Bildhauer Dominik Hundt fertigt in seiner Freizeit originalgetreue Fimo-Figuren

Miniatur-Brautpaare auf der Hochzeitstorte: Unikate  made in Hilchenbach 

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Ja-Sager-Selfie: Die Figurengruppen haben ihren Preis, allerdings steckt auch jede Menge (Detail-)Arbeit darin. 

Hilchenbach. Hineingebissen hat noch niemand. Aber man kann es trotzdem nicht oft genug sagen: Sie – sind – nicht – aus - Zucker. Doch einzigartig, das sind sie wohl, die Tortenfiguren aus der Werkstatt von Dominik Hundt. Und durchaus für die Ewigkeit gedacht.

Apropos Ewigkeit: Eigentlich ist der Hilchenbacher Bildhauer ein Fachmann für Grabsteine. Zu seinem zweiten Standbein kam der Mann mit den geschickten Händen er seinerzeit durch Zufall, wollte er doch als Krönung seiner eigenen Hochzeitstorte keine Null-acht-Fünfzehn-Figuren auf des Gebäckes Oberdeck. Daher beschloss Hundt, originalgetreue Abbilder seiner Ehefrau und sich selbst zu schaffen. Das war vor über zehn Jahren, und die Idee sprach sich herum. Dennoch: „Der Anfang war sehr mühsam“, erinnert er sich. Nach einem Artikel in einer Hochzeitszeitschrift 2008 aber nimmt die Geschichte Fahrt auf. „Dann kamen die Bestellungen“: aus Deutschland, aus der Schweiz, aus Österreich …

„Die Arbeit beginnt mit dem Kopf“

An seine ersten Versuche erinnert Hundt sich mit Schmunzeln: Augen zu weit auseinander, Köpfe zu groß, Beine zu dünn. Mit der zunehmenden Anzahl an Aufträgen aber wächst die Erfahrung. Ideenreichtum ist gefragt und viel, viel Geduld. Denn Hundt ist nicht nur Künstler, er ist auch Perfektionist, der 1200 Sterne per Hand auf ein Kleid malt und so lange Perlchen mit der Pinzette aufbringt, bis er wiederum Sterne sieht. Das alles abends, nach seiner eigentlichen Arbeit, im heimischen Keller. Die größte Herausforderung aber stellen die Gesichter der Brautleute dar. 

„Die Arbeit beginnt mit dem Kopf“, erklärt Hundt, „das ist das Schwierigste“. Allein dafür gehen ein bis zwei Abende ins Land. Alles steht und fällt mit einer vernünftigen Vorlage, also mit guten Fotos. Aus einer ofenhärtenden Modelliermasse, die Bastelfreunde unter der Bezeichnung Fimo kennen, entstehen nach und nach die Figuren. Ein Skelett aus Draht verhindert, dass die Kunstwerke im Ofen in sich zusammenstürzen wie misslungene Souflees.

Ein Drache von anderthalb Kilo 

Manche Brautleute möchten nur sich selbst, manche sich selbst mit Haustieren, dem Auto oder dem Motorrad abbilden lassen. „Die Klassiker laufen immer noch am besten“, so Hundt. Was nicht heißt, dass nicht auch schon ganz andere Anliegen an ihn herangetragen wurden, schließlich macht der Wunsch nach Individualität gerade vor der eigenen Hochzeit nicht Halt. 

World of Warcraft, Elfen, Büffel und Paraglider, für die eigens ein Gestell konstruiert werden musste – alles kein Problem. Eine von Hundts schwersten Herausforderungen, und das durchaus im wörtlichen Sinne, war ein Drache von anderthalb Kilo. Dass das Gebäck da nicht in die Knie geht, ist einer ebenso ausgeklügelten wie unsichtbaren Konstruktion im Inneren des Kuchens zu verdanken. Trotzdem rät der Fachmann: „Die Relation zwischen Torte und Figur muss stimmen. Sprechen Sie mit ihrem Konditor.“ 

„Es ist nichts von der Stange“

Er selbst holt sich wenn erforderlich Rat bei seiner Frau, die, wie es der Zufall will, Torten herstellt. „Mein Meisterstück war ein Chamäleon“, erinnert sich Hundt – das allerdings für den Brautstrauß bestimmt war. Mit Plusterstift, Schneepaste, viel Geduld und Akribie verpasst er seinen Figuren den letzten Schliff: „Es ist ja nichts von der Stange.“ Hundt deutet auf die Figur vor ihm auf dem Tisch: „Das Kleid hier besteht innen zu großen Teilen aus Aluminiumfolie“.

Dominik Hundt mit einigen seiner Brautpaar-Miniaturen. 

Und manchmal auch selbst ausliefern du musst: So wollte sich ein Ehepaar als Stormtrooper verewigen lassen. Um dafür „in Flow“ zu kommen, berichtet Hundt lachend, habe er sich nochmals sämtliche Star-Wars-Filme angesehen. In seiner Detailverliebtheit lief ihm jedoch die Zeit davon, so dass die Figur nicht mehr verschickt werden konnte. Also fuhr der Bildhauer höchstselbst nach Darmstadt, um sie am Hochzeitstag auf die Torte zu setzen.

Konkurrenz vom 3D-Drucker

Ihr eigenes Abbild auf der Hochzeitstorte lassen sich Paare drei-, beinahe vierstellige Summe kosten. „Das Material ist nicht teuer“, so Hund. „Aber um 700 Euro zu generieren, brauche ich extrem lange, dabei geht viel Freizeit drauf“. Jeden Abend arbeite er von 8 bis 23 Uhr an einer Figur, und das zwei bis drei Wochen, bis alles perfekt ist - „das ist eine Menge Holz – oder eher Fimo“.

Rückblickend sagt der Bildhauer: „Ich war sehr innovativ. Richtige Konkurrenz gibt es im deutschsprachigen Raum nicht.“ Dass der ganz große Boom abgenommen hat, ist einem Wettbewerber ganz anderer Art geschuldet. „Die Leute haben angenommen, dass die Figuren aus dem 3D-Drucker kommen“, erinnert sich Hundt an verschiedene Hochzeitsmessen, auf denen er seine Arbeiten ausstellte. „Der tolle Effekt, dass man sich selbst als Miniatur sieht, ist weg.“ Jetzt sei der Markt überschwemmt, stellt der Bildhauer fest. „Aber ich bedauere das nicht.“

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