Mit „Live-Hacking“ auf Instagram

Stift-Keppel-Schüler im „Smart Camp“: Wo lauern Gefahren im Netz?

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Was ganz entspannt aussieht, ist in Wahrheit Schule – nur eben mal anders: Im „Smart Camp“ lernen Gymnasiasten etwas über die Gefahren im Netz.

Allenbach. Trotz Handyverbot heimlich das Smartphone am Pausenhof benutzen – das kennt fast jeder Schüler. Dabei schreckt der unangenehme Gang ins Sekretariat, um sein konfisziertes Gerät wieder abzuholen, nur kurz ab.

Doch ist ein solches Verbot überhaupt noch zeitgemäß? Das Gymnasium Stift Keppel in Allenbach startet den Selbsttest. „Kommen wir in die Schülervertretung, setzen wir uns für die Abschaffung des Handyverbots ein“, versprach die Gruppe um Fabian Menn aus der Q1. 

Dass Menn, Schülersprecher des Gymnasiums, keine leeren Versprechungen machte, wurde schnell deutlich: Seit Beginn des neuen Schuljahres ist es den Schülern ab der sechsten Klasse erlaubt, ihr Gerät in den Pausen zu benutzen. Auflagen: Im Unterricht bleibt das Handy in der Schultasche, es gibt handyfreie Zonen und ein bewusster Umgang mit sozialen Netzwerken muss erlernt werden. 

Während Medien-Scouts aus höheren Jahrgangsstufen diesen Job übernehmen und jüngere Schüler für den Umgang in sozialen Netzwerken sensibilisieren, lernen die Oberstufenschüler durch das „Smart Camp“ die Gefahren des Internets kennen. Unter dem Motto „#Extrem im Netz – Gefahren erkennen und abwehren“ fand jetzt ein dreitägiges Camp am Gymnasium Stift Keppel statt. Das Camp ist ein Projekt der BG3000 und der Konrad-Adenauer-Stiftung und wird finanziell vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. 

In vier Praxisworkshops lernen die Schüler so, mit Extremismus und Propaganda im Internet umzugehen: „YouTube – Dein Video gegen Extremismus“, „Instagram – Gemeinsam Hass begegnen #nohate“, „Mobile Journalism –– Fake News und Hass im Netz begegnen“ und „Deine Message gegen Hass im Netz – Erstelle eine Social Media Kampagne“. „Wichtig für uns ist es, die Persönlichkeit der Jugendlichen zu stärken. Sie sollen die Orientierung behalten und nicht manipuliert werden“, berichtet Dr. Ludger Gruber von der Konrad-Adenauer Stiftung. Gerade das Prinzip der Produktplatzierung durch Influencer, also Personen auf Instagram und Co., die ihr Leben mit ihren Anhängern teilen und durch Werbung ihr Geld verdienen, sei für viele Schüler nicht eindeutig. 

„Wir haben außerdem ein „Live-Hacking“ auf Instagram durchgeführt. Viele waren geschockt, wie schnell man an vermeintlich private Informationen herankommt“, blickt Dr. Jochen Dietrich, Schulleiter des Gymnasiums, zurück. Das habe auch die Schüler geprägt. „Wir wussten, dass es leicht für Hacker ist, an unsere Daten zu kommen. Dass wir es ihnen womöglich noch erleichtern, war mir nicht bewusst. Ich habe hier definitiv gelernt, wie ich mich besser in sozialen Netzwerken schützen kann“, so eine Schülerin. Wichtig sei es, die Faszination um die Medien nicht zu unterdrücken, sondern bewusst mit den Schülern zu arbeiten, so Dietrich. „Das klappt bis jetzt sehr gut. Auch die vorherige Angst, die Schüler würden ihre Pause lediglich an ihren Geräten verbringen, hat sich nicht bestätigt. Es wird noch genauso Fußball gespielt und miteinander geredet wie früher“, freut sich der Schulleiter. 

Die Aufhebung des Handyverbots ist zurzeit nur in der Testphase. Im Februar nächsten Jahres tauschen Lehrer und Schüler ihre Erfahrungen aus und diskutieren über eine generelle Umsetzung. Eines ist allerdings schon jetzt klar: Fabian Menn wird in die Geschichte der Schülervertretung des Gymnasiums Stift Keppel eingehen.

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