört es schon vor der Schultür: Da oben geht es zur Sache. „... I wish that I could be like the cool kids / ‘cause all the cool kids they seem to fit in ...“ klingt es zusammen mit Schlagzeug- und Keyboardklängen durch das geöffnete Fenster. Und auch wenn der Song von Echosmith über die „Cool Kids“, die angeblich überall reinpassen, ironisch angehaucht ist – unbestritten ist ja wohl, dass die Coolen in der Schule immer die in der Band sind.

Die sieben in Raum 115 sind auf dem Weg dorthin. Eigentlich acht – Jan am Klavier fehlt heute – proben sie an diesem Tag zum ersten Mal nach den Weihnachtsferien. Und es könnte wirklich schlechtere Voraussetzungen geben auf dem Weg zum Ruhm für die Band der Carl-Kraemer-Realschule. Denn bei dieser besonderen Probe haben sie nicht nur Zuschauer, es gibt auch die restlichen neuen Instrumente beziehungsweise Ausrüstungsgegenstände: E-Gitarre, Bassverstärker und den Teppich für unters Schlagzeug. Zu verdanken haben sie das dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Und das kommt wie? 

Zwischen Lilith am Bass, Julie, Amalia und Lenya an den Mikrofonen, gesanglich unterstützt von Keyboarderin Michelle, Lucas an der Gitarre und Schlagzeuger Saad steht Christof Mann und haut ebenfalls in die Tasten. Der ist hier nicht nur Bandleader und Musiklehrer, sondern auch 1. Vorsitzender von Gospelhouse Siegen. Mit dem Projekt „Band-Coaching“ steigt Gospelhouse aktiv in die Nachwuchsförderung von Pop und Gospel ein. 

Musiker aus den Klassen 5 bis 7

Zehn Bands im Siegerland kommen auf diese Weise nicht nur in den Genuss von Instrumenten und Equipment, sie erhalten auch einmal monatlich Extra-Unterricht von einem Vertreter der privaten Musikschule Eigenart Music. Leon Böhmer ist dort Dozent für Schlagzeug und Cajon und schaut sich gerade ebenfalls sehr genau an, was die jungen Musikerinnen und Musiker aus den Klassen 5 bis 7 so treiben. Ein solches Rundum-Sorglos-Paket kostet – und hier kommt das Ministerium von Julia Klöckner ins Spiel, das unter anderem Projekte für die ländliche Entwicklung fördert. Auf dem Land ist man hier, die Talente entwickeln sich – passt also.

Mit rund 89.000 Euro auf drei Jahre verteilt schiebt der Bund die ganze Geschichte an. Von den zehn Bands, die es einmal geben soll, existieren im Moment sieben: Expect the King an der Gesamtschule Eiserfeld etwa. Die „Skyscrapers“ und „RescYouDawn“. Entweder Schulbands oder Bands, die zum Gemeindezentrum Rödgen des CVJM gehören. Drei Plätze können in diesem Projekt noch belegt werden und müssen gar nicht zwangsläufig an eine Schule angedockt sein, erklärt Christof Mann. Auch eine Feuerwehr käme beispielsweise in Frage. Er ist der Meinung, dass eine solche Nachwuchsförderung eigentlich Sache des Kirchenkreises sei, „aber auf dem Gebiet passiert wenig“. 

Ev. Gemeinde übernimmt Patenschaft

Daher soll das Band-Coaching eine Art Grundstein legen – und hier betritt die Ev. Kirchengemeinde Hilchenbach die Bühne, für die Dieter Viehöfer vor Ort ist. „Wir finden schon, dass wir uns damit ein bisschen neu ausrichten“, sagt er, wenngleich Popmusik in der Kirche keine neue Erfindung sei. Die Gemeinde übernimmt die Patenschaft für die Hilchenbacher Band, die zu möglichst vielen Gelegenheiten dort auftreten soll. Konfessionell gebunden sei das nicht, betont Viehöfer. Und im umgebauten Gemeindehaus ergäben sich ab Ende des Jahres sicher auch nochmals neue Möglichkeiten für die Nachwuchs-Musiker. 

Denn letztlich sollen die Bands irgendwann raus aus dem Proberaum, hinein ins Rampenlicht. Dafür gibt es sogar schon einen Anhänger unter anderem mit Beleuchtungs- und Beschallungsanlage. Einmal jährlich sollen alle Projekt-Bands zusammenkommen, sich kennen lernen und gegenseitig etwas vorspielen. Schulleiter Joachim Steinebach möchte den Jugendlichen so auch Erlebnisse verschaffen, „die sie sonst nicht bekommen würden. Das ist unser Ziel“. 

Die Band trifft sich seit August einmal wöchentlich nach dem regulären Unterricht. Steinebach: „Im Nachmittagsbereich bin ich um jeden froh, der seinen Hobbies frönen kann.“ Mathe und Deutsch und Englisch gebe es vormittags schon genug. Die Zugangshürden sind nicht unüberwindlich: „Schön ist es, wenn jemand ein Instrument beherrscht und Interesse da ist“, sagt Steinebach, und Christof Mann betont: „Können ist keine Voraussetzung. Das Zusammenspiel ist viel schwieriger.“ Bleibt zu klären, wie die Band der Carl-Kraemer-Realschule derzeit noch heißt. Die Antwort liegt auf der Hand. Es sind natürlich die „Cool Kids“.

Informationen zum Band-Coaching-Projekt unter www.gospelhouse-siegen.de

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