Carl-Kraemer-Stiftung weist auf schonende Alternativen hin

Wie Schlachtschweine humaner sterben könnten

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Hilchenbach. Die Carl-Kraemer-Stiftung setzt sich seit ihrer Gründung im Sinne ihres Namensgebers für tierschutzrechtliche Belange ein. Aktuell geht es ihr besonders um die Zustände bei der Betäubung von Schlachttieren.

Der Hilchenbacher Carl Kraemer hatte nach dem Ersten Weltkrieg an der Erstellung des Schlachtgesetzes und an der Regelung der Betäubung aller Schlachttiere großen Anteil. In diesem Sinne weist die Stiftung jetzt auf die Zustände bei der Betäubung der Schlachtschweine hin. 

Fast 40 Millionen Schweine werden in Deutschland jedes Jahr mittels Kohlendioxid betäubt, bevor sie geschlachtet werden. Dabei sollen die Tiere weder Schmerzen haben noch leiden. So ist es gesetzlich vorgeschrieben. Die ideale Vorstellung, dass die Tiere betäubt werden und nichts von der Betäubung sowie dem Sterbevorgang mitbekommen, ist von der Realität aber weit entfernt. In den Schlachthöfen sind zwar zwei gesetzlich vorgeschriebene Betäubungsmethoden, mit elektrischem Strom oder mit CO 2 -Gas, im Einsatz, aber beide sind für die Tiere keineswegs schmerz- und leidlos. 

Die meisten Schweine werden mit Kohlendioxid betäubt. Das ist schwerer als Luft. Die Tiere werden mit einem Aufzug gruppenweise in sogenannte CO 2 -Gruben gefahren, um später aus der Anlage geworfen, um bewusstlos am Hinterlauf mit einer Kette in das Schlachtband eingehängt zu werden. Die Betäubungswirkung des Gases tritt jedoch nicht sofort ein. Es dauert 10 bis 30 Sekunden, bis die Tiere bewusstlos sind. In dieser Zeit geraten die Schweine in Panik, recken ihre Köpfe in die Höhe, bäumen sich auf, schreien laut und versuchen dem Gas aus der Grube zu entkommen: Ein qualvolles Ersticken der Tiere. 

Die Stiftung macht darauf aufmerksam, dass es zahlreiche vielversprechende Alternativen gibt, die in der Forschungsphase sind und weniger belasten als die CO2-Betäubung. Als verhältnismäßig „tierschonend“ gelten heutzutage beispielsweise die Betäubungsgase Argon und Helium oder Stickstoff. Die Gase reizen die Schleimhäute nicht und sind geruchlos, so dass die Schweine in Versuchen bei Gaskontakt keine Abwehrreaktion zeigten. Im Hinblick auf die Verfügbarkeit und Kosten der Gase kann Stickstoff die zukünftige Alternative zur Betäubung von Schweinen darstellen, weil es reichlich vorhanden ist und nur geringe Kosten verursacht, schreibt die Stiftung. Die Wirksamkeit des Verfahrens bei der Betäubung von Schlachtschweinen wird zurzeit als Tierversuch im Friedrich-Löffler-Institut in Celle durchgeführt, um eine Genehmigung zu erhalten. „Das Fleisch ist besser, wenn das Schwein vor dem Schlachten keinen Stress verspürt“, sagt Dr. Wilhelm Pelger, Amtstierarzt und Kuratoriumsmitglied der Carl-Kraemer-Stiftung.

Die Stiftung verlieh bis 2013 den Tierschutzpreis für besonderes Engagement an Personen aus ganz Deutschland. Außerdem hat sie entsprechend ihrem Zweck etliche wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Tierschutz finanziell gefördert.  Diese Unternehmungen sind in den letzten Jahren in immer unregelmäßigeren Abständen passiert. Die Stiftung hat darauf hingewiesen, dass diese Aktivitäten Geld kosten und  regelmäßigen Einnahmen nur aus den Erträgen des angelegten Stiftungskapitals  generiert werden. 

„Dadurch, dass aktuell niedrige Zinsen am Markt sind, werden kaum noch Erträge an die Carl-Kraemer-Stiftung ausgeschüttet. Auch das Spendenaufkommen ist zurzeit sehr niedrig“, wird Kuratoriumsvorsitzende Annelie Homrighausen in der Pressemitteilung zitiert. Um weitere Aktivitäten fortzusetzen, müsste das Stiftungskapital angetastet werden. Diese Option sei laut Statut nicht möglich. Bis sich diese Situation durch Veränderungen auf dem Zinsmarkt und dem Spendeneinkommen ändert, hat die Stiftung in ihrer letzten Sitzung beschlossen, trotzdem aktiv zu bleiben, um auf Missstände im Tierschutz aufmerksam machen.  

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