„Spezialisten für Lebensqualität“

DRK feierte zehn Jahre Palliativstation im Kirchener Krankenhaus

Referent Prof. Dr. med. Sven Gottschling räumte in seinem Vortrag mit einigen Mythen über Tod und Sterben auf.

Kirchen. „Viele haben ein völlig falsches Bild von dem, was wir eigentlich machen“, erklärte Palliativ-Mediziner Prof. Dr. med. Sven Gottschling am Mittwochnachmittag bei der Feierstunde zum 10. Geburtstag der Palliativstation am Kirchener DRK Krankenhaus. Ern nutzte mit seinem Vortrag „Leben bis zuletzt“ die Gelegenheit, um das Bild der palliativen Versorgung zurechtzurücken.

Neben den beiden Referenten Gottschling (Chefarzt des Zentrums für Palliativmedizin am Uniklinikum des Saarlandes)  und Willibert Pauels begrüßte Frank Litterst, Geschäftsführer DRK Krankenhaus GmbH Rheinland-Pfalz, zahlreiche Gäste, darunter Dr. med. Günter Bamberg, Chefarzt Innere und Palliativmedizin, Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Landrat Michael Lieber, Verbandsbürgermeister Maik Köhler und Stadtbürgermeister Andreas Hundhausen.

Alle Grußredner betonten, wie wichtig die Palliativstation in den vergangenen Jahren für die Region geworden sei und wie groß die Akzeptanz bei den Menschen in und um Kirchen. Sowohl Sabine Bätzing-Lichtenthäler als auch Andreas Hundhausen sprachen in ihren Grußworten über den Plan, im Landkreis Altenkirchen ein stationäres Hospiz etablieren zu wollen, um das palliative Versorgungsangebot abzurunden.

Auch das Team der Palliativstation stellte sich und seine Arbeit während der Feierstunde noch einmal vor. Dabei war allen Mitarbeitern wichtig, die Botschaft zu vermitteln: Auf die Palliativstation kommt man nicht nur zum Sterben. Das Lindern von Schmerzen und akuten Beschwerden stehe hier im Vordergrund – aber natürlich auch das Begleiten von Menschen auf ihrem letzten Weg. „Ein Stück Normalität , gelebt auf der Palliativstation – das ist ein ganz großes Ziel unserer Arbeit“, so die Mitarbeiter, die einige Impressionen und Bilder aus dem Stationsalltag zeigten.

Die Präsentation machte deutlich: Auf der Station kommt auch die Lebensfreude nicht zu kurz: Es werden Geburtstage gefeiert – auch gern mit Kaffee, Kuchen Sekt oder Wein – alles, worauf die Patienten Lust haben und was ihnen gut tue, sei hier erlaubt. Einige Patienten konnten nach einem Aufenthalt nochmal einen Urlaub mit ihren Liebsten verbringen oder sie legten ein Tänzchen mit den Schwestern aufs Parkett. Auch eine Taufe – der Herzenswunsch einer Patientin – wurde auf der Palliativstation in Kirchen gefeiert. Ein weiterer Patient konnte zwischen zwei Aufenthalten noch ein letztes Mal auf seiner geliebten Geige spielen.

Die Akzeptanz dieser Arbeit sei aber nicht von Anfang an da gewesen: „Oft wurden wir gefragt, ob wir auf die Palliativstation strafversetzt wurden“, erklärte eine Mitarbeiterin. Das sei heute – zehn Jahre später – ganz anders. „Wir bekommen viel Lob für unsere Arbeit.“

Das auf den ersten Blick doch recht ernste Thema wurde an diesem Tag aber auch von zwei Vorträgen aufgelockert. „Ich sage immer: Wir sind Spezialisten für Lebensqualität“, beschrieb Palliativmediziner Gottschling seine Arbeit. Es gehe nicht darum zu sagen, was nicht mehr geht, sondern „was geht noch?“. Er räumte mit dem Mythos auf, das Tod und Sterben immer leidvoll seien und das man nichts mehr für todkranke Patienten tun könne:  „Wir bekommen Schmerzen in weit über 90 Prozent der Fälle unter Kontrolle. Man muss nur schauen, was Wunsch ist und was Realität. Aber in aller Regel finden wir da eine Lösung.“

Eine Hemmschwelle sei für viele Erkrankte das Schmerzmittel Morphin. Morphin bedeute nicht, dass der Patient nur noch vor sich hindämmere: „Das ist ganz fein steuerbar.“ Und es verursache auch bei einer dauerhaften Behandlung keine Organschäden. „Wir haben Antworten und rennen auch dann nicht weg, wenn allen anderen nichts mehr einfällt.“ Auch im Umgang mit schwer kranken Patienten gab er den Tipp: „Die freuen sich auch mal über Witze“, so Gottschling. Es müsse nicht immer nur Trauerstimmung herrschen.

Für Humor – auch im Sterben – plädierte auch der nächste Referent, Willibert Pauels, katholischer Diakon und Büttenredner im Kölner Karneval. Er erzählte, dass viele Menschen oft Anstoß an seinen Witzen nahmen – vor allem, weil er auch ein Mann der Kirche war. Das gehe aber genauso zusammen wie Humor und das Sterben. „Humor ist die edelste Form, über den Dingen zu stehen“, so Pauels. Lachen könne die Angst besiegen.

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