„Verunglücke Form der Kommunikation mit plumper Drohung“

Martinszug in Hilchenbach: Pferdeäpfel stanken dem Ordnungsamt 

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Die Hinterlassenschaften vom Pferd des heiligen Martin erregten jetzt den Unmut des Ordnungsamtes. 

Hilchenbach. Seit mindestens 15 Jahren, wenn nicht länger, findet in Hilchenbach der St. Martins-Umzug statt mit allem Drum und Dran: mit Bratwurst, Kinderpunsch und Lagerfeuer, mit Laterne-Liedern und Martinsspiel vorm Alloheim – und mit St. Martin hoch zu Ross. Besagtes Ross, genauer gesagt: dessen natürliche Hinterlassenschaften, erhitzten in Hilchenbach am Freitag (13. September)  so einige Gemüter.

Vor allem das von Tommy Aderhold, 1. Vorsitzender des Fördervereins der Florenburggrundschule, dessen Mitglieder für besagten Umzug mitverantwortlich sind, und das ehrenamtlich. Denn die Schule bekam eine E-Mail vom Ordnungsamt. Fast zwölf Monate nach dem letzten Martinszug beschied ein Behördenmitarbeiter darin kurz und knapp: „Im letzten Jahr hat das Pferd mehrere Haufen mit Pferdeäpfeln hinterlassen. Der Halter oder der Veranstalter muss die Verschmutzung beseitigen/einsammeln. Ansonsten erfolgt eine Rechnung vom Baubetriebshof über den Einsatz und die Reinigung.“ 

Fördervereinsvorsitzender fühlt sich „veräppelt“

Aderhold fühlte sich –  Zitat –  „veräppelt“ – und machte seinem Ärger in einem ausführlichen Facebook-Posting in einer Hilchenbacher Gruppe Luft. Vor allem missfiel dem Vorsitzenden das „Wie“: „Da frage ich mich doch im Ernst, ob da nicht ein freundlicher Anruf produktiver gewesen wäre, in dem man darauf hingewiesen hätte, das hier ein Problem vorliegt (...). Über den Inhalt und die Art der Kommunikation bin ich sehr überrascht und sogar erbost und verstehe die Vorgehensweise nicht.“ Man könne so etwas doch auf dem „kleinen Dienstweg“ regeln. „Stattdessen erfolgt eine verunglückte Form der Kommunikation mit plumper Drohung.“ 

Im Gespräch mit dem Kurier bekräftigte Aderhold: „Wir hätten uns um die Pferdeäpfel gekümmert, wenn wir das gewusst hätten!“ Für ihn ging es nicht zuletzt um die Frage, ob die Stadt überhaupt zukünftig eine solche Veranstaltung wünscht oder versuche, die wenigen Ehrenamtlichen noch zu vergraulen, die sich engagieren. 

Besagter Facebook-Post schlug Wellen. Die Stadtverwaltung im Allgemeinen, besagter Ordnungsamtsmitarbeiter im Besonderen kamen nicht im mindesten gut weg bei vielen Usern. Inzwischen haben die Administratoren ihn gelöscht, denn „die Grenze zum Angriff auf die Person ist schwer zu ziehen“. 

Zwischenzeitlich hatte sich Sven Wengenroth, Fraktionsvorsitzender der Linken im Rat, auf Bitten von Tommy Aderhold der Geschichte angenommen und sich in einer Mail an Bürgermeister Menzel gewandt. „Da die Ordnungsbehörde nur im Auftrag des Bürgermeisters handeln kann, und das hat sie laut der Email getan, gehe ich davon aus, dass Sie informiert sind.“ 

Beigeordneter: „Man hätte das auch anders formulieren können“

Unter anderem wirft der Stadtverordnete die Frage auf, warum die Behörde sich erst fast ein Jahr nach dem letzten Martinszug an die Schule wendet. Laut Beigeordnetem Udo Hoffmann kann man das Pferd auch von der anderen Seite aufzäumen: Demnach sei die Mail nicht nach dem letzten, sondern vor dem nächsten Martinszug versandt worden. Es habe sich dabei allerdings nicht um eine offizielle Verfügung gehandelt. Gleichwohl, so Hoffmann, in dessen Bereich auch das Ressort Ordnung bei der Stadt fällt, sei der betreffende Mitarbeiter mit seinem Schreiben tatsächlich über das Ziel hinausgeschossen. Man habe ihn darauf hingewiesen, dass besagte Mail „deplatziert“ gewesen sei. Hoffmann: „Man hätte das anders formulieren können.“ 

Das Wichtigste aber: Weder Schule noch Förderverein werden künftig dafür aufkommen müssen, sollte tatsächlich der Baubetriebshof ausrücken, um zu beseitigen, was das Pferd des Heiligen Martin unterwegs so verliert. Das habe man der Schule auch mitgeteilt, erklärte Hoffmann, der versicherte: „Wenn solche Dinge auftreten, kann man auch mit Herrn Menzel und mir persönlich sprechen.“  Tommy Aderhold  wiederum signalisierte schon, dass der Verein durchaus auch selbst zur Schippe greifen würde, wenn man nur vernünftig miteinander ins Gespräch käme.

Der Hilchenbacher Martinszug findet am 15. November statt, vermutlich auch diesmal nicht ohne Pferdeäpfel im Nachgang. Warum die nun seit mindestens 15 Jahren zum ersten Mal ordnungsbehördlichen Unmut erregten, diese Frage konnte auch Udo Hoffmann nicht beantworten.

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