Nach 160 Jahren eigenständiger Verwaltung

Fusion der Sparkassen Hilchenbach und Siegen für Mai 2018 beschlossen

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Hilchenbach. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beschloss der Rat der Stadt Hilchenbach in seiner Sitzung am Mittwoch das Ende der Eigenständigkeit der Stadtsparkasse durch eine Fusion mit der Sparkasse Siegen.

Es soll keinerlei Einbußen für Mitarbeiter und Kunden geben. Trotz des einstimmig gefassten Beschlusses zur geplanten Übernahme der Stadtsparkasse Hilchenbach durch die Sparkasse Siegen war die Stimmung im Rat gedrückt. Eine historische Entscheidung wurde den Ratsmitgliedern abverlangt, die ihnen sichtlich schwerfiel. 

Nach über 160 Jahren eigenständiger Verwaltung, wurde nun das Ende der Stadtsparkasse zum 1. Mai 2018 besiegelt. Die Fraktionen sprachen sich fast einvernehmlich für den Zusammenschluss aus, kamen jedoch nicht umhin, diesen weiteren Verlust kommunaler Eigenständigkeit zu betrauern. 

Bürgermeister Holger Menzel beschrieb die zukünftigen Herausforderungen der kleinen Stadtsparkasse als gefährdend für ihre Existenz. Die sinkende Rentabilität bei steigenden Anforderungen und erhöhtem Kundendruck, sowie sinkende Margen und nicht zuletzt die Digitalisierung führten langfristig zu Defiziten. Obwohl die Stadtsparkasse noch nicht akut bedroht sei und die mittelfristige Planung erfülle, sei die Ertragskraft relativ schwach. 

So mahnte Menzel, dass die Stadtsparkasse als „noch attraktive Braut“ ein Bündnis mit einem stärkeren Partner eingehen solle. Die Sondierungsgespräche verliefen laut Menzel kontrovers, aus ihnen resultierte die Entscheidung für die Sparkasse Siegen als bester Kandidat für den Zusammenschluss. Der neue Partner garantiert, dass keine betriebsbedingten Kündigungen oder Gehaltskürzungen ausgesprochen würden. 

Alleine der Vorstand ist von strukturellen Veränderungen dahingehend betroffen. Außerdem werden sämtliche Filialen und Servicepunkte der Stadtsparkasse für mindestens die nächsten 10 Jahre gesichert sein, versprechen Konzern, Politik und Verwaltung. Die Stadtsparkasse selbst wird nicht abgegeben, sondern in ein „großes Ganzes“ als gleichberechtigte Partnerin eingebracht. Die steigende Leistungsfähigkeit durch die Fusion mit einem Bilanzvolumen von rund 3,8 Milliarden Euro würde die gesamte Region wirtschaftlich positiv beeinflussen. 

Trotz des fairen Übernahmeangebots teilte Helmut Kaufmann Fraktionsvorsitzender der SPD die Begeisterung des Bürgermeisters nicht. Er verwies darauf, dass die Notwendigkeit für die Übernahme auch durch verschiedene globale geldpolitische Faktoren herbeigeführt wurde. Die Zinspolitik der EZB führe langfristig dazu, dass die kleineren Banken keine Gewinne mehr generieren könnten. Die Finanzkrise von 2010 wirke sich bis heute aus, durch strengere Auflagen und Gesetze, deren kostspielige Umsetzung eine starke Belastung für die Geldinstitute darstellen. 

Die Mitarbeiter stünden unter erhöhtem Druck, den Regelungen gerecht zu werden. Somit sei die Entscheidung zur Fusion nachvollziehbar und richtig, aber eben auch ein Verlust kommunaler Selbstverwaltung. Eine ähnliche Bilanz zog die CDU-Fraktion, deren Vorsitzender André Jung hervorhob, dass die Stadt Hilchenbach ihrer Stadtsparkasse viel zu verdanken habe. Das Engagement und die Spendentätigkeit haben das Stadtbild mitgeprägt. 

Helmut Kaufmann erinnerte daran, dass die Stadtsparkasse dem ein oder anderen ortsansässigen Unternehmen in schwierigen Zeiten „über den Berg“ geholfen habe. Aber auch ganz persönliche Erfahrungen der Bürger mit ihrer Stadtsparkasse, die Eröffnung des ersten eigenen Kontos, oder der Kredit für das erste eigene Auto, verbinden die Menschen mit dem Bankinstitut auf einer ganz bestimmten Vertrauensbasis, so Jung. 

Dieses Vertrauen hätten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen und getragen, ihnen gebührte von Seiten aller Fraktionen Dank. Ebenso galt der Dank dem Vorstand, der sich trotz des eigenen Stellungsverlustes nicht gegen die Übernahme gesperrt habe, und zwar im Sinne der Mitarbeiter.

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