Niederländisch für Handwerker

„Dedermejer Makolwesjer“ bauen seit über 20 Jahren Wagen fürs Erntedankfest in Friesenhagen

+
Die „Dedermejer Makolwesjer“: Hier steht Teamgeist im Vordergrund, aber auch der Wunsch, etwas Einzigartiges zu schaffen.

Harbach/Friesenhagen – Ein stillgelegtes Sägewerk mitten in der Idylle Harbachs erwacht seit etwa zwei Wochen wieder zu neuem Leben: Abends brummt hier regelmäßig ein Generator, der Strom für die elektrischen Werkzeuge liefert. In der einen Ecke wird gesägt, in der nächsten gespachtelt, es wird geschliffen, gestrichen und auch beratschlagt: „Dann machen wir da einfach ein Gewinde dran und auf der anderen Seite eine Mutter – fertig!“

Nein, hier macht kein Unternehmen abendliche Überstunden: Die „Dedermejer Makolwesjer“ – 14 Erwachsene samt ihrer sieben Kinder – werkeln hier an ihrem Wagen für den Erntedank-Festzug in Friesenhagen am 22. September.

„Wir ernten dieses Jahr in Holland, weil es in Deutschland so trocken war“, erläutert Sandra Düber das Wagen-Thema. „Wir waren als Gruppe dieses Jahr zusammen im Urlaub in Holland – und bei einem Schnaps (was auch sonst) kamen wir dann auf diese Schnapsidee“, schmunzelt ihr Mann Andreas. Zwar ist der Wagen noch längst nicht fertig, aber ja, die grundlegenden Elemente sind deutlich erkennbar: Am einen Ende des Aufliegers thront ein majestätischer Leuchtturm. Die hellblauen Rigips-Platten sind noch zu sehen, der Anstrich fehlt, aber es wird. Allerdings ist man sich innerhalb der Gruppe noch nicht ganz einig über die Farbgestaltung: „Wir schwanken noch zwischen rot-weiß und rot-grau“, erklärt Sandra Düber.

Am anderen Ende steht ein Holzgerüst, das mal ein Marktstand werden will. „Die Planung für den Stand verändert sich aber momentan stündlich“, schmunzeln die Dübers. Durchaus normal, sagt Andreas Düber: „Mit dem Abriss haben wir Erfahrung.“ Generell lautet das Motto bei den „Dedermejer Makolwesjer“: Alles kann, nichts muss. „Wenn uns was nicht gefällt, dann reißen wir es einfach wieder ab und machen es neu.“ Und wie aufs Stichwort verkündet Tochter Anna: „Thomas findet, die Pfosten für den Zaun sehen aus wie Streichhölzer.“ Das finden die anderen bei genauerer Betrachtung irgendwie auch – also wieder runter mit den Dingern. Ein neuer Anstrich muss her. Abgerundet wird das Ganze in den kommenden Wochen noch mit einer Dünen-Landschaft aus Pappmasché.

Die „Makolwesjer“ sind bereits seit über 20 Jahren mit eigenen Wagen beim Erntedank-Zug dabei. „’98 haben wir den ersten Wagen gebaut“, erinnert sich Düber. Damals auf dem Wagen mit dabei: Ein ausgestopfter Eichelhäher. Er wurde zum Namensgeber der „Diedermejer Makolwesjer“. Mittlerweile hat der Gute mehr als 22 Jahre auf dem Buckel. Dementsprechend sieht er etwas mitgenommen und leicht gerupft aus – der Regen im vergangenen Jahr hat ihm den Rest gegeben, vermuten die Dübers. Dennoch findet sich auf dem Wagen jedes Mal ein Platz für das abgerockte Maskottchen.

Bis auf di

Der Eichelhäher hat schon 22 Jahre auf dem Buckel – und sieht auch ein wenig danach aus.

eses eine – gefiederte – Detail ließen sich die Makolwesjer aber immer Neues einfallen, erzählt Sandra Düber und zeigt alte Bilder: Vom überdimensionalen Bierfass über eine Sauna samt Kneipp-Becken, ein Schiff, einen Pilz-Wagen inklusive Fußgruppe bis hin zu einer originalgetreuen Nachbildung der Wildenburg, für die jedes Mauer-Steinchen aus Holz einzeln ausgefräst und grau bepinselt wurde, ist alles dabei.

Für die Darstellung eines Ähren-Feldes sammelten die Wagenbauer auf einem Feld sogar einzelne Ähren und bohrten zur Befestigung für jeden Halm ein Loch in eine Holzplatte, erinnert sie sich lachend. Nein, hier sind wahrlich keine arbeitsscheuen Menschen am Werk. Die Gruppe und somit auch die Wagen leben vom Teamgeist und vom Zusammenhalt der Freunde, ist Düber überzeugt: „Hier bringt wirklich jeder seine Fähigkeiten ein.“ Was natürlich auch hilft: Wenn man auf einen „eigenen“ Ingenieur wie Manuel Kaiser zurückgreifen kann.

Immer wieder suchen die Diedenberger neue Herausforderungen: „Wir bauen oft auch technische oder mechanische Elemente ein.“ So habe es zum Beispiel auch schon mal ein Förderband für Hühnereier auf den Wagen geschafft. Das gab dann aber 250 Meter nach dem Start den Geist auf. Oder eine sich drehende Ernte-Krone – gleiches Problem. „Da haben wir irgendwie kein Glück.“ Auch lebendige Tiere schaffen es immer wieder auf den Wagen: „Wir hatten schon Hunde, Ziegen und Hühner dabei.“ Es werde einfach nie langweilig.

Einfach ein paar Erbsen, Möhren oder Gurken auf den Wagen knallen und fertig – das kommt für die Zugteilnehmer in Friesenhagen nicht in die Tüte. Langweilig. Hier – wie auch bei allen anderen Friesenhagener Wagenbauern – wird viel Wert aufs Detail gelegt. Das unterscheide den Erntedank- auch vom Karnevalswagen. „Ich finde, das macht den Zug in Friesenhagen aus. Da hat man richtig was zu gucken.“ Es gebe viele Gruppen, die sich richtig ins Zeug legen. „Wir pushen uns immer gegenseitig so ein bisschen.“ Die Gemeinschaft beim Erntedankfest sei einfach gut. Jeder klatscht für jeden.

Und genau das spornt die „Makolwesjer“ immer wieder an: „Wichtig ist, dass wir etwas bauen, dass den Leuten gefällt“, sagt Düber.

„Über den Daumen gepeilt bauen wir vier bis fünf Wochen an einem Wagen.“ Er schätzt, dass etwa 200 Arbeitsstunden in das Projekt fließen. „Das ist wirklich eine Heidenarbeit“, bestätigt Michaela Messner vom Bau-Team. Und das für eine Dreiviertelstunde Erntedank-Umzug. Unglaublich aber wahr: Nach dem Event werden die selbstgebauten Kunstwerke einfach abgerissen. Da bricht jedes Mal das Handwerker-Herz. „Ein bisschen Idealismus ist schon auch dabei“, räumt Düber ein.

Nicht nur was die Arbeit betrifft, denn in das Material und in die Verpflegung für den Bau investieren die seit Jahren befreundeten „Makolwesjer“ auch ein gewisses Budget: Rund 1000 Euro fließen im Schnitt in das jährliche Bau-Projekt. Kosten, die sich die sieben Paare natürlich auch teilen. „Ohne Sponsoren und Betriebe, die einem unter die Arme greifen, wäre das aber alles nicht möglich“, betont Michaela Messner. Und auch nicht ohne die Ortsgemeinde Harbach, die das Grundstück für das Projekt zur Verfügung stellt. Im vergangenen Jahr setzten die Eichelhäher zum ersten Mal seit sehr langer Zeit aus und waren „nur“ als Fußgruppe dabei. Keine Zeit, keine Lust.

Hier kann man fleißige Handwerker sehen: In dem alten Sägewerk wird momentan Abend für Abend gewerkelt.

„Der Aufwand ist so groß, dass man das nicht machen sollte, wenn man eigentlich keine Lust hat“, warnt Düber. In diesem Jahr haben sich die Wagenbauer aber nochmal von ihren Kindern motivieren lassen. „Und wir haben festgestellt: Wenn man nicht selbst mitfährt, ist der Zug nur halb so schön.“ Trotz des Aufwands bereuen die befreundeten Paare die investierte Zeit kein bisschen, schildert Düber. „Es ist ja keine Pflicht. Man entscheidet sich jedes Jahr neu dafür.“

Seit zwei Jahren hilft nun auch der Nachwuchs der Profis mit und hat im letzten Jahr sogar schon einen eigenen kleinen Wagen – ein Eier-Auto – mit Elektro-Motor gebaut. „Aber der Motor war so lahm, dass wir bergauf schieben mussten“, erinnert sich Anna Düber. Noch sind die Kinder mit Begeisterung dabei. Das macht den Eltern natürlich Hoffnung auf den Fortbestand des Diedenberger Wagenbau-Imperiums. „Wenn sie dazu irgendwann keine Lust mehr haben, ist das aber auch nicht schlimm.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare