Freie christliche Schule Siegen macht den Anfang 

„Europa in Westfalen“: Klasse 7a entdeckt den außerschulischen Lernort Ginsburg

Vor der Burg nahm die Exkursion ihren Anfang. Für die Schüler der FCS ist das Areal bereits vertrautes Terrain. 

Grund. Keine Ritter in glänzender Rüstung, dafür aber einen festen Platz in der europäischen Geschichte: Die Klasse 7a der Freien christlichen Schule Siegen (FCS) in Kaan-Marienborn wandelte am Montag (5. November) auf der Ginsburg auf den Spuren Wilhelms I. von Oranien-Nassau an einem Ort des Geschehens: Was da heute als beliebtes Wanderziel so friedlich in den Wäldern liegt, war schließlich einmal Schauplatz eines folgenreichen – und hochgeheimen! – Treffens.

Die 24 Schülerinnen und Schüler mit Lehrer Peter Lutz gaben auf der Ginsburg den Startschuss zum Schulprojekt „Europa in Westfalen“, in dem die Anlage in den Kontext europäischer Geschichte eingeordnet wird. Vor 450 Jahren trafen Wilhelm von Oranien und seine Mitstreiter sich hier zu jenen Geheimverhandlungen, die später zur Unabhängigkeit der Niederlande führten. Außerdem feiert der gelbe Bergfried in restaurierter Gestalt in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Beides nahm der Verein zur Erhaltung der Ginsburg in diesem Jahr zum Anlass für einen Veranstaltungsreigen, zu dem auch dieses Schulprojekt gehört. In der neuen, 66-seitigen Broschüre „Wilhelm von Oranien und die Ginsburg“ ordnet Historiker Olaf Wagener die Ereignisse ein und beleuchtet die früheren archäologischen Arbeiten an der Anlage, das dazugehörige Arbeitsheft führt Schüler kompakt durch den „Stoff“. 

Alle Schulen im Kreis Siegen-Wittgenstein wurden vom Verein angeschrieben und mit diesem Material versorgt. Für die Siebtklässler der FCS ist das Gemäuer vertrautes Terrain: Sie kommen seit den Sommerferien jeden Freitag hierher (weitere Informationen siehe unten). Neben dem 1. Vorsitzenden des Vereins zur Erhaltung der Ginsburg Dieter Viehöfer und dem 2. Vorsitzenden Markus Völkel sind an diesem Montagmittag auch Anke Fuchs-Dreisbach (MdL), Dr. Oliver Karnau von der LWL-Denkmalpflege und Ulrich Nesecker vom LWL-Museumsamt dabei, als Olaf Wagener die Schüler vor der Burg in Empfang nimmt. Bevor es hineingeht, geht es erst einmal rundherum, schließlich gibt es auch draußen schon einiges zu klären – warum die Burg da steht wo sie steht zum Beispiel (weil es strategisch günstig war: mehrere Territorien stießen hier aneinander). 

Mal was anderes als immer nur Klassenzimmer: Hier erfahren die Schülerinnen und Schüler Interessantes über Wilhelm von Oranien. 

Wer von den Kindern sich nun aber Geschichten von glanzvollen Turnieren und Heldentaten erhofft hatte, wird enttäuscht: „Es gab nie den Ritter von der Ginsburg“, stellt Wagener klar. Die Burg war lediglich Verwaltungssitz, wurde deshalb nie zu einer ganz großen Anlage ausgebaut. Und vor 350 Jahren etwa habe man sich gedacht, dass es doch bequemer sei, die Geschäfte von Hilchenbach direkt aus zu führen und zog in die Wilhelmsburg um. „Die große Stunde der Ginsburg“ schlug mit jenem Treffen vor 450 Jahren, erfahren die Schüler, inzwischen im Bergfried angelangt. Hier verhandelte Wilhelm I. mit seinen Brüdern und weiteren Offizieren im Geheimen die Befreiung de von der spanischen Besatzungsmacht. 

Olaf Wagener spannt den Bogen in die Gegenwart, erinnert an Wilhelms Bemühungen um Toleranz im Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten. „Fußballspiele mit holländischer Beteiligung gäbe es ohne Wilhelm und die Verhandlungen auf der Ginsburg nicht!“ Noch heute ist die Burg beliebtes Ausflugsziel für Niederländer, noch heute führt nicht allein Hilchenbach mit der Farbe Orange die Erinnerung an den Oranier in ihrem Wappen. Markus Völkel freute sich über das Interesse der Schüler: „Junge Menschen wie ihr haltet die Ginsburg am Leben.“ Sein Verein möchte nun möglichst viele Schulen an diesem Projekt teilhaben lassen; in einer eigenen Informationsveranstaltung ließen sich Lehrkräfte anschließend über das Projekt informieren.

(Nicht nur) büffeln an der Burg – auch im Winter

  • Die Freie christliche Schule Siegen  (FCS) in Kaan-Marienborn nutzt seit anderthalb Jahren das Areal der Ginsburg und das Grüne Klassenzimmer im Bergfried als Unterrichtsort und wird das auch den Winter über durchziehen. Dafür gibt es in der Dachkammer des Wirtschaftsgebäudes einen kleinen Ofen, den Lehrer Lutz vor Unterrichtsbeginn anheizt. 
  • Die Kinder, von denen ein paar integrativ beschult werden, fahren jeden Freitag um 8 Uhr mit dem Zug, werfen schon unterwegs einen – mehr oder weniger gründlichen – ersten Blick in die Bücher. Dann geht's in einer knappen Viertelstunde zur Fuß durch den Wald zur Burg.
  • Hier stehen u.a. Deutsch, Bio und Geschichte auf dem Stundenplan oder auch Leseübungen. Außerdem: klettern, abseilen im Burggraben, wandern oder versteckspielen. Peter Lutz: „Sie müssen auch einfach mal Kind sein dürfen.“ 
  • Die beiden 7. Klassen teilen sich das Projekt: jede darf ein halbes Jahr nach draußen. 
  • Möglich wird das Ganze dank „zweier Outdoorfreaks“ (O-Ton Peter Lutz) sowie weiteren Kolleginnen und Kollegen, viel Unterstützung seitens der Eltern und der „total netten Leute“ auf der Ginsburg. 
  • „Die Kinder sollen mitbekommen, was es für eine Natur gibt im Siegerland“, so Lutz, zudem mache es ihnen einfach Spaß. Mittags um 13 Uhr geht es zurück nach Siegen, danach ist Feierabend. 
  • Der Traum: einmal Zelten an der Burg.

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