Fest zum offiziellen Willkommen am 8. September

Littfelder Glocken läuten in Hilchenbach

Die am 27. Januar aus dem Turm genommenen Glocken stehen auf einer Palette vor dem Altar in der Littfelder Heilig-Geist-Kirche.

Hilchenbach. Auch im nördlichen Siegerland haben Glocken eine lange Tradition. In der Keppeler Stiftskirche läutet heute noch die „Freuden“-Glocke aus dem 13. Jahrhundert, ähnlich alt ist die „Katharinen“-Glocke im Turm der evangelischen Kirche in Krombach. Wesentlich jünger sind die Glocken der beiden Kirchen in der Kernstadt von Hilchenbach.

In der evangelisch-reformierten Kirche erklingt sehr mächtig ein 1917 gegossenes Stahlglockengeläut mit drei Klangkörpern in den Tonarten cis‘–e‘–fis‘. Im Turm der St.-Vitus-Kirche, In der Herrenwiese, sah und sieht es etwas bescheidener aus. Eine Bronzeglocke aus dem Jahr 1969 gibt dort in h‘ den Ton an. Dazu gehörte bisher eine Hartgussstahlglocke in d‘‘, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf Vorrat oder für eine andere Kirche gegossen worden und vor 60 Jahren in den 1957 erbauten Turm der Vitus-Kirche gekommen war. Über diese Stahlglocke wusste der diözesane Glockensachverständige Theo Halekotte aus Werl nichts Gutes zu schreiben. 

Die Littfelder Glocke GLORIA PATRI am 18. August im Turm der St.-Vitus-Kirche in Hilchenbach.

In einem Gutachten an den Kirchenvorstand vom November 2015 bemerkt er, dass sie „keinerlei Volumen beim Läuten“ habe, vielmehr ihr Klang „stumpf, abgehackt und glanzlos“ sei. In Fett-Druck fügte er noch hinzu: „Mir ist – bisher – im Siegerland keine derartig schlechte Glocke bekannt geworden!“. 

Seit Mitte Juli hat sich jedoch einiges verändert. Das missglückte Instrument wurde aus dem Fach gehängt und die Bronzeglocke von 1969 erfreut sich über die Gesellschaft von vier altersgleichen kleineren Glocken, die ebenfalls aus Bronze sind und zudem aus derselben Gießerei stammen. Die vier hinzugekommenen Glocken in den Tonarten d‘‘-fis‘‘-a‘‘-h‘‘ hingen bis Anfang diesen Jahres im Turm der Heilig-Geist-Kirche in Littfeld, die vor mehr als fünf Jahren für die gottesdienstliche Nutzung aufgegeben worden war und im Februar 2017 abgerissen wurde. 

Wenn auch die Kirche nicht mehr besteht, manches aus ihr „lebt“ an anderen Orten weiter: Die Bänke befinden sich in Zabrze Helenka (Polen), die Marienfigur, das Kreuz und die Kreuzwegstationen zieren heute die St.-Laurentius-Kirche in Marsberg-Meerhof, der Altar steht hinter der Kirche in Krombach und die Glocken klingen im Turm von St. Vitus in Hilchenbach. Die vier Bronzeglocken waren 1968 eigens für die neuerbaute Heilig-Geist-Kirche gegossen worden. Theo Halekotte hatte jüngst bescheinigt, dass es sich „um ein sehr qualitätsvolles Geläute“ handeln, das nicht nur zur vorhandenen Glocke in St. Vitus, sondern auch zu den Glocken der evangelischen Kirche in Hilchenbach passen würde. 

Er kommt zu dem Ergebnis: „Das kombinierte Geläute aus Hilchenbach/Littfeld würde auch das 1917 gegossene Stahlgeläute der evangelischen Kirche als ‚Klangkrone‘ ergänzen, so dass beide Kirchen … ein großes ökumenisches Geläute bilden könnten“. In der katholischen Kirche ist es üblich, dass Glocken einen Namen tragen oder einem Heiligen geweiht sind. 

Die Littfelder Geschenke tragen die Inschriften: GLORIA PATRI (Glocke 1), ET FILIO (2), ET SPIRITUI SANCTO (3) und AVE MARIA (4). Die kleinste Glocke ist also der Gottesmutter geweiht, die anderen den Personen der göttlichen Dreifaltigkeit. Die in St. Vitus schon vorhandenen Glocke trägt die Inschrift + CHRISTUS IST UNSER FRIEDE. Dieses Wort aus dem Neuen Testament (Eph 2,14) verweist darauf, dass Jesus Christus Frieden stiftet, indem er Neues begründet und damit altes und trennendes hinter sich lässt. 

Das neue Geläute ist schon seit Juli in Betrieb. Am Freitag, 8. September, soll es aber noch einmal betont in Empfang genommen werden. Die Kirchengemeinde Keppel lädt um 18 Uhr zu einem Glockenfest nach St. Vitus ein. In einer Andacht wird Pfarrer Friedhelm Rüsche die einzelnen Glocken vorstellen. Anschließend findet noch ein Zusammensein vor der Kirche oder im Gemeindezentrum statt.

Glocken und ihre Bedeutung

Seit dem 8. Jahrhundert haben Glocken für die Christen des Abendlandes eine wichtige Bedeutung. Man vermutet, dass die irischen Wandermönche sie bei uns heimisch und ihnen mit der lautmalerischen Bezeichnung „cloch“ auch ihren Namen gegeben haben. Glocken rufen zum Gottesdienst, strukturieren den Tag in Gebetszeiten (Angelus-Läuten) und geben Hinweise aus dem Leben einer Gemeinde (z.B. die Totenglocke). In einem mittelterlichen Spruch zählt eine Glocke ihre Funktionen auf: Laudo deum verum – plebem voco – congrego clerum – defunctos ploro – pestem fugo – festa decoro (Ich lobe den wahren Gott, rufe das Volk, führe die Priester zusammen, beklage die Toten, verjage das Unglück und schmücke die Feste).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare