Kneipe „wie früher“ funktioniert nicht mehr 

Oben Wein, unten Erinnerung: „Im Lohkasten“ mit neuem Konzept auf zwei Ebenen

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Die grüne Schrift ist schon Geschichte, jedenfalls direkt überm Eingang. 

Hilchenbach – Im sozialen Netzwerk macht es schon die Runde: Im Lohkasten tut sich was. Am Samstag, 14. Dezember, wird in der Gerbergasse „angezapft“. Die Lagano gGmbH, eine ISAF-Tochter, hat das Gebäude gepachtet.

Im Obergeschoss möchte sie eine Kombination aus Weinbar und Hof-/Weinladen etablieren, die auch mietbar sein soll. Die Kneipe im Untergeschoss wird von der gemeinnützigen Gesellschaft ausschließlich untervermietet.

Hier sollen Events stattfinden – Ziel ist ein monatlicher Turnus –, zeitlich eng angelehnt an Herbstmarkt, Weihnachtsmarkt oder die Nachtwächterführungen – was in Hilchenbach eben so stattfindet. Zum anderen sind die Räume für Feiern buchbar. An dieser Stelle kommt die eigens gegründete SKR Event GbR ins Spiel. Dahinter stehen Christian Schipplock, die Hilchenbacher Brüder Louis und Philipp Knebel und Alexander Reichenau.

Unter der Maxime „gut für Hilchenbach“ sollen zum einen alle angesprochen werden, die den Lohkasten in den 80er, 90er- und 2000er- Jahren unter Axel Brinkmann und später Fritz Schmitt zum zweiten Wohnzimmer erkoren, zum anderen jene, die nach den verschiedenen Hilchenbacher Veranstaltungen noch irgendwo einkehren möchten.

Den etablierten Gastronomen werden die „Neuen“ dabei nicht in die Quere kommen, im Gegenteil, versichert Alexander Reichenau: Bei sämtlichen Fragen im gastronomischen Bereich habe man Familie Schmitt als Immobilienbesitzer sowie erfahrene Gastwirte im Rücken. „Sie haben uns gesagt, was in Hilchenbach gebraucht wird.“ Zudem: Es gehe nicht darum, wieder eine Kneipe zu betreiben, so Reichenau, der zugleich Geschäftsführer der Lagano gGmbH ist.

„Das Problem ist ja, dass die Kneipe, wie es sie früher gab, ,auf dem Dorf’ nicht mehr funktioniert. Die Leute kommen in der Regel kaum noch für Unterhaltungen zusammen, viele Kontakte finden virtuell statt. Man geht für Kommunikation nicht mehr aus dem Haus. Wenn ein Wirt mit dem Ziel, davon leben zu können, an den Lohkasten als reine Schankwirtschaft geht, halte ich dieses Unterfangen von vornherein für gescheitert“.

Der sei früher eine gut besuchte Kneipe gewesen, „er hatte ein Gesicht“, erinnert sich Reichenau. Mit der Reaktivierung von Events wie zum Beispiel dem „Knochenlecken“ oder den Altweiber-Partys möchte man an diese Zeiten erinnern. Feste Öffnungszeiten wird es jedoch nicht mehr geben, weder im Ober- noch im Untergeschoss.

"Es geht nicht darum, wieder eine Kneipe zu betreiben"

Angefangen hat alles mit einem im Jahr 2017 begonnenen Wein-Projekt – da nämlich ging die Lagano gGmbH unter die Winzer. Von hier aus war der Gedanke an einen Hof- und Weinladen nicht mehr weit – er könne im Rahmen der Pflanzprojekte sinnvolle Beschäftigung bieten, so die Überlegung.

Auch wenn die Hilchenbacher selbst noch nicht so weit sind, ihre Erzeugnisse in Flaschen abfüllen zu können, so haben sie doch Kontakte zu ähnlichen Projekten geknüpft, wie beispielsweise dem Weingut des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich, das künftig Hauptlieferant der Hilchenbacher werden soll.

Als frühere Besucher des Lohkastens sei man ständig an der geschlossenen Wirtschaft vorbeigefahren, so Reichenau. Zunächst kam die Idee mit dem Weinladen beziehungsweise einer Weinbar im früheren Bistro auf. Mit Christian Schipplock war bald ein Mitinitiator gefunden.

Weil die Sanitäranlagen im alten Teil des Gebäudes angeschlossen sind, erschien eine Anmietung des gesamten Gebäudes sinnvoll. Die Wirtschaft jedoch sei für das Weinprojekt uninteressant. Beim gemeinsamen Sport turnten Schipplock, Reichenau und die Knebel-Brüder von Hölzchen auf Stöcken, bis ihnen die Idee mit den Events und dem gelegentlichen Betrieb „wie damals bei Steffi und Fritz“ kam, berichtet Reichenau. Nach Gesprächen mit Hilchenbacher Gastronomen, die das Quartett bestärkten, begann die Planung.

Lagano beschäftigt drei Azubis im Garten- und Landschaftsbau, die auch den Weinberg in Herzhausen anlegten, außerdem zwei junge Leute in den Bereichen Hauswirtschaft und Büro. Sie sind in das Projekt Weinladen auf die eine oder andere Weise eingebunden – erlernen zum Beispiel die Vermietung der Räumlichkeiten – werden jedoch nichts mit dem Event-Bereich im Untergeschoss zu tun haben. Bis voraussichtlich im Sommer eine volljährige Auszubildene für den Verkauf im Weinladen eingestellt wird, sollen die ab März fertigen Räume unter anderem für Infoabende zum Thema Wein genutzt werden.

Das Projekt und wer dahintersteht

Die Lagano gGmbH ist eine 100-prozentige Tochter des ISAF e.V. ISAF wiederum ist seit 2002 freier Träger im Bereich der Jugendhilfe und betreibt vier stationäre Wohngruppen für Kinder und Jugendliche sowie das ambulant betreute „Trainingswohnen“ für volljährige Jugendliche. Lagano als anerkannter Ausbildungsbetrieb schafft seit 2009 Arbeitsplätze für benachteiligte Jugendliche in den Bereichen Hauswirtschaft, Garten- und Landschaftsbau und Bürokommunikation sowie Verwaltung.

Eröffnung

Am 14. Dezember soll der Lohkasten „wie früher“ ab 19 Uhr öffnen. Im Bistro werden voraussichtlich schon nachmittags unter anderem Weine aus sozialen Projekten vorgestellt und Patenschaften für die eigenen Reben in Herzhausen angeboten. Informationen siehe Facebook/Im Lohkasten.

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